Der Prozess gegen den Mann, der im vergangenen Oktober seine Frau in Willich mit dem Messer attackierte, läuft seit Montag. Wochenlang bangten die Ärzte um Durkadins Leben, drei Monate lang lag sie im Krankenhaus.

Willich. Die Narben im Gesicht sind nicht zu übersehen. Die am Hals geht von Ohr zu Ohr. Das sind nicht die einzigen Überbleibsel, die Durkadin T. täglich beim Blick in den Spiegel an das erinnern, was sie am 22. Oktober 2008 erlebt und nur knapp überlebt hat.

Damals wurde sie Opfer der Bluttat, deren Spur sich vom Bonnenring in Wekeln bis zum Willicher Friedhof zog. Tagelang lag die junge Frau nach der Messerattacke im Koma. Für die Tat muss sich ihr Mann Zekai T. seit Montag vor dem Krefelder Landgericht verantworten. Die Anklage: "Versuchter Mord aus niederen Beweggründen."

Wochenlang bangten die Ärzte um Durkadins Leben, drei Monate lang lag sie im Krankenhaus. "Wo ist mein linker Arm?", hat sie beim Aufwachen gefragt. Sie spürte ihn nicht. Bis heute kann sie selbstständig kein Glas halten: Ihre Anwältin Miriam Möller führt es ihr zum Mund, während sie ihre Zeugenaussage vor der Zweiten Großen Strafkammer macht.

Mit leiser Stimme, hängenden Schultern und gesenktem Blick erzählt sie mit Hilfe eines Dolmetschers von dem Martyrium, das ihre Ehe gewesen sei.

"Seine Eltern haben mich ausgesucht", sagt sie. Zekais Vater und ihre Mutter sind Geschwister. Der 1972 in Willich geborene Mann heiratete sie 1997, holte sie nach Deutschland. 1999 wurde die ältere Tochter geboren, 2004 die jüngere. In diesem Jahr kauften die beiden das Haus in Wekeln.

"Seine Eltern haben mich ausgesucht."

DurkadinT., Opfer der Messerattacke im Oktober 2008

Bereits kurz nach der Heirat begann ihr Mann sie zu schlagen. Später werden auch die beiden Töchter Zeugen dieser Gewalt. Während sie in der Vernehmung davon berichtet, muss Durkadin T. mehrfach unterbrochen werden, weil die 32-Jährige von ihren Gefühlen übermannt wird. Wieder und wieder habe sie aus Angst eine Strafanzeige zurückgezogen. "Er drohte, mich umzubringen."

2003 beobachteten Zeugen, wie ihr Mann sie auf offener Straße tritt. Es blieb bei einer Verwarnung und einer Geldstrafe. "Wenn ich zuviel Stress habe, raste ich schon mal aus", gab er damals zu Protokoll.

Dessen ungeachtet wurden die Drohungen massiver, als ihn die Polizei des Hauses verweist. Zudem wird sein Konto gepfändet, weil er den Unterhaltszahlungen nicht nachkommt. "Bevor ich Dir Geld zahle, bringe ich Dich um", soll er darauf gesagt haben.

Das Verfahren gegen die vier Mitangeklagten wurde schnell beendet. Angeklagt waren Zekai T.s neue Lebensgefährtin, die seine Flucht organisiert hatte, ihr 26-jähriger Bruder, der das Auto fuhr, mit dem T. vom Friedhof aus flüchtete, ihr 35-jähriger Schwager als Beifahrer sowie der Freund von T.s Schwester. Der hatte ihn in seiner Mönchengladbacher Wohnung beherbergte, als ihn die Polizei festnahm. Alle gestehen die Strafvereitelung und werden zu Geldstrafen zwischen 900 und 3600 Euro verurteilt.

Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

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