Die Arbeit der Zeitzeugen-AG am Lise-Meitner-Gymnasium stand im Mittelpunkt des Gedenktages.

Holocaust
Auf dem jüdischen Friedhof in Vorst ist am Montag ebenfalls der Opfer der Nationalsozialisten gedacht worden. Redner dort war der Tönisvorster Bürgermeister Thomas Goßen.

Auf dem jüdischen Friedhof in Vorst ist am Montag ebenfalls der Opfer der Nationalsozialisten gedacht worden. Redner dort war der Tönisvorster Bürgermeister Thomas Goßen.

Pfarrer Markus Poltermann sprach ebenfalls vor dem Schülern des Lise-Meitner-Gymnasiums.

Reimann, Friedhelm (rei), Bild 1 von 2

Auf dem jüdischen Friedhof in Vorst ist am Montag ebenfalls der Opfer der Nationalsozialisten gedacht worden. Redner dort war der Tönisvorster Bürgermeister Thomas Goßen.

Anrath. Am Montag war Holocaust-Gedenktag. In Anrath fiel er besinnlich und mahnend aus: Im Mittelpunkt einer Veranstaltung im Lise-Meitner-Gymnasium standen die Ergebnisse, die die fünfköpfige Zeitzeugen-AG unter der Regie der Geschichtslehrerin Katja Wagner erarbeitet hatten. Hinzu kamen berührende Beiträge eines Vaters und von Pfarrer Markus Poltermann.

Die Anrather Juden sind keine anonymen Wesen mehr

Sie hatten sich anderthalb Jahre lang getroffen, um sich mit einem dunklen Kapitel deutscher Geschichte auseinanderzusetzen: Jonas Lieth, Timo Hausen, Paul Benedikt Krämer, Robin Backer und Peer Linders schlossen sich der Zeitzeugen-AG an, obwohl diese Leistung nicht benotet wird.

Sie opferten Freizeit und wurden mit wichtigen Erkenntnissen belohnt: „Ich kann mir jetzt ein Bild machen über die Situation der Juden im Dritten Reich in Anrath“, sagte Paul Benedikt Krämer (15).

Juden, das sind für sie keine unbekannten, anonymen Wesen, sondern Mitglieder der Familien Grünewald, Servos, Cohen, Laubinger oder Cassel – so hießen die Anrather, denen mit den Stolpersteinen ein kleines Denkmal gesetzt wurde. Auf fünf Stellwänden steht alles, angefangen von den ersten Schikanen der jüdischen Mitbürger bis hin zu ihrer Vernichtung.

Ja, auch in Anrath hat es eine Synagoge gegeben, ja, auch sie ist während der Pogromnacht zerstört worden. Juden hatten seit 1650 im Ort gelebt. All dies stellten die Schüler dar, die unter anderem über Stadtarchivar Udo Holzenthal und über Bernd Dieter Röhrscheid, der am St. Bernhard-Gymnasium unterrichtet hat, ihre Informationen bekommen hatten. Ghettobildung, Judenstern, Wannseekonferenz, Arisierung – das waren die Stichworte des Grauens.

Die Ausstellung der Zeitzeugen-AG ist noch diese Woche im Anrather Gymnasium zu sehen.

 Fünf Zeitzeugen, unter ihnen Hans-Peter Enger, waren von den Schülern befragt worden.

Bernd Dieter Röhrscheid kündigte an, dass im Juni in allen Willicher Stadtteilen weitere Stolpersteine verlegt werden.

 Die AG hat ihre Ergebnisse in einer 24-seitigen Broschüre festgehalten.

Pfarrer Poltermann lobte die 14 bis 16 Jahre alten Schüler: „Ihr habt viele Menschen wachgerüttelt.“ Er sprach damit vor allem die Verlegung der Stolpersteine an.

Jens Backer (49), der Vater von Robin, ist Zeuge Jehovas. Er schilderte, wie diese Minderheit im Dritten Reich eingeschüchtert, bedroht und getötet wurde, weil sie sich dem Wehrdienst entzog und das „Heil Hitler“ verweigerte. Die Nazis hätten gehofft, den Widerstand damit zu brechen – vergeblich.

Robin Backer erzählte einen Vorgang aus zwei Perspektiven, wie sie unterschiedlicher nicht sein können: Den Abtransport von Juden aus der Sicht einer Betroffenen, Hilde Sherman, und eines Polizeibeamten. Es ist ein Zeugnis von Gnadenlosigkeit und Unmenschlichkeit. Immerhin: Hilde Sherman hatte als einzige aus ihrer Familie überlebt, ist 2011 in Jerusalem verstorben.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer