Eltern helfen an der Hülser Straße bei der Leseförderung und in der eigenen Schulbücherei mit.

Petra Hohenauer sitzt mit einer Schülerin im Flur, die an diesem Morgen ein Wende-Diktat macht.
Petra Hohenauer sitzt mit einer Schülerin im Flur, die an diesem Morgen ein Wende-Diktat macht.

Petra Hohenauer sitzt mit einer Schülerin im Flur, die an diesem Morgen ein Wende-Diktat macht.

Friedhelm Reimann

Petra Hohenauer sitzt mit einer Schülerin im Flur, die an diesem Morgen ein Wende-Diktat macht.

St. Tönis. Der Slogan Schock Deine Eltern, lies ein Buch zieht an der Hülser Straße nicht mehr. Bücher sind an der Grundschule keine Staubfänger. Durchschnittlich leiht sich jeder der 380 Schüler in der Schulbücherei 18 bis 20 Titel im Jahr aus. Für dieses belesene Hin und Her sind viele Eltern, vor allem Mütter, verantwortlich.

"Die Baumhaus-Serie geht gut, Wilde Kerle und die 3??? auch", sagt Monika Meuters. Sie hat an diesem Morgen mit Gaby Thissen in der Bücherei Dienst. Sie gehören zum 30-köpfigen Team um Barbara Tophofen, das die Bibliothek mit ihren mittlerweile 4000 Titeln führt. Reichlich Lesestoff, den die Klassen jede Woche in ihrer Ausleihzeit sichten und für Schmökerstunden mit nach Hause nehmen, notiert auf Karteikarten in Rosa.

Rektor dankt für die individuelle Förderung der Kinder

"Wir sind mehr als dankbar über das Engagement der Eltern", sagt Rektor Willi Kamp, der sein Lob ausdrücklich auch auf die vielen ehrenamtlichen Lesemütter bezieht. Sie sind Stützen der individuellen Förderung der Jungen und Mädchen, die mit 25 bis 30 Kindern in der Klasse lernen.

Die Lesemütter erscheinen am Unterrichtsmorgen und nehmen vor den Klassenzimmern Platz im Flur. "Die Kinder lesen uns Hausaufgabentexte vor oder Lektüre, die gerade in der Klasse bearbeitet wird", sagt Silvia Schlotterhose. Ihr Sohn besucht bereits die dritte Klasse, sie ist als Lesemutter von Anfang an dabei. "Es ist sehr schön mitzuerleben, wenn die Kinder zunehmend lesen können, wenn die schüchternen Kinder mehr und mehr aus sich heraus gehen", sagt sie. Ruth Syring pflichtet ihr bei. "In der ersten Klasse ist es am faszinierendsten. Erst lesen die Kinder einzelne Worte, spätestens nach Weihnachten dann erste Sätze."

Die Mütter lassen sich vorlesen, korrigieren hier und da, fragen Textverständnis ab oder feilen mit den Kindern an der Betonung. Petra Hohenauer ist seit fünf Jahren Lesemutter. Sie hat gerade ein Mädchen bei einem Wende-Diktat betreut: Es sollte einen Text lesen, sich nach und nach Wörter und Sätze einprägen und aufschreiben.

Vom 1. bis 3. Schuljahr unterstützen Lesemütter und -väter an der Grundschule Hülser Straße das Lesenlernen.

Seit 2003 gibt es an der Schule eine eigene Bücherei mit zurzeit 4000 Titeln. Jede Klasse hat einen 30-Minuten Ausleih-Termin pro Woche. 30 Mütter um Initiatorin Barbara Tophofen organisieren die Ausleihe.

Mindestens zwei Mal im Halbjahr gibt es Vorlese-Termine. Dann lesen Lehrer vor; die Schüler können zwischen verschiedenen Themen wählen.

Die ruhige Flur-Atmosphäre mögen Kinder und Lesemütter gleichermaßen. "Das ist eine wertvolle Arbeit, die wir hier tun", sagt Petra Hohenauer. Ihre Kolleginnen nicken. Nach den Jahren als Zuhörerinnen haben sie raus, ob ein Schüler einen Text nur vorliest oder ihn auch verstanden hat. Bei Quatsch-Texten beispielsweise: Nur wenn die Kinder beim Vortragen auch mitdenken, lachen sie. Lesen kann so schön sein.

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