IHK mahnt in Strategiepapier Verbesserungen an.

Willich. Ein Armutszeugnis hat die Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein der Stadt Willich ausgestellt. In ihrem aktuellen Strategiepapier für die „Einkaufsregion Niederrhein“ listet die IHK unter anderem auf, in welchen Städten die eigenen Einwohner besonders ungerne einkaufen. Willich landet dabei – noch hinter der Gemeinde Schwalmtal – auf dem letzten Platz im Kreis Viersen. „Einzelhandel und Verwaltung müssen dringend nachsteuern“, mahnt IHK-Vizepräsident Friedrich Wilhelm Scholz.

Viele Pläne sind im Papierkorb gelandet

Völlig überraschend kommt diese Erkenntnis nicht: Die Stadt Willich habe einen Kaufkraftverlust von mehr als 60 Prozent, hieß es schon vor Jahren aus der Politik, als mit Macht versucht wurde, einen Baumarkt auf der „grünen Wiese“ im Willicher Norden anzusiedeln.

Diese Pläne liegen mittlerweile im Papierkorb. Andere in der Schublade. Mal sollte der Kaiserplatz nach italienischem Vorbild zu einer „Piazza“ gemacht werden, dann wieder eine Einkaufsgalerie vom Willicher Markt bis zur Brauereipassage führen. Passiert ist aber nie etwas.

Und das hat Folgen: Wie IHK und Einzelhandelsverband im Vorjahr durch eine Bürgerbefragung ermittelt hatten, gibt es in erster Linie in Alt-Willich riesige Defizite in Sachen Einkaufsqualität. Nur elf Prozent der Befragten konnten anderen einen Besuch von Alt-Willich empfehlen.

Handlungskonzept soll Alt-Willich attraktiver machen

Mittlerweile hat die Politik reagiert und ein Handlungskonzept mit rund 40 Punkten verabschiedet, das in den kommenden Jahren nach und nach umgesetzt werden soll. Es sieht unter anderem vor, den Marktplatz möglichst bald autofrei zu machen und später durch neue Pflaster, einheitliche Bänke und eine kleine Wasserachse hübscher zu machen.

Von der WZ befragte Einzelhändler im Ortskern waren aber von der Idee, die Autos ganz vom Markt zu verbannen, alles andere als begeistert. Und auch die IHK schreibt in ihrem Strategiepapier: „Die Innenstädte sollten erreichbar bleiben.“ Sie warnt gleichzeitig vor der Gefahr, Einkaufsmöglichkeiten in großem Stil außerhalb der Ortskerne zu schaffen. Eine Tendenz, die gerade in Alt-Willich seit Jahren zu erkennen ist: Aldi liegt im Stahlwerk Becker, Lidl (bisher in der Brauereipassage vertreten) und der dm-Markt folgen in diesem Jahr.

Leserkommentare (5)


() Registrierte Nutzer