Die Äußerungen des Vize-Chefs der Bundes-Senioren- Union stoßen auf Ablehnung.

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Ja, es kann schon mal lauter werden, wenn Kinder spielen oder toben. Aber am Niederrhein scheint das niemanden zu stören – ganz im Gegensatz zum Vorsitzenden der Bundes-Senioren Union.

Ja, es kann schon mal lauter werden, wenn Kinder spielen oder toben. Aber am Niederrhein scheint das niemanden zu stören – ganz im Gegensatz zum Vorsitzenden der Bundes-Senioren Union.

Norbert Schlöder distanziert sich von den Äußerungen.

Reinhard Maly ärgert sich über seinen Bundes-Vorsitzenden.

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Ja, es kann schon mal lauter werden, wenn Kinder spielen oder toben. Aber am Niederrhein scheint das niemanden zu stören – ganz im Gegensatz zum Vorsitzenden der Bundes-Senioren Union.

Willich/Tönisvorst. Wenn Kindergartenkinder draußen spielen und toben, kann es schon einmal laut werden. Weil viele Anwohner sich gegen diesen Lärm wehren und klagen, will der Bund nun einen Gesetzesentwurf einbringen, nachdem Kindergärten auch in Wohngebieten generell zugelassen werden sollen. Dagegen wehrt sich ein hochrangiges Mitglied der CDU-Senioren-Union und pocht darauf, dass Ältere ein Recht auf Erholung hätten und das Vorhaben gegen das Grundgesetz verstoßen würde.

In Schiefbahn leben die Bewohner des Hubertusstiftes Tür an Tür mit Kindern und Erziehern der Katholischen Tageseinrichtung St. Elisabeth. Im Stift kann man den Vorstoß der Senioren-Union nicht verstehen. „Ich bin seit 13 Jahren Heimleiter und in der Zeit hat sich nie ein Bewohner über Lärm beschwert“, sagt Hubertusstift-Leiter Anton Deiringer.

Immer einen guten Kontakt zum Kindergarten gehabt

Zum Kindergarten habe man einen guten Kontakt, und keiner empfinde den Lärmpegel als störend. „Im Gegenteil. Die Kinder sind eher eine Bereicherung für die älteren Menschen“, so Deiringer. Die Geräusche spielender Kinder seien für die Senioren ein Zeichen für Lebendigkeit und Lebensfreude.

Ein Plädoyer für gegenseitige Rücksichtnahme

„Wir haben eine sehr, sehr gute Beziehung zum Altenheim. Wir brauchen uns gegenseitig“, sagt auch Iris Dahmen, Leiterin der Kita St. Elisabeth. Sie kann aber verstehen, dass sich andernorts gerade ältere Menschen durch den Lärm gestört fühlen. „Der Geräuschpegel ist schon enorm. Ich kann nachempfinden, dass das manche Leute stört“. Sie plädiert für gegenseitige Rücksichtnahme und Transparenz. „Es ist immer eine Sache, wie man damit umgeht. Man muss die Gemeinde auf jeden Fall mit ins Boot holen“, so Dahmen.

„Wir nehmen Rücksicht auf benachbarte Senioren, vor allem in der Mittagszeit“, sagt Maria Leyendecker, Leiterin des katholischen Kindergartens St. Cornelius in St. Tönis. Bis jetzt habe sich aber auch noch nie jemand über den Krach beschwert. Zudem sei der überhaupt nicht so extrem. Die Kinder würden weder die ganze Zeit brüllen, noch einen dauernden Lärmpegel von 90 Dezibel erzeugen, wie es Leonhard Kuckart von der Senioren-Union dargestellt hatte.

Wenn die Kinder spielen, sind die Erwachsenen bei der Arbeit

Auch im Kindergarten Christian-Morgenstern in Willich sind noch keine Lärm-Beschwerden eingegangen. „Wir haben eine angenehme Nachbarschaft. Außerdem sind wir mit den Kindern draußen, wenn die meisten Nachbarn eh arbeiten sind“, sagt Leiterin Anita Sonntag. Für sie ist es wichtig, dass die Kinder geordnet spielen, etwas sinnvolles zu tun haben und nicht einfach nur durch den Garten toben. Dann halte sich der Lärm in Grenzen.

„Ich bin über den Vorstoß von Leonhard Kuckart sehr verärgert. Das ist nicht die Meinung der gesamten Senioren-Union, sondern einer Einzelperson“, sagt Reinhard Maly, Vorsitzender der Senioren-Union Kreis Viersen. Er hält den Vorstoß für äußerst unnötig und gibt an, dass das Vorgehen nicht mit der gesamten Senioren-Union abgesprochen worden sei. „Man muss sich die individuelle Situation in den Wohngemeinden angucken. Pauschal kann man das auf keinen Fall sagen“.

Der Meinung ist auch Norbert Schlöder von der Senioren-Union Willich. „Ich möchte mich von dieser Pressemeldung distanzieren. Sie war absolut unnötig“, erklärt er. Kinder seien Quell des Lebens und ein Therapeutikum gerade für Senioren. „Wir stehen hinter Norbert Röttgen und der von ihm geplanten Gesetzesänderung.“

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