Seit kurzem führt Helge Schwarz die Sozialdemokraten. Wie stellt er sich seine Arbeit vor?

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SPD-Chef Helge Schwarz in seiner Schreinerei in St. Tönis.

SPD-Chef Helge Schwarz in seiner Schreinerei in St. Tönis.

Kurt Lübke

SPD-Chef Helge Schwarz in seiner Schreinerei in St. Tönis.

Tönisvorst. Jaja, überall klagen sie, die Genossen von der SPD. Weil’s ihnen nicht gut geht. Überall? Nein, da verhält sich Tönisvorst fast wie das kleine gallische Dorf im Comic. Hier geht’s den Sozialdemokraten sogar gut. Und das, obwohl sie nach dem Rückzug ihres langjährigen Chefs Lothar Vauth doch eher einen Einbruch hätten befürchten müssen. "Nichts dergleichen", sagt der neue Vorsitzende Helge Schwarz und stellte sich dem WZ-Interview.

Die Jusos in Tönisvorst sprechen von sich wie von einem roten Fels in der Brandung. Würden Sie das für die gesamte SPD in der Stadt so sehen?

Helge Schwarz: Klar. Wobei ich nicht nur von einem Felsen im schwarzen Meer sprechen würde. Die Insel hat sogar Land dazu gewonnen, während das Meer kleiner geworden ist.

"Wir haben eine engagierte Mannschaft vorgefunden, die für die Ziele der Partei einsteht."

Helge Schwarz, neuer Tönisvorster SPD-Chef

Wie wollen Sie das belegen?

Schwarz: Wir haben drei Vorster Wahlkreise geholt, haben fünf Prozent mehr als bei den vorangegangenen Wahlen. Das spricht doch für uns.

Bei der letzten Mitgliederversammlung waren aber nur wenige gekommen. Wie erklären Sie sich dieses Desinteresse?

Schwarz: Es waren weniger Mitglieder da als sonst. Es war Vorweihnachtszeit, vielleicht hat das eine Rolle gespielt. Ich habe damit aber keine Probleme, so groß war die Differenz dann auch wieder nicht. Es gab ja auch keine strittigen Fragen, wir hatten ein geschlossenes Votum des Vorstandes.

Hand aufs Herz: Sind jetzt alle Vauth-Altlasten beseitigt?

Schwarz: Was heißt Altlasten? Da gibt es keine Themen, die abgearbeitet werden müssten, seitdem Lothar Vauth im März seine Ämter niedergelegt hat. Gemeinsam mit Joachim Kremser habe ich die Partei kommissarisch geführt. Wir habe eine engagierte Mannschaft vorgefunden, die für die Ziele der Partei einsteht. Abgesehen davon: Politisch hat ja niemand Lothar Vauth etwas vorgeworfen.

Hat es eine Übergabe gegeben oder haben Sie Kontakt mit ihm?

Schwarz: Nein, seit dem Rücktritt nicht mehr. Wenn wir mal etwas erfahren haben, haben wir es auch den Mitgliedern weitergegeben.

Zurück zu Ihnen: Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?

Schwarz: Joachim Kremser und ich moderieren, wir dominieren nicht. Das habe ich bereits mehrfach betont. Man kann Entscheidungen ja auch in beiderseitigem Einvernehmen treffen.

Zu den Sachthemen: Wo sehen Sie die?

Schwarz: Ich erinnere mal an den früheren Slogan "Tönisvorst, die junge Stadt". Wir wollen Vorst für junge Familien interessant machen, auf der anderen Seite die älter werdende Bevölkerung in den St. Töniser Baugebieten begleiten. Hier müssen wir für ein gutes, seniorengerechtes Angebot in der Innenstadt sorgen.

"Die Bereiche Energie und Klima sind schon lange keine speziellen grünen Themen mehr."

Helge Schwarz

Dann ist da noch die Frage der Wirtschaftsförderung.

Schwarz: Ja, hier heben wir uns auch von Bürgermeister Thomas Goßen ab. Eine Stadtverwaltung ist nicht nur Sachverwalterin für Grundstücke. Sie kann auch eine Beratung leisten und sinnvolle Investitionen bei privaten Bauherren begleiten. Ich denke da an energetische Sanierungsmaßnahmen. So etwas verstehe ich unter Wirtschaftsförderung. Ansonsten sind wir nicht so ein Standort wie Kempen oder Willich, wir sind halt ein Stückchen weg von der Autobahn.

Sie haben politisch eine tolle Karriere hingelegt. Vom Sprecher der Grünen zum SPD-Vorsitzend. Was ist "von früher" hängen geblieben?

Schwarz: Die Bereich Energie und Klima sind schon lange keine speziellen grünen Themen mehr. Das ist schon Allgemeingut. Aber ich habe schon immer eine Nähe zur SPD gehabt. Von daher halte ich es für ungemein wichtig, ein gerechtes Bildungsangebot zu schaffen. Wir brauchen Mensen für alle Schulformen. Außerdem gibt’s viele Eltern, die den Mittagstisch für ihre Kindergarten-Kinder nicht bezahlen können. Das höre ich immer wieder. Das müssen unsere Themen sein.

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