Seit 2011 sucht die Stadt Willich nach Firmen, die das Kulturprogramm unterstützen. Für die Festspiele gibt es seit 1997 Sponsoren.

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Willich. Firmen unterstützen die Kultur – dieses Thema ist in der Stadt Willich alles andere als neu: Bereits 1997 wurde das städtische Tochterunternehmen „City Marketing“ gegründet, um Sponsoren für die Schlossfestspiele zu gewinnen. 2011 wurde daraus das „Kultur Marketing Stadt Willich“.

Der neue Name lässt ein erweitertes Aufgabenfeld erkennen: Nicht nur für das Sommertheater, sondern auch für das übrige städtische Kulturprogramm werden seitdem Sponsoren gesucht.

Bei dieser Suche läuft nichts ohne die persönliche Schiene: Willkürlich bei Firmen Klinken zu putzen, bringe gar nichts, weiß der zuständige Geschäftsbereichsleiter Bernd Hitschler-Schinhofen. Besser sei die Pflege persönlicher Kontakte, aus der sich dann ein Sponsoring entwickeln könne. Im Idealfall identifiziere sich der Sponsor mit der Sparte, die er finanziell unterstützen möchte.

Ein Beispiel dafür wäre der Willicher Jazzfrühling: Rechtsanwalt Bernhard Kinold sei selbst Jazzfan. Da habe es nahegelegen, dass die Kanzlei Hasler-Kinold auch das Sponsoring für die beliebte Reihe übernimmt – und das mittlerweile seit Jahren.

Auch Schreib- und Spielwaren Erren (Sponsor für das Kinderprogramm) und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft R. Saborowski (Ausstellungen) sind von Anfang an beim Kultur-Marketing dabei. „Für den Bereich Kabarett sind wir noch auf Sponsoren-Suche. Da bin ich aber guter Hoffnung“, sagt Marketing-Mitarbeiterin Astrid Kottal.

Das Kultur-Marketing macht Werbung für sich selbst. So werden Broschüren und Sponsoren-Mappen aufgelegt, um den Firmen eine finanzielle Unterstützung der Kultur schmackhaft zu machen. Darin heißt es: „Wer nun glaubt, man könne keinen ökonomischen Nutzen aus Kultursponsoring ziehen, irrt. Eine Schweizer Studie brachte ans Licht, dass Investitionen in Kultur über Umwege (Arbeitsplätze, Restaurants, Hotels) bis zu 300 Prozent Profit erwirtschaften.“

Neben dem „normalen“ Sponsoring durch Firmen werden die Schlossfestspiele auch von der Willicher Kulturstiftung der Sparkasse Krefeld unterstützt. Diese war 1991 gegründet worden, nachdem die Sparkasse Krefelder ihre Willicher Schwester übernommen hatte. Das Stiftungskapital beträgt 1,68 Millionen Euro, daraus wurde im Vorjahr eine Fördersumme von 30 000 Euro erwirtschaftet und an die Festspiele ausgezahlt. Innerhalb von 20 Jahren kam so eine Summe von 1,11 Millionen Euro für die Festspiele zusammen.

Die Summen, um die es beim normalen Kulturprogramm geht, sind nicht riesig hoch, sondern liegen „im niedrigen vierstelligen Bereich“ ergänzt Bernd Hitschler-Schinhofen: „Wir wollen keine Einstiegshürden schaffen.“ Umgekehrt könnten auch solche kleinen Summen enorm helfen, um zum Beispiel das jährliche Veranstaltungs-Programmheft zu finanzieren.

Potenziellen Sponsoren bietet die Stadt Pakete an. Je nach Umfang des finanziellen Engagements fallen sie unterschiedlich groß aus. So könnte eine Firma für das allgemeine städtische Kultur-Programm mit einem dreistelligen Euro-Betrag schon das Paket B erwerben.

Als Gegenleistung wird unter anderem das Firmenlogo auf der Rückseite der Eintrittskarten sowie eine Anzeige im Kulturkalender abgedruckt. Wer das teurere Paket A erwirbt, wird exklusiv genannt: „Firma XY präsentiert das Kabarett-Programm.“

Bei den Festspielen sehen die Gegenleistungen ähnlich aus – allerdings in einem deutlich größeren Maßstab. Hier gibt es die Sponsoren-Pakete A bis D, das finanzielle Engagement reicht von 23 000 Euro für das Paket A bis zu 3100 Euro für das Paket D. Die Haupt-Sponsoren werden unter anderem mit Logo auf der Tribünenrückwand, auf Ankündigungsplakaten, in Programmheften und in den 120 000 Festspiel-Broschüren genannt.

Für die „Käufer“ der kleineren Pakete gibt es zum Beispiel das Firmen-Logo auf den Stühlen der Zuschauertribüne. Nicht zuletzt erhalten alle Sponsoren Eintrittskarten für Aufführungen oder Premierenfeiern.

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