Der Quotenhit auf RTL ruft bei Landwirten ein geteiltes Echo hervor. Ein Stück Wahrheit sei darin aber erkennbar.

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Peter Joppen, Landwirt aus Vorst.

Peter Joppen, Landwirt aus Vorst.

Peter Joppen, Landwirt aus Vorst.

Willich/Tönisvorst. RTL-Kameras gehen in Kuh- und Schweineställen auf Brautschau und Millionen Fernseh-Gucker schauen einsamen Bauern bei der Balz zu.

"Bauer sucht Frau" hat sich 2008 zu dem Quotenhit des Privatsenders entwickelt. Schafzüchter Heinrich aus dem Sauerland war einer der Stars, den Moderatorin Inka Bause im vergangenen Jahr zu verkuppeln versuchte.

Peinlich und überzogen? Oder praktisch und lebensnah? Wie beurteilen Bauern in Willich und Tönisvorst eigentlich die Herz-Schmerz-Folgen ihrer Berufskollegen in Stall und Stroh?

Peter Joppen aus Vorst weiß, dass die Meinungen dazu in seinem Berufsstand "sehr auseinander gehen. Sicher, die Lebenssituationen werden hier und da im Fernsehen überspitzt dargestellt. Aber es gibt sie - hier die supermodernen Betriebe und dort die Höfe, auf denen die Zeit seit 50 Jahren stillzustehen scheint".

Söhne um die 40 Jahre, die nur mit ihren Müttern alleine einen Hof bewirtschafteten und ohne Frau oder Freundin dastünden, seien "kein Einzelfall. Ich kenne dramatisch viele Junggesellen im Verwandten- und Bekanntenkreis."

Viele (Jung-)Bauern würden sich in ihre Arbeit eingraben. "Sie sollten mal selber an sich arbeiten." Er zollt den Kandidaten der RTL-Show Respekt. "Sie tun was." Joppen selbst kennt jemanden, der sich eine Teilnahme an der so genannten Doku-Soap von RTL vorstellen könnte. "Aber ihm hat die Mutter gesagt: Wenn Du das tust, dann sitzt Du hier nicht mehr mit am Tisch."

Auch Franka Heyes aus Schiefbahn kennt das Problem der großen Zahl der Junggesellen in der Landwirtschaft. Was sie im Zusammenhang mit "Bauer sucht Frau" aber noch mehr beschäftigt, ist das "traurige Bild unserer Gesellschaft", das dort vermittelt werde: Ein Landwirt stehe im Ansehen heutzutage nicht sehr hoch im Kurs. Diesem Status sei die Sendung nicht gerade förderlich gewesen.

Sie selbst kommt wie ihr Mann Georg aus der Landwirtschaft und wusste, was man als Bäuerin alles leisten muss. Klare Absprache seien da sehr förderlich. So habe ihr Mann schon bei der Hochzeit Kühe gehabt, die ihr Ding aber nicht seien: "Ich füttere die Tiere, habe in 25 Ehe-Jahren aber noch nie gemolken."

Ihre Nichte Cornelia Heyes (25) kennt "Bauer sucht Frau" nicht besonders gut. Sie vermittelt auf dem Erlebnisbauernhof Berderhof Kindern ein Bild der Landwirtschaft. Die Pädagogin ist sich aber nicht sicher, selbst Vollzeit-Bäuerin sein zu wollen. "Ich liebe die Landwirtschaft und die Tiere, weiß aber: Das ist ein Knochenjob." Ihr Freund ist Betriebswirt, zumindest auf dem Erlebnisbauernhof packt er gerne mit an: "Wir sind oft im Kuhstall."

Andre Sieben (27) aus Anrath hat sich "Bauer sucht Frau" gerne mit Freunden angeschaut: "Das ist doch sehr lustig." Klar sei aber auch, dass die Sendung nicht den Anspruch erhebt, das richtige Leben eines Landwirts widerzuspiegeln. "Die arbeiten eine Stunde im Stall und sind dann pausenlos auf Brautschau."

Positiv aufgefallen ist ihm, dass im Vergleich zur ersten Sendestaffel mittlerweile nicht mehr so viele "Deppen" vor die Kamera gezerrt würden. "Darüber hat’s im Bekanntenkreis anfangs viele böse Worte gegeben." Er selbst kann sich nicht vorstellen, jemals in einem solchen "Belustigungsprogramm" ernsthaft auf Brautschau zu gehen - was aber auch nicht nötig ist. "Ich habe eine feste Beziehung."

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