Die besten Schülerlotsen aus dem Kreis Viersen sind Montag in Anrath ermittelt worden.

Wettbewerb
Auch Fabienne und Julia (vorne) nahmen teil. Die Prüfung nahm Dieter Bach von der Kreisverkehrswacht ab.

Auch Fabienne und Julia (vorne) nahmen teil. Die Prüfung nahm Dieter Bach von der Kreisverkehrswacht ab.

Reimann

Auch Fabienne und Julia (vorne) nahmen teil. Die Prüfung nahm Dieter Bach von der Kreisverkehrswacht ab.

Anrath. Es ist kurz vor 8 Uhr. Im Anrather Ortskern wimmelt es von Schülern, die noch rechtzeitig in den Unterricht wollen. Viele Autos schlängeln sich durch die engen Straßen. In dieser Situation behalten Julia und Fabienne den Überblick. Ausgerüstet mit Warnweste und Kelle sperren die beiden 16-jährigen Schülerlotsinnen immer wieder Straßenübergänge ab, um besonders jüngeren Kindern ein sicheres Queren zu ermöglichen.

Seit zwei Jahren sind die Zehntklässlerinnen, die die Johannesschule besuchen, Verkehrshelfer. Gestern fand an ihrer Schule ein Vorentscheid für den Landeswettbewerb der Schülerlotsen statt. Dabei ermittelten Vertreter von Verkehrswacht und Polizei die besten Lotsen im Kreis Viersen.

Für Julia und Fabienne war es sofort klar, dass sie an diesem Wettstreit teilnehmen möchten. In verschiedenen Disziplinen zeigten sie und 16 andere Teilnehmer ihr Können. Unter anderem musste jeder ein Rollenspiel absolvieren. Dabei schlüpfte Dieter Bach von der Kreisverkehrswacht in die Rolle des pöbelnden Autofahrers, der die Sperrung durch die Lotsen nicht akzeptieren möchte. Die Schüler sollten versuchen, ihn freundlich, aber selbstbewusst zu beruhigen.

Ignorantes Verhalten von Autofahrern erleben die Lotsen oft. „Immer wieder geben Leute noch mal Vollgas, ehe wir die Straße sperren können“, sagt Julia.

Neben dem Rollenspiel stand eine Theorieprüfung auf dem Programm. Außerdem sollten die Lotsen den Bremsweg eines fahrenden Autos abschätzen.

Die Plätze eins und zwei des Wettbewerbs gingen an Jana Werres und Meike van de Venn vom Werner-Jaeger-Gymnasium in Nettetal. Der drittplatzierte Lucas Greiner von der Johannesschule nimmt ebenfalls am Landeswettbewerb teil. Im Jahr 1982 fand der erste Wettbewerb statt. Bisher gab es fünf Landessieger aus dem Kreis Viersen.

Aktuell gibt es in Deutschland über 50 000 Lotsen. Im Kreis Viersen sind es zwischen 30 und 40. Mit 13 Jahren dürfen Schüler anfangen, als Verkehrshelfer zu arbeiten. In Anrath gibt es drei Stellen, an denen Lotsen aktiv sind. Im gesamten Kreisgebiet sind es sieben.

Großen Eindruck hinterließen die Verkehrshelfer bei Heinz Schwoll von der Verkehrswacht. Er führte einen Reaktionstest durch. In einem Klassenraum hatte er eine Messanlage, an der Gaspedal und Bremse befestigt waren, aufgebaut. Bei einem Signalton sollten die Teilnehmer schnell auf die Bremse treten. „Die Besten haben eine Reaktionszeit von 0,3 Sekunden. Da hätte ein Autofahrer mittleren Alters schon Probleme“, so Schwoll.

Am Rande des Wettbewerbs verwiesen Verkehrswacht und Polizei auf eine problematische Entwicklung. „Es gibt immer weniger Lotsen. Bislang haben wir das Projekt mit den Hauptschulen organisiert. Doch viele davon schließen“, sagte Andre Schmitz von der Kreispolizei. Mit neuen Kooperationen soll der Trend gestoppt werden. In St. Tönis möchte die Polizei an der neuen Sekundarschule Lotsen ausbilden. Das Lise-Meitner-Gymnasium übernimmt den Lotsendienst in Anrath, wenn die Johannesschule geschlossen ist.

Dass der Lotsendienst wichtig ist, zeigen die Zahlen. 1953 nahmen die ersten Verkehrshelfer ihre Arbeit auf. Nie hat es an einem von ihnen gesicherten Übergang einen schweren Unfall gegeben.

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