Mario Brocker (M.), Gerd Sauerwein (Landwirtschaftskammer, l.) und Bürgermeister Josef Heyes bei der offiziellen Saisoneröffnung der Möhrenernte auf einer Parzelle bei Anrath.
Mario Brocker (M.), Gerd Sauerwein (Landwirtschaftskammer, l.) und Bürgermeister Josef Heyes bei der offiziellen Saisoneröffnung der Möhrenernte auf einer Parzelle bei Anrath.

Mario Brocker (M.), Gerd Sauerwein (Landwirtschaftskammer, l.) und Bürgermeister Josef Heyes bei der offiziellen Saisoneröffnung der Möhrenernte auf einer Parzelle bei Anrath.

Lübke

Mario Brocker (M.), Gerd Sauerwein (Landwirtschaftskammer, l.) und Bürgermeister Josef Heyes bei der offiziellen Saisoneröffnung der Möhrenernte auf einer Parzelle bei Anrath.

„Vor exakt 60 Jahren habe ich die ersten Möhren mit einer kleinen Sämaschine selbst eingepflanzt“ – daran kann sich Hans Brocker noch gut erinnern. Mit dem Anbau hatte sein Vater Matthias in den 1950er Jahren angefangen. Mittlerweile ist Hans Brocker 75 Jahre alt. Und was der Unternehmer, der jetzt etwas kürzer treten will, mittlerweile rund um die Karotte alles erreicht hat, das zeigte sich gestern. Als ganz offiziell im Betrieb an der Straße „Im Fließ“ die deutsche Möhrensaison 2017 eröffnet wurde.

„Am 10. Juni haben wir bereits mit der Ernte begonnen, diese dürfte bis Mitte November gehen“, sagte in der runtergekühlten Halle 13 sein Sohn Mario Brocker (41), der die Gesellschaft der Produktion und Verpackung am 1. Juli von seinem Vater offiziell übernommen hatte. Und wenn der Junior von „Wir“ redet, meint er in erster Linie die etwa 50 Landwirte, auf deren Flächen im Umkreis von rund 80 Kilometern die Möhren angebaut werden. Außerdem kommen etwa 35 Bio-Bauern größtenteils aus Niedersachsen, Hessen und Schleswig-Holstein dazu.

Mittlerweile hat das Unternehmen in Schiefbahn 120 Mitarbeiter. Die Logistik wird von Korschenbroich-Glehn aus erledigt. Darum kümmert sich sein zweiter Sohn, Hans-Jürgen Brocker (46). Beziehungsweise seine über 40 Fahrer, die die Möhren zur weiteren Verarbeitung und Verpackung abholen und das Lebensmittel anschließend in schweren Lastern zu den Groß- und Einzelhandelsmärkten fahren.

Mit einer Anbaufläche von zwei Hektar hatte der Betrieb in Niederheide angefangen, heute sind es insgesamt fast tausend Hektar, in ganz Deutschland werden rund 11 200 Hektar angebaut. „Und es sieht sehr gut aus, dass die Möhre auch in den nächsten Jahren zu den meistgekauften Gemüsearten gehört“, sagte zur Saisoneröffnung Hans-Christoph Behr, der bei der Agrar Informationsgesellschaft AMI Prokurist ist. Im vergangenen Jahr hatte die Tomate ganz vorne gelegen, mit einer durchschnittlichen und jährlichen Einkaufsmenge je Haushalt von 11,6 Kilogramm. Bei der Möhre waren es 8,6 – bei der Zwiebel 7,7 (dahinter: Gurken (7,2), Paprika (5,9), Eissalat (3,0) und Spargel (2,2).

Gemeinsam mit www.meine-moehre.de hatte es bereits 2016 eine Saisoneröffnung in der Pfalz gegeben. Natürlich war gestern die Trockenheit der vergangenen Wochen ein Thema. „Wir brauchen jetzt mal kräftigen Landregen“, wünschte sich der Anbauberater der Landwirtschaftskammer NRW, Gerd Sauerwein. Das Maskottchen „Max Möhre“, das gestern mit dabei war, nickte zustimmend.

Die Gruppe der Experten, Funktionäre und Anbauer schaute sich dann mal eine Rodung der Frühmöhren auf einem Feld in Clörath an, auf dem Kerstenhof der Familie Schmitz. Der Umweltschutz spielt beim Anbau eine immer größere Rolle. Das Unternehmen hatte auch einige junge Umweltschützer zum Auftakt eingeladen. Schüler und Schülerinnen der Astrid-Lindgren-Schule Schiefbahn, die kürzlich durch das Projekt „Grünes Klassenzimmer“ den Umweltschutzpreis der Stadt Willich erhalten hatten (die WZ berichtete). Sie konnten sich an einem kleinen Quiz beteiligen und sich einen kindgerechten Film des Online-Magazins „Galileo“ über die gesunden Eigenschaften der Karotte anschauen.

Der Fortbestand des Familienbetriebs ist gesichert

Hinterher gab es für die Erwachsenen noch jede Menge Informationen, unter anderem über die verschiedensten Anbautechniken. Willichs Bürgermeister Josef Heyes war auch da, zeigte sich beeindruckt vom Werdegang des Schiefbahner Unternehmens, dessen Erzeugnisse quer durch Deutschland zu finden sind. Heyes: „Sogar in einem SB-Markt am Tegernsee hatte ich kürzlich Bio-Möhren von Brocker in der Hand.“ Als einen starken Partner nannte Heyes die Stadtwerke Willich.

Um den Fortbestand des Familienbetriebes braucht man sich offenbar keine große Sorgen zu machen. Sowohl Mario als auch Hans-Jürgen haben jeweils zwei Söhne, zwischen sieben und 14 Jahre alt. Oder ein Mädchen tritt irgendwann in die Fußstapfen. Im März dieses Jahres ist nämlich Hans-Jürgen außerdem Vater der Zwillinge Laura und Victoria geworden.

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