Hedwig Scheulen aus Willich nennt ein historisches Schätzchen ihr eigen: Sie besitzt eine Dorfchronik aus dem Jahr 1853.

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Hedwig Scheulen zeigt die Chronik aus dem Jahr 1853. Die Einträge reichen bis ins frühe 17. Jahrhundert.

Hedwig Scheulen zeigt die Chronik aus dem Jahr 1853. Die Einträge reichen bis ins frühe 17. Jahrhundert.

Die Chronik aus dem Jahr 1853.

Kurt Lübke, Bild 1 von 2

Hedwig Scheulen zeigt die Chronik aus dem Jahr 1853. Die Einträge reichen bis ins frühe 17. Jahrhundert.

Willich. „Im Jahre 1748 fand hier eine neue Einweihung des Kirchhofs statt, weil auf demselben der Geistliche Jathöma, das heißt Johann Thomas, so geschlagen wurde, das Blut geflossen ist.“ Was Hedwig Scheulen da vorträgt, klingt wie ein historischer Krimi. Spannend ist es wirklich, aber ein Krimi ist es beileibe nicht, sondern Tatsache. „Als ich das Buch zum ersten Mal gelesen habe, war ich einfach nur erstaunt, was alles in Willich passiert ist und was alles schriftlich festgehalten wurde“, sagt die Willicherin.

Dabei ist es nicht irgendein historisches Buch, das so manches Geheimnis von Willich verrät, sondern eine Dorfchronik aus dem Jahre 1853. Das historische Schätzchen mit dem unscheinbaren schwarzen Einband und den alten vergilbten Seiten, auf denen in feinster Sütterlinschrift ein Stück Geschichte von Willich festgehalten ist, gehörte einst dem Urgroßvater von Scheulen, Wienand Scheulen.

Von Generation zu Generation wurde die Schrift weitergegeben

Durch die Jahrhunderte wurde es innerhalb der Familie weitergegeben. Die Chronik überlebte Unruhen und sogar zwei Weltkriege. „Mein Urgroßvater war Schneider und lebte damals neben dem Rathaus. Wie die Chronik in seine Hände gelangte, weiß ich leider nicht“, berichtet Scheulen.

Fest steht nur, dass ihr der Großvater Jakob Scheulen, der immer viel von früher erzählte, die Dorfchronik vermachte. Geschrieben ist natürlich alles in alter Druckschrift. Diese Schrift kann Scheulen allerdings gut lesen. „Meine Urgroßmutter hatte ein Kräuterbuch, anhand dessen habe sie lesen gelernt habe“, erzählt die Willicherin.

Die Bürgermeisterei Willich für das Jahr 1850 mit Grundsteuern, Marktstandgeldern, Jagdpacht und Klassensteuer ist in der Dorfchronik genauso zu finden wie Zeitgeschehen. Ob die Lungenseuche im Jahr 1844 bei den „Rindviechern“, wie es beschrieben wird oder die Unruhen bei den sogenannten Brot-Krawallen im Jahr 1847 – alles ist dokumentiert.

Verfasst wurde das Werk dabei von Pfarrer und Schulpfleger Peter Franz Bayertz. Er unterzeichnete das Buch mit dem Datum 22. Oktober 1853.

Zeitlich geht es zurück bis ins Jahr 1600. So ist zu lesen: „1612 vermacht Johann in der Sittard an die Kirche und an die Armen 250 Taler“.

Wenn Scheulen dabei durch die Seiten blättert, geschieht das mit äußerster Sorgfalt. Denn dass der Zahn der Zeit an der Chronik genagt hat, ist unübersehbar. „Ich verwahre das Buch extra sorgfältig geschützt im Schrank, damit kein Sonnenlicht heran kommt“, verrät sie. Eins ist sicher, die Dorfchronik verrät viel über Willich und Ahnenkunde könnte mit dem Werk reichlich betrieben werden.

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