Der Verein „Arbeitskreis Fremde“ bündelt Know-how in Willich, um die Integration von Asylbewerbern voranzutreiben.

Anrath. Stühlerücken im Arbeitskreis Fremde: Weil mehr als 30 Mitglieder und Gäste zum ersten Treffen 2013 in die Begegnungsstätte Anrath strömten, mussten Tische gerückt und weitere Sitzgelegenheiten geholt werden.

Jutta van Amern hatte zum Austausch von Hilfen, Gedanken und Anregungen zu 21 Tagesordnungspunkten geladen und war von der Resonanz sichtlich begeistert. „Im letzten Jahr haben sich Anfänge eines Netzwerkes rund um die Asylbewerber herausgebildet. Dabei konnten wir Bewohner als Mittler gewinnen, die als ehrenamtliche Helfer eingesetzt sind.“

Auszahlungen von Bargeld an Flüchtlinge bleibt Ziel

Das Netz der Helfer, Ehrenamtler und Fachleute in Willich soll noch dichter geknüpft werden. Vor Ort waren unter anderem Marco Härtel von der Wohnungsstelle der Stadt, Samir Daadouhi, Hausmeister in der Asylbewerber-Unterkunft Am Bahnhof in Anrath und Marita Gentsch, Freiwilligenzentrum.

Nach dem Wirbel um eine Resolution von Flüchtlingen in Willich, die imDezember die Rückumstellung von kurzzeitig gezahlten Barleistungen auf Gutscheine scharf kritisiert und die seit Jahren gängige Praxis in der Stadt als diskriminierend bezeichnet hatten (WZ berichtete), will der Arbeitskreis zur Sacharbeit zurückkehren.

Es bleibt Ziel, die Auszahlung von Bargeld an Asylbewerber, so wie in vielen deutschen Städten und Gemeinden Usus, auch in Willich umzusetzen. Das Rechnungsprüfungsamt hatte die Bargeldzahlung beanstandet. Mitarbeiter der Verwaltung sehen nur eine Chance auf einen größeren Ermessensspielraum der Stadt, wenn Willicher Einzelhändler keine Gutscheine mehr annehmen.

Wohnsituation an der Lerchenfeldstraße verbessern

Zurzeit leben in der Stadt Willich 166 Asylbewerber. Es sind 55 alleinstehende Männer, acht alleinstehende Frauen, drei Ehepaare, 17 alleinerziehende Mütter mit insgesamt 35 Kindern und zehn Familien (insgesamt 45 Personen).

Die Asylbewerber wohnen in Anrath in Unterkünften an der Straße Am Bahnhof und in zwei Häusern an der Lerchenfeldstraße, außerdem in Willich an der Kochstraße.

Die meisten Asylbewerber kommen aus dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens, außerdem aus allen Teilen Afrikas, unter anderem aus Marokko und Syrien und aus Pakistan und Afghanistan. Einige wenige Flüchtlinge stammen aus Indien.

In den Jahren 2007 bis Mitte 2010 kamen pro Quartal vier bis fünf Personen Flüchtlinge nach Willich. Seit dem dritten Quartal 2010 sind die Zahlen stetig angestiegen. Zurzeit kommen pro Quartal 20 bis 25 Personen.

Der Arbeitskreis Fremde gibt Informationen zum Thema Asyl und Hilfestellungen zum Leben in Deutschland. Mitglieder begleiten Asylbewerber z. B. zu Behörden, Beratungsstellen, Kliniken, Ärzten oder Therapeuten.

Per Mail erreichen Sie den Arbeitskreis Fremde in der Stadt Willich unter: akf-willich@gmx.de

Integration und Hilfe zur Selbsthilfe werden großgeschrieben. Ausweiten möchte der Arbeitskreis den Deutschunterricht für Asylbewerber, vor allem den Einzelunterricht für Frauen. Bevor ein Asylantrag nicht genehmigt ist, sind Deutsch-Kurse von offizieller Seite nicht vorgesehen. Erst wenn der Antrag genehmigt ist, beginnen staatlich geförderte Integrationskurse.

Ein Hauptthema war die Wohnsituation der Asylbewerber. Zurzeit fehlen in den Unterkünften geeignete Aufenthaltsräume, weil der Zustrom von Asylbewerbern zugenommen hat. „Die Zahlen sind so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr“, sagt Verwaltungsmann Marco Härtel (siehe auch Kasten).

Er kündigte an, dass das Heizen mit Kohleöfen in den Häusern an der Lerchenfeldstraße in Anrath bald ein Ende hat. „Im Sommer wird eine neue Heizungsanlage eingebaut.“ Außerdem werden die Fassaden gedämmt. Es werde zurzeit geprüft, das Dachgeschoss auszubauen, um weitere Wohnplätze zu schaffen.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer