Am Grenzweg gibt’s seit 1965 einen eigenen Zug. Zwei Stunden ist er unterwegs.

Neersen. Ziemlich spontan, völlig ungezwungen und von Außenstehenden kaum wahrnehmbar: So präsentiert sich der Kinderkarneval am Grenzweg - und das schon seit 1965. Bis jetzt hat es jedes Jahr ein Kinderprinzenpaar gegeben. Es hat keine weiteren Repräsentationspflichten, als am Karnevalssonntag einmal den Grenzweg rauf und runter zu fahren. Diesmal sind Robin Wierichs und Christina Lehnen die närrischen Repräsentanten von der Niers.

"Wer der Initiator des Kinderkarnevals war, ist nicht bekannt."

Hans-Alfred Gillessen

"Wer der Initiator des Kinderkarnevals war, ist nicht bekannt", sagt Hans-Alfred Gillessen. Der 43-Jährige ist Vorsitzender des Martinsvereins, der auch den Kinderkarneval unter seine Fittiche genommen hat. "Im Rahmen der Fackelprämierung werden Prinz und Prinzessin ausgesucht. Die anwesenden Kinder haben dabei die Möglichkeit, das Prinzenpaar selbst auszuwählen, falls mehrere Interessenten antreten."

Dass die Kandidatur mit den Eltern abgesprochen wird, geschieht aus gutem Grund: "Nach dem Umzug treffen sich die großen und kleinen Karnevalsfreunde entweder im Haus des Prinzen oder der Prinzessin. Dort wird dann nicht selten bis Mitternacht weiter gefeiert", verrät Gillessen.

Das Kinderprinzenpaar bekommt einen Prinzenwagen zur Verfügung gestellt, den Hermann-Josef Schroers, am Grenzweg auch als langjähriger St. Martin bekannt, mit seinem Traktor zieht.

Wie kommt es, dass dieser Umzug geschlagene zwei Stunden dauert? "Er macht immer wieder Halt, weil Nachbarn auf die Straße kommen, Berliner Ballen und Limonade reichen", erklärt Gillessen. Wie bei jedem anderen Zug werden auch Kamelle geworfen, anders als bei anderen Zügen bringen die Besucher zur After-Zug-Party Speis’ und Trank selber mit.

Den Kinder-Karnevalszug am Grenzweg gibt es seit 1965. Bis jetzt hat es in jedem Jahr ein Prinzenpaar gegeben.

Am Tulpensonntag um 10.11 Uhr setzt sich der Zug in Bewegung. Rund 80 Kinder sind dabei, zwei Stunden (!) ist der Zug unterwegs - was vor allem an den vielen Haltepunkten liegt, an denen Berliner und Limonade gereicht werden.

Wer keine Frikadellen brät und keinen Kartoffelsalat anrichtet, stellt Geld zur Verfügung - so tragen alle mit dazu bei, dass das Feiern nicht zur großen finanziellen Belastung führt.

Was Hans-Alfred Gillessen immer wieder auffällt: "Auch Anwohner, deren Kinder längst erwachsen sind, tragen ihr Scherflein zum Kinderkarneval bei." Die Feier sei alles andere als straff organisiert - eine "befohlene Heiterkeit" gebe es nicht.

"Ich war selbst nie Prinz, es hat leider nicht hingehauen", bedauert Gillessen. Kleiner Trost: Seine beiden Söhne haben es 2005 und 2008 geschafft.

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