Tropisches Exemplar wächst derzeit in einem Garten an der Verresstraße.

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Ist das nicht ein Prachtexemplar von einem Tintenfisch-Pilz? Mykologe Manfred Gumbinger (rechts) und Gartenbesitzer Kai Suffner staunen nicht schlecht.

Ist das nicht ein Prachtexemplar von einem Tintenfisch-Pilz? Mykologe Manfred Gumbinger (rechts) und Gartenbesitzer Kai Suffner staunen nicht schlecht.

Kurt Lübke

Ist das nicht ein Prachtexemplar von einem Tintenfisch-Pilz? Mykologe Manfred Gumbinger (rechts) und Gartenbesitzer Kai Suffner staunen nicht schlecht.

Neersen. Normalerweise bringt den Mann nichts so schnell aus der Fassung. Aber es gibt Dinge, die selbst Manfred Gumbinger aus Neersen nervös machen. Anlass: ein Fund in Nachbars Garten in Form eines Pilzes, den es eigentlich in unseren Breitengraden nicht geben dürfte. Weswegen der 74-Jährige das Wort "Sensation" wohl auch zu Recht in den Mund nimmt.

Ex-Stadtwerke-Chef traute seinen Augen kaum

Der Reihe nach: Gumbinger ist leidenschaftlicher Pilz-Fan, Amateur-Mykologe heißt das korrekt. Das wissen natürlich auch seine Freunde und Bekannten. Als sich bei Familie Suffner an der Verresstraße auf dem Rasen ein knallig rotes Gewächs zeigt, wurde der frühere Stadtwerke-Chef eingeschaltet.

Der nahm den Pilz in Augenschein und traute zunächst seinen Augen kaum. "Das ist ein Tintenfisch-Pilz, der ursprünglich aus Australien, Neuseeland oder Tasmanien stammt", erklärt Gumbinger. Später sei das Gewächs nach Europa eingeschleppt und unter anderem in Italien nachgewiesen worden.

Die Pilze schießen aus einem Hexenei

"Ich selbst habe ihn zweimal im Südschwarzwald gefunden", berichtet Gumbinger. Dass er jetzt nördlich der Main-Linie auftaucht, und das ausgerechnet beim Nachbarn in Neersen, vermag er immer noch kaum zu glauben.

Es handelt sich quasi um einen Pionier-Pilz. Und nicht nur das. Mittlerweile hat sich ein zweites Exemplar gezeigt, ein drittes ist offenbar im Entstehen begriffen. Das sieht man an den so genannten Hexeneiern. Aus den weißen Kugeln schießen die Pilze irgendwann hervor.

Der deutsche Pilz-Atlas muss neu geschrieben werden

Als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Pilze Niederrhein (APN) wird Gumbinger den 20 Zentimeter großen Tintenfisch-Pilz nun fotografieren und beschreiben. Und da der Ort so ungewöhnlich ist, muss die Geschichte dieses Exemplars aus der Gattung der Rutenpilzartigen zumindest für Deutschland neu geschrieben werden.

Das Neersener Gewächs, sein wissenschaftlicher Name ist clathrus archeri, ist rund 20 Zentimeter breit und besonders schön. Natürlich wusste Familie Suffner, in deren Garten es steht, nicht, um was es sich genau handelt. Eine grobe Klassifizierung war auch für Laien möglich.

Der wunderschöne Blumenpilz müffelt nämlich ganz gewaltig. Es ist verwandt mit der Stinkmorschel (phallus archeri). Womit auch erklärt wäre, warum man den als giftig eingestuften Pilz nicht versehentlich essen würde: Wer probiert schon gerne etwas, das wie Aas riecht?

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