Die West Allison Blues Band gab ein Konzert im Männergefängnis. Die Inhaftierten forderten lautstark eine Zugabe. Für Bernd Neumicke vom Kunstverein ist es das zweite Konzert, das er für das Männerhaus organisiert hat.

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Gefängnis-Konzert mit der West Allison Blues Band.

Gefängnis-Konzert mit der West Allison Blues Band.

Friedhelm Reimann

Gefängnis-Konzert mit der West Allison Blues Band.

Anrath. So viel los, wie beim Johnny Cash-Gastspiel in St. Quentin, war diesmal nicht. Was nicht daran gelegen hat, dass es die West Allison Blues Band war, die im Anrather Männergefängnis aufgetreten ist. "Die Inhaftierten haben heute einfach keine Langeweile mehr", sagt eine Justizvollzugsbeamtin. Fernsehen auf der Zelle oder Gesellschaftsspiele würden ihnen viel Zeit vertreiben.

Rund 60 Inhaftierte haben ab der ersten Minute Spaß am Konzert

Und so sind es nur 60 Inhaftierte, die einen Besuch des Konzerts beantragt haben und ab 19 Uhr in den Bänken der Kirche des mehr als 100 Jahre alten Gebäudes sitzen. Doch die haben vom ersten Augenblick an Spaß an dem Auftritt der fünf Männer aus Mönchengladbach und Umgebung, die lauten, rockigen Blues offerieren.

"Wir werden hier auch einige Coverstücke spielen, die die meisten kennen", hat Sänger Michael Seltmann vor dem Konzert angekündigt. Vom ersten Takt an gehen die Männer mit, wippen mit den Füßen, nicken mit den Köpfen, klatschen und fordern nach der einen Stunde des Auftritts lautstark nach einer Zugabe.

"Wir wollten mal sehen, wie wir hier ankommen", begründet Bassist Michael Lorenz die Bereitschaft, unter den Fittichen des Kunst- und Literaturvereins für Gefangene in Dortmund aufzutreten, ohne dafür ein Honorar zu bekommen.

"Wenn wir in Kneipen auftreten, steigt die Stimmung ab einem gewissen Alkohol-Pegel automatisch. Das fällt hier weg. Und dann wissen wir, was wir wirklich können." Sie dürften mit dem Auftritt und sich zufrieden sein.

Für Bernd Neumicke vom Kunstverein ist es das zweite Konzert, das er für das Männerhaus organisiert hat. "Im Frauenhaus sind wir bereits regelmäßig." Immer wieder versucht er, Künstler für solche Auftritte zu gewinnen.

"Die meisten sagen ab, weil sie sich für andere gemeinnützige Belange engagieren." Er findet es wichtig, Gefangenen mit der Möglichkeit zu einem Konzert-Besuch ein Stück Normalität zu bieten. "Auch unter dem Aspekt der Resozialisierung."

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