Kämmerer Willy Kerbusch hat die Pläne für den Neubau vorgestellt. Vor allem Parkplatznot und Lärm werden befürchtet.

Präsentation
Willy Kerbusch (stehend) erläuterte die Hallenpläne. Links neben ihm Bürgermeister Josef Heyes.

Willy Kerbusch (stehend) erläuterte die Hallenpläne. Links neben ihm Bürgermeister Josef Heyes.

Kurt Lübke

Willy Kerbusch (stehend) erläuterte die Hallenpläne. Links neben ihm Bürgermeister Josef Heyes.

Willich. Lob von den Vereinen, Kritik von den Anwohnern – so lassen sich die Reaktionen auf die Pläne für eine Veranstaltungshalle in Alt-Willich zusammenfassen. Vor mehr als 100 Besuchern im Gründerzentrum hat Kämmerer Willy Kerbusch am Mittwochabend die Projektidee vorgestellt (die WZ berichtete). Sein Angebot zu Beginn, Anregungen und Bedenken zu äußern, die in die weiteren Planungen aufgenommen werden können, wurde vielfach angenommen.

Die neue Halle mit ihren etwa 1000 Sitzplätze sollen laut Ratsbeschluss den Kaisersaal ersetzen und zwischen Bütt und Jakob-Frantzen-Halle entstehen. 50 bis 70 eigene Parkplätze sind geplant. Neben den Veranstaltungen, die es bisher jährlich im Schiffersaal gibt, sollen zusätzlich 30 bis 50 für Firmenjubiläen, Privatfeiern, Messen usw. vermarktet werden, sagte Kerbusch, der am Ende seiner Ausführungen Applaus bekam.

Grünfläche könnte Not-Parkplatz werden

Gudula Küsters von der Hülsdonkstraße sprach wohl vielen aus dem Herzen: „Ich mache mir große Sorgen.“ Ihre Wohnqualität werde abnehmen, wenn künftig eine große Zahl von Veranstaltungsbesuchern andauernd mit dem Auto auf der Suche nach einem Parkplatz sei. Vor allem an schönen Sommertagen, wenn das Freibad gut besucht sei, gebe es schon heute überall wildes Parken. Weitere Bewohner vom Heiligenweg und von der Südstraße äußerten sich ähnlich. Eine Frau vom Heiligenweg gab auch zu bedenken, dass der Parkplatz vor dem Sport- und Freizeitzentrum an Trainingstagen der Fußballer schon jetzt voll sei.

„Spitzenwerte werden wir nie abdecken können“, sagte Kerbusch zum Parkproblem an heißen Tage. Er kündigte aber an, eine Grünfläche an der Schiefbahner Straße könne als Ausweich-Parkplatz hergerichtet werden. Wildes Parken müsse der Ordnungsdienst strikt unterbinden und auch abschleppen lassen. Die von den Anwohnern kritisierte Zufahrt über die Schiefbahner Straße sei aber nicht zu ändern. Man wolle die Belastungen aber so gering wie möglich halten.

Lärmgutachten ist im Verfahren notwendig

Zum mehrfach angesprochenen Lärmproblem meldete sich die Technische Beigeordnete Martina Stall zu Wort. Dazu gebe es klare Richtlinien, die man selbstverständlich berücksichtigen müsse. Ein Lärmgutachten werde die notwendigen Maßnahmen vorschreiben.

Nach Auskunft des Kämmerers soll die Stadt bei den Finanzierungskosten für die Halle jährlich zwischen 80 000 und 120 000 Euro zahlen müssen. Laufzeit: 20 Jahre. Weitere Kosten sollen für die Stadt nicht entstehen. Kritisiert wurde, dass diese Zahlen nicht schon vor der Ratsentscheidung bekannt waren. Hans-Joachim Donath: „Ich bin immer davon ausgegangen, dass sich die Halle durch die Großveranstaltungen kostenmäßig deckt.“

 Im April soll das Interessenbekundungsverfahren (öffentliche Ausschreibung) für den Hallenbau beginnen. Im Juli sollen die geeigneten Entwürfe präsentiert, im August soll entschieden werden. Im Herbst könnten die Arbeiten beginnen, so dass die Halle ein Jahr später eingeweiht werden kann.

Die Betriebsführung des Hauses wird ebenfalls öffentlich ausgeschrieben. In ihren Händen liegt es dann auch, geeignete Mieter für Veranstaltungen zu finden. Willicher Vereine sollen zu sehr günstigen Konditionen mieten können. Bei einem vergleichbaren Modell in Brüggen zahlen sie für die Komplettnutzung 35 Euro pro Stunde. Werden Eintrittsgelder erhoben oder wird ein Catering eingekauft, steigt diese Summe.
 

Eine Frau vom Heiligenweg hielt die Belastungen für „erträglich“, wenn das Lärmproblem geregelt sei. Der größte Krach entstehe ohnehin durch die Sportplätze.

Könnte auch ein anderer, weniger problematischer Standort gefunden werden? Kerbusch erklärte dazu, eine solche Halle könnte selbstverständlich auch im Stahlwerk Becker entstehen. Allerdings sei der Kostenrahmen von maximal zwei Millionen Euro dort nicht einzuhalten. Zudem hätten sich die Vereine den Ersatz für den Kaisersaal in Ortsnähe gewünscht. Das bestätigte Michael Atsuki als Sprecher der Alt-Willicher Vereine: „Unsere Hauptforderung im Vorfeld war, den neuen Saal von Ort zu Fuß erreichbar zu machen.“ Die Vereine seien der Stadt „riesig dankbar“, dass sie sich dieses Problems angenommen habe.

Lob kam auch vom Leiter des Willicher Musikprojekts, Klaus-Peter Pfeifer: Die neue Halle werde sich viel besser für Konzerte eignen als bisher die Frantzen-Halle. Eine Besucherin regte an, künftig bei Veranstaltungen mit den Eintrittskarten auf Pläne für mögliche Parkplätze zu verteilen. In Anrath habe man damit gute Erfahrungen gemacht. Und Joachim Broch erklärte für den Stadtsportverband, man sei froh, wenn die Frantzen-Halle nicht mehr länger für Kabarett und Co. gesperrt werden müsse. Parkplätze gebe es in Willich genug: „Der Kirmesplatz ist ja auch nicht so weit weg.“

Massive Kritik äußerte am Ende Bernd Engels. Er war überrascht, dass die Entscheidung über den Standort längst gefallen ist. „Jetzt können wir uns nur noch rechtlich wehren“, kündigte er an.

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