1fb80200-59d9-4411-a519-67dea8539f4b.jpg
Vor dem Schloss Neersen wurden Anfang Oktober die Unterschriften pro Kugelahorn an Simone Küppers überreicht. WZ-Archiv

Vor dem Schloss Neersen wurden Anfang Oktober die Unterschriften pro Kugelahorn an Simone Küppers überreicht. WZ-Archiv

Kurt Lübke

Vor dem Schloss Neersen wurden Anfang Oktober die Unterschriften pro Kugelahorn an Simone Küppers überreicht. WZ-Archiv

Willich. In Willich wird bis 24. Februar 2016 der erste Bürgerentscheid durchgeführt – Thema: „Sollen die 20 Kugelahorn-Bäume auf dem Willicher Marktplatz am jetzigen Standort erhalten bleiben und nur dann gefällt werden, wenn sie krank sind?“ Der Hintergrund: Am Donnerstagabend hat der Rat einstimmig bestätigt, dass die Bürgerinitiative „Pro Kugelahorn“ im Rahmen des Bürgerbegehrens genug gültige Unterschriften als Basis für den zweiten Schritt gesammelt hat. Der Rat musste entscheiden, ob er dem Begehren folgt oder nicht. Das tat er mit den Stimmen von CDU, FDP und SPD nicht, sondern wollte die planerische Ursprungsidee (Fällung der 20 Bäume, Neugestaltung und Neubepflanzung des gesamten Marktplatzes) verfolgen.

Diese Idee ist ebenfalls mit Beteiligung von Bürgern in der „Stadtschmiede“ entstanden. Bekanntlich hatten vier Planungsbüros unter Berücksichtigung von Wünschen aus Bürgerschaft, Einzelhandel und Markt-Anwohnern Entwürfe entwickelt, die alle die Kugelahorn-Fällung als eine Grundlage enthalten. Die Bäume sind aus Sicht des Planungsbüros nicht schützenswert und schlecht entwickelt, weil sie überwiegend im Schatten stehen.

Die Diskussion im Vorfeld der Abstimmungen zeigte wieder die gegensätzlichen Positionen auf: Die von den Grünen unterstützte Bürgerinitiative vertrat mit Markus Wolf ihren Kompromiss-Vorschlag (Erhalt von nur sieben Bäumen bei der Umgestaltung) als gutes Angebot und warf Politik und Verwaltung Kompromiss-Unwilligkeit vor. Diese Auffassung unterstützten Hagen Becker und Christian Winterbach (Grüne) in ihren Diskussionsbeiträgen. CDU, FDP und SPD hielten ihre mit der Verwaltung entwickelte Idee (Umpflanzung der 20 Bäume mit entsprechenden Kosten, ergänzende Pflanzung von weiteren 20 Bäumen sowie dazu die neuen Baumpflanzungen auf dem Markt) für einen guten Kompromissvorschlag, den wiederum die Bürgerinitiative abgelehnt habe.

Johannes Bäumges (CDU) sagte, dass die Politik „die Ideen der Bürger aus der Stadtschmiede nicht über den Haufen werfen wolle“. Er zweifelte an, dass die Kugelahorne noch eine Lebenserwartung von 35 Jahren hätten. Hans-Joachim Donath (FDP) beschuldigte „eine Fraktion“ der Täuschung: Während der Unterschriftensammlungs-Phase sei behauptet worden, der Planer habe einem Erhalt der Bäume zugestimmt. „Sie hatten die Chance, 20 neue Bäume zu pflanzen, das haben Sie verhindert“, warf er der Bürgerinitiative vor. Außerdem wollte er, dass nach dem Bürgerentscheid die Kosten ermittelt und ebenfalls veröffentlicht werdeno. Becker meinte dazu nur: „Demokratie kostet Geld.“

Die nächsten Schritte: Der Bürgerentscheid läuft auf dem Postweg ab. Die Stadt informiert die Bürger über den Inhalt des Bürgerentscheids, diese müssen Abstimmungsunterlagen beantragen. Sie können nur mit Ja oder Nein abstimmen. Die Unterlagen müssen bis 24. Februar, 16 Uhr, in der Verwaltung eingetroffen sein, so der Abstimmungsbeauftragte Thorsten Werkes. Die Auswertung erfolgt am selben Tag.

Ein weiteres Problem für den Verbleib der Bäume ist die Tatsache, dass die Marktplatz-Umgestaltung Erdarbeiten in beträchtlichem Umfang und auch mit schwerem Gerät notwendig macht. Sollen die Kugelahorn-Bäume stehen bleiben, müssten die Wurzeln sorgfältig geschützt werden, damit die Bäume nicht absterben. Das würde die Arbeiten insgesamt verteuern.

Leserkommentare (1)


() Registrierte Nutzer