Orhan Esin ist ein erfolgreicher Firmenchef – und ein gutes Beispiel für gelungene Integration.

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Udo Urban, Firmenchef Orhan Esin und Christopher Meier (v.l.) in der Bedachungs-Firma im Gewerbegebiet Münchheide.

Udo Urban, Firmenchef Orhan Esin und Christopher Meier (v.l.) in der Bedachungs-Firma im Gewerbegebiet Münchheide.

Lübke

Udo Urban, Firmenchef Orhan Esin und Christopher Meier (v.l.) in der Bedachungs-Firma im Gewerbegebiet Münchheide.

Willich. Der Mann ist ein Vorzeige-Unternehmer – und das gleich in mehrfacher Hinsicht: Orhan Esin stammt aus der Türkei, kam erst mit sechs Jahren nach Deutschland. Mit Intelligenz, Fleiß und Ehrgeiz hat er in der neuen Heimat seinen Weg gemacht. Heute ist der 46-Jährige Inhaber einer Bedachungsfirma mit 18 Angestellten. Udo Urban von der Agentur für Arbeit in Krefeld ist daran nicht ganz unschuldig.

Rückblick: Es ist an einem Rosenmontag, als der kleine Orhan mit seinen Eltern in Konstanz am Bodensee ankommt. Die Familie stammt aus einer Provinzstadt in der Westtürkei und hat keine Ahnung, was sie in Deutschland erwartet. Als sie den Bahnhof verlässt, zieht gerade der alemanische Fastnachtszug durch den Ort. „Ich dachte, die Deutschen wären alle bekloppt. In der ersten Zeit habe ich mich gar nicht auf die Straße getraut“, erinnert sich Esin an den „Kulturschock“.

„Irgendwann spielte die Nationalität bei mir keine Rolle mehr.“

Orhan Esin, Unternehmer

Der Junge wird von seinen Eltern in der Hauptschule angemeldet. Die besteht er mit Bravour. Vor allem in Mathe ist er ein Ass. In der 9. Klasse steht für Orhan fest, dass er weiter zur Schule gehen möchte – doch er hat keine Fremdsprachenkenntnisse. „Während der Mathe-Stunden wurde ich deshalb mit Erlaubnis der Lehrerin noch für einige Monate in den Englisch-Unterricht gesteckt.“ Dank dieses Crash-Kurses kann er weiter die Elektro-Fachschule besuchen – und holt schließlich sein Abitur mit einem Schnitt von 1,9 nach: „Ich wollte immer besser sein als die Deutschen.“

Wenig später beginnt Orhan Esin ein Bauingenieur-Studium an der FH Konstanz. Doch dann kommt der Bruch: Der junge Mann will heiraten, aber weder seine Eltern noch die Eltern der Braut sind damit einverstanden. Geheiratet wird trotzdem – doch in Konstanz kann das junge Paar nicht bleiben. „Ich habe in der Karte nachgeschaut, wo sich Ballungsräume befinden, in denen ich Arbeit finden kann. Denn ich musste Geld verdienen“, erzählt der 46-Jährige. So zieht Orhan Esin erst nach Düsseldorf, dann nach Krefeld.

Schon den Eltern war Bedeutung der deutschen Sprache klar

Dort kommt Udo Urban ins Spiel. Denn Esin landet bei ihm in der Arbeitsvermittlung. „Für einfache Jobs war der Mann viel zu schade“, sagt Urban. Also vermittelt er ihn an den Willicher Dachdecker Theo Kleinkauertz, der für seine 40-Mann-Firma gerade einen technischen Leiter sucht. Zwar ist der Unternehmer anfangs sehr skeptisch, als ihm Urban einen 22-jährigen Türken anbietet, der sein Studium abgebrochen hat. Doch mit seinen Leistungen kann Esin bald überzeugen. „Ich war anfangs der erste und einzige Ausländer im Unternehmen. Nachher hatten wir ein Vater-Sohn-Verhältnis.“

Was Esin sehr hilft: Seine Eltern hatten ihm von klein auf vermittelt, wie wichtig es ist, die deutsche Sprache zu lernen. Deutsch und Türkisch beherrscht er deshalb perfekt. Zudem ist er sich nicht zu schaden dafür, bei den Alt-Gesellen Augen und Ohren offen zu halten. „Von denen habe ich viel gelernt.“

Firmengelände auf einem alten Bauernhof

Vor einigen Jahren machte sich Orhan Esin schließlich in Meerbusch selbstständig. Und als Theo Kleinkauertz sein Unternehmen am Siemensring aufgab, kaufte sein ehemaliger Mitarbeiter das 9000 Quadratmeter große Gelände an der Autobahn. „Das ist ein alter Adelshof hier. Dem Bauern hat einst ganz Münchheide gehört“, erzählt Esin.

Mit seinem einstigen Job-Vermittler ist er längst per Du. Als Chef bemüht er sich heute, seine Erfahrungen an die Mitarbeiter weiterzugeben. „Irgendwann spielte die Nationalität bei mir keine Rolle mehrt“, erzählt Esin, dessen eigene Mitarbeiter aus fünf Nationen kommen. Auch Schulnoten seien ihm nicht so wichtig, ergänzt Udo Urban: „Ihm kann ich auch mal schwächere Leute schicken.“

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