Grabung: Dem neuen Baugebiet in Vorst droht wegen Funden aus der Eisenzeit das Aus.

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Im Herbst vergangenen Jahres haben die Archäologen mit den Grabungen begonnen. (Archiv-Bild:Reimann)

Im Herbst vergangenen Jahres haben die Archäologen mit den Grabungen begonnen. (Archiv-Bild:Reimann)

Im Herbst vergangenen Jahres haben die Archäologen mit den Grabungen begonnen. (Archiv-Bild:Reimann)

Vorst. Ein Angebot für junge Familien machen, den kleineren Stadtteil stärken - das sind nur zwei der Gründe, die immer wieder genannt werden, warum im Vorster Norden ein Baugebiet eingerichtet werden soll. Geplant ist das Ganze schon lange, einen richtigen Fortschritt gab’s dann aber nicht. Und jetzt droht möglicherweise sogar das Aus.

Was ist geschehen? Bekanntlich hatten sich die Archäologen für das 6,7 Hektar große Areal interessiert. Und waren prompt fündig geworden. Funde aus der Eisenzeit waren zu Tage getreten. Und hier gibt’s das Problem: Was liegt dort noch? Die Experten vom Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege sehen weiteren Suchbedarf.

Stadt hat für Ausgrabungen schon 20000 Euro bezahlt

"Die sagen uns nicht, wie lange das noch gehen soll und wie umfangreich es möglicherweise noch wird", klagt Kurt Viethen, Fachbereichsleiter für Stadtplanung. Was ist an den Ausgrabungen so ärgerlich? "Wir als Stadt müssen sie finanzieren", sagt Viethen.

Das hat bis jetzt 20000Euro gekostet. Und weil die Denkmalschützer weiter nachsehen wollen, was sich dort im Boden verbirgt, dreht sich die Kostenspirale für die Stadt weiter.

Viethen wandte sich an das Amt für Bodendenkmalpflege und fragte, wie lange die Arbeit noch gehen soll. "Das Ausmaß der zu untersuchenden Flächen wird sich an der jeweiligen Befundsituation orientieren müssen, die derzeit nicht bekannt ist. Es tut mir leid, Ihnen keine konkreten Angaben machen zu können", wurde ihm mitgeteilt.

Das Urnengräberfeld im Gebiet Hinkes Weißhof wurde am 9. Juli 1984 entdeckt. Hier waren Urnen mit der Asche von Toten vor rund 1900 Jahren in kleinen Erdhügeln beigesetzt worden.

Die Rechtslage war seinerzeit eine andere. Um Ausgrabungen kümmerte sich der Landschaftsverband Rheinland (LVR). Es gab keinen Stopp von Arbeiten. Häuslebauer mussten dem LVR 14 Tage vor Baubeginn mitteilen, wann sie loslegen wollten. Daraufhin wurden dann Ausgräber in Marsch gesetzt.

Was die Archäologen bis jetzt freigelegt und gesichert haben, deutet auf eine Besiedlung hin, die noch aus der Eisenzeit stammt, also 6. und 7. Jahrhundert vor Christus. Es gibt im ganzen Rheinland nur wenige solch gut erhaltener Siedlungsplätze.

Übersetzt heißt das wohl: Wenn die Stadt bauen will, muss sie erst mal die Archäologen ranlassen - und bezahlen. "Das ist ja das Fatale", erklärt Viethen. "Wenn wir die Fläche nicht anpacken, lassen die die auch in Ruhe."

Verhindert die Bonner Behörde also das Gebiet? "Ich verstehe das nicht als bewusste Blockade-Haltung", sagt Viethen diplomatisch. Er hat das Vorhaben Vorst-Nord auch noch nicht ad acta gelegt: "Freiwillig geben wir das nicht ab."

Was dem Baugebiet aber ernsthaft im Weg stehen könnte, ist die mögliche Bedeutung des Fundes. Wurde Mitte der 80er Jahre im Gebiet Hinkes Weißhof ein rund 2000 Jahre altes Urnengräberfeld entdeckt und als Sensation gefeiert, so wird das eventuell durch die aktuellen Funde getoppt.

Denn als noch spannender wurde schon damals die Frage gestellt: "Wo lag die eigentliche Siedlung, die zum Urnengräberfeld gehörte?" Wenn diese Frage mit "Vorst-Nord" beantwortet ist, bleibt die Bebauung durch die Belger (germanisch-keltisches Mischvolk) wohl die einzige an der Hecke.

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