Der Schwimmverein Willich hat einen bösen Brief geschrieben. Es geht um 200 Euro Preisgeld für „Mission Olympic“.

Ärger

Finger, Stefan (fing)

Willich. Ende 2012 war der Jubel groß, als die Stadt Willich in Berlin den Städtewettbewerb „Mission Olympic“ gewinnen konnte. Eine Siegprämie in Höhe von 35 000 Euro durfte Bürgermeister Josef Heyes damals mit nach Hause nehmen. Doch in den Monaten danach entwickelte sich dieser Preis für „Deutschlands aktivste Stadt“ zum Zankapfel. Erst ein halbes Jahr später konnte sich der Stadtrat endlich darauf einigen, wie das Geld verteilt werden sollte.

Der Ärger aber ist bis heute nicht überwunden. Zumindest nicht beim Schwimmverein Willich. Der hat vor einigen Tagen einen bösen Brief an den Bürgermeister, die Ratsmitglieder und den Vorstand des Stadtsportverbandes geschickt.

In dem Schreiben, das von den Vorstandsmitgliedern um Geschäftsführer Eike Müller (Foto) unterschrieben worden ist, bedankt sich der Verein „sehr herzlich“ für die 197,74 Euro, die man aus dem Preisgeld erhalten habe. Weiter heißt es dann: „Allerdings ist es uns ein Rätsel, wie wir die verlangte nachhaltige Verwendung des Geldes sicherstellen sollen, denn diese knapp 200 Euro decken nicht einmal die Kosten, die uns durch das Zwölf-Stunden-Nachtschwimmen entstanden sind.“

„Kirschkernweitspucken“ als gleichwertig angesehen

Das Nachtschwimmen gehörte an den Finaltagen im Sommer 2012 zu den größten Aktionen bei „Mission Olympic“ in Willich. Das habe die zuständige städtische Beigeordnete Brigitte Schwerdtfeger schon Anfang 2013 deutlich gemacht, heißt es in dem Brief. Nun aber werde der Schwimmverein dafür „abgestraft“, eine einzige, sehr aufwendige Veranstaltung auf die Beine gestellt zu haben, statt mit vielen Kleinstveranstaltungen auf die reine Menge zu setzen.

Anscheinend sei der bis zur Erschöpfungsgrenze gehende Einsatz vieler Mitglieder eines kleinen Vereins nicht erwünscht, wenn „ein Kirschkernweitspucken als gleichwertig angesehen wird“. Große Mehrspartenvereine würden so bevorteilt.

Heyes schreibt an die „lieben Vorstandsmitglieder“

 Nach dem Sieg bei „Mission Olympic“ gab es in der Politik Streit über die Frage, wie das Preisgeld verwendet werden soll. So wollte die CDU die Siegprämie in eine Stiftung einbringen, SPD und FDP wollten die Vereine direkt unterstützen.

Der Stadtsportverband protestierte schließlich Mitte 2013 gegen den endlosen Streit. Das Ganze wurde als „Klatsche für die Vereine“ empfunden.

Im Juli 2013 beschloss der Stadtrat dann, das Geld nach einem bestimmten Schlüssel an Vereine, Schulen und Kindergärten auszuschütten. Nach der Entscheidung gab es Applaus von den Besuchern im Saal.

Die Verantwortlichen des Schwimmvereins kritisieren außerdem, dass nach dem vom Rat beschlossenen Verteilungsschlüssel Schulen und Kindergärten mehr als 45 Prozent des gesamten Preisgeldes erhalten. Man befürchte, dass das für den Breitensport ausgelobte Geld auf diese Weise in Investitionen gesteckt werde, für die die Stadt ohnehin aufkommen müsse.

Eike Müller, Schatzmeister Udo Bombis, Schwimmwart Bernd Koenen und andere Vorstandsmitglieder berichten, dass ihre Jugendabteilung seinerzeit eine weitere Veranstaltung auf der Schwimmbadwiese organisieren wollte. Das habe die Stadt damals abgelehnt. Nun falle es dem Vorstand sehr schwer, den mehr als 600 Mitgliedern gegenüber „die zukünftige Teilnahme an Aktionen dieser Art zu vertreten“.

Bürgermeister Josef Heyes hat auf den Protest der Schwimmer übrigens schon reagiert. Schriftlich lässt er die „lieben Vorstandsmitglieder“ wissen, dass der akribisch vorbereitete Verteilerschlüssel von den zuständigen politischen Gremien beraten und entschieden worden sei. „Diesem Votum musste ich folgen“, so Heyes.

Von Anfang an sei dabei klar gewesen, dass nicht einzelne sportliche Leistungen die Punkte machen, sondern die Vielzahl der Teilnehmer. „Trotz des verständlichen Ärgers möchte ich Sie bitten, im Interesse der sportlichen Aktivitäten in unserer Stadt mit Ihrem bekannten Engagement erfolgreich weiterzumachen“, so der Bürgermeister abschließend.

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