Bei dem Rundgang in der derzeit mit 141 Frauen belegten Haftanstalt lobt die Ministerin den "Charme" des Gebäudes. Doch die Zellengröße von wenigen Quadratmetern und die kleinen Oberlichter missfallen ihr.

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Roswitha-Müller-Piepenkötter (l.) mit JVA-Leiterin Renate Gaddun.

Roswitha-Müller-Piepenkötter (l.) mit JVA-Leiterin Renate Gaddun.

Roswitha-Müller-Piepenkötter (l.) mit JVA-Leiterin Renate Gaddun.

Anrath. "Was ist denn ein Käseaustausch?", fragt Roswitha Müller-Piepenkötter unvermittelt, als sie mit einem Tross JVA-Bediensteten und Fachbereichsleiterin einen Rundgang durch die JVA Willich II schreitet. Zettel mit Bemerkungen wie "Belegt: 1, Holzkurs" oder dem Hinweis auf den "Käse- und Wurstaustausch" verweisen auf den Zellentüren auf die Tätigkeit und eben den speziellen Speiseplan der Insassen, erklärt die Leiterin des Frauengefängnisses, Renate Gaddun ihrem Gast.

Einen gewöhnlichen Besuch hat die NRW-Justizministerin am Mittwoch dem Frauengefängnis abgestattet. Sagt die Ministerin. Dass sie sich in der nächsten Zeit mit der Zukunft des Altbaus befassen muss, kommt da scheinbar ganz zufällig gelegen.

Die Bausubstanz macht einige Probleme

Bei dem Rundgang in der derzeit mit 141 Frauen belegten Haftanstalt lobt die Ministerin den "Charme" des Gebäudes, gibt aber zu bedenken, dass die mehr als hundert Jahre alte JVA den heutigen Sicherheitsstandards nicht mehr entspreche und auch die Bausubstanz nicht mehr in Ordnung sei.

Besonders die Zellengröße von wenigen Quadratmetern und die kleinen Oberlichter missfallen ihr. "Da muss man sich ja auf einen Stuhl stellen, um rauszuschauen", kritisiert sie. "Und es ist alles etwas eng." Das könne den Erfolg des Vollzugs gefährden.

"Ich habe das Gefühl, dass in Willich alle Bediensteten und Fachbereiche gut zusammenarbeiten", lobt sie und verweits auch auf die erfreulich hohe Quote von in schulischen oder beruflichen Maßnahmen beschäftigten Gefangenen. Rund 70 bis 80Prozent der zur Arbeit verpflichteten Strafgefangenen können im Frauenhaus derzeit einer Arbeit nachgehen.

Und das guckt sich die Ministerin genauer an. Und so erfährt sie, umgeben von orangen Stofflagen, dass in der Schneiderei die Wochen Farben haben, den Vorhängen entsprechend, die gerade genäht werden.

In einem Großraumbüro besucht sie die Gefangenen, die Computerkurse absolvieren, in der Wäscherei sieht sie, wie tonnenweise dampfende Wäsche gemangelt und gefaltet wird und im Werkraum, wie Frauen Holz zu Kinderspielzeug verarbeiten. Alle Arbeitsstätten werden, bis auf die Wäscherei, die mit dem Männerknast gegen die Küche getauscht wird, mit in den Neubau ziehen.

Die Entscheidung über die weitere Nutzung steht noch aus

Beim Bürgerforum am Montag deutete Müller-Piepenkötter an, die Zweigstellen in Krefeld und Mönchengladbach möglicherweise in den frei werdenden Altbau, verlegen zu wollen.

Die Faktenlage dazu hat sich seit dem Bürgerforum am Montag noch nicht verändert. "So schnell sind selbst wir im Ministerium nicht", sagt die Ministerin und verweist auf andere Projekte. Dennoch will sie die Entscheidung darüber, was mit dem Altbau geschehen solle, nicht auf die lange Bank schieben.

"Man wird das Gebäude nicht über mehrere Jahre leer stehen lassen", sagt Müller-Piepenkötter. Es werde sich vermutlich "nur" einige Monate dauern, bis die Entscheidung über die weitere Nutzung gefallen sei, um das Gebäude, so die Ministerin, nicht verfallen zu lassen.

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