Der Kabarettist holte zum Rundumschlag gegen Politik und Plünderer aus.

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Wilfried Schmickler begeisterte in der Motte.

Wilfried Schmickler begeisterte in der Motte.

Reimann

Wilfried Schmickler begeisterte in der Motte.

Neersen. "Es gab den Tüv, den CVJM, die GSG und die Jobcenter hießen Arbeitsamt", erinnert Wilfried Schmickler mit seinem Bühnenprogramm "Es war nicht alles schlecht", an die guten alten Zeiten. Der Kabarettist, passend zum 30-jährigen Bühnenjubiläum ausgezeichnet mit dem Deutschen Kleinkunstpreis 2009, redetet sich in der ausverkauften Motte von Schloss Neersen wieder in Rage.

"Erzieherinnen sind die Trümmerfrauen der Gegenwart."

Wilfried Schmickler

Wilfried Schmickler kam ganz in Schwarz - dass daraus keine Wahlempfehlung abgeleitet werden durfte, wurde sehr schnell deutlich. Er wütete gegen die Parteien, gegen die Grünen, die ihre Grundsätze von einst verraten hätten und gegen die anderen sowieso. Er war fast würdig fürs Guinnessbuch der Rekorde, der enorme Redeschwall, der über das Publikum hereinbrach - absolut befreiend sowas, empfahl der Kleinkünstler mit der ebenso schnellen wie spitzen Zunge.

Er rechnete mit den "Hasardeuren und Plünderern" aus der Finanzwelt ab und fügte hinzu, als ob es dazu gehören würde: "Und dann kriegen die Schweine auch noch Grippe." Sein Tipp für Geldanleger in unsicheren Zeiten: "Ich lasse mir jeden Tag meine Spareinlagen zeigen."

Klassische Musik erklang, Schmickler schwärmte: "Bsirske!" Und korrigierte sich sogleich: "Verdi!" Neben ungeheuer treffenden Reimen, die er herunterrasselte, wie "Hinterher ist man immer schlauer, wie auch im Fall der Mauer", kamen schnörkellose Sätze wie dieser vor, klare Statements: "Kein Staat der Welt hat das Recht, einen jungen Mann zum Soldaten zu machen."

Klar, Wilfried Schmickler ist ein politischer Kabarettist, einer, der nicht nur Finger in vermeintliche Wunden legt, sondern der auch Anerkennung ausspricht: "Erzieherinnen sind die wahren Trümmerfrauen der Gegenwart." Auch tummelte er sich ausgiebig in den Seichtgebietender "Betäubungselektronik", dem Internet und dem Privatfernsehen.

Seine Schlussfolgerung: "Mein letzter Wille, ne Aufputschpille." Von denen schien er vor seinem Auftritt eine ganze Packung geschluckt zu haben. Auf höchst eigenwillige Weise erklärte er, wie Politik funktioniert am Beispiel des Volksvertreters: "Ein Schnürsenkelvertreter tut auch nicht, was der Schnürsenkel will."

Obwohl Schmickler selbst Ängste heraufbeschwor, unter anderem bei einem Exkurs über Umweltschäden, machte er sich über die Bedenkenträger lustig: "Ein ganzes Volk ertrinkt im eigenen Angstschweiß." Nein, es war nicht alles schlecht - im Gegenteil: Es war fast alles gut bis sehr gut, was Wilfried Schmickler da zum Besten gab.

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