Diskussionen über einen neuen Standort für das Kreisarchiv betreffen auch Willich. Dessen eigenes Archiv könnte aufgegeben werden.

Diskussionen über einen neuen Standort für das Kreisarchiv betreffen auch Willich. Dessen eigenes Archiv könnte aufgegeben werden.
Udo Holzenthal im Keller des Willicher Stadtarchivs.

Udo Holzenthal im Keller des Willicher Stadtarchivs.

Kurt Lübke

Udo Holzenthal im Keller des Willicher Stadtarchivs.

Willich. Seit 1985 hat Willich ein eigenes Stadt-Archiv. Wird sich daran in nächster Zeit etwas ändern? Diese Frage stellt sich, seit rege Diskussionen über die Zukunft der Kempener Burg begonnen haben. Dort ist bislang das Kreisarchiv untergebracht, das nach dem Willen von Kreisspitze und Stadt Kempen eine neue Bleibe bekommen soll, um Platz für eine veränderte Nutzung der kurkölnischen Festung zu machen. Eine entsprechende Machbarkeitsstudie ist vom Kreis schon in Auftrag gegeben worden.

Doch wohin könnte das Kreisarchiv umziehen? Gegenüber der WZ hatte Landrat Andreas Coenen kürzlich erklärt, dass vor einer Beantwortung dieser Frage geklärt werden müsse, was Willich und Viersen mit ihren Stadtarchiven machen. Sollen diese eigenständig bleiben oder ins Kreisarchiv übergehen? Diese Entscheidung habe Auswirkungen auf die Größe des künftigen Archivs.

Großer Standort-Vorteil im St.-Bernhard-Komplex

Kurz vor Weihnachten hat Brigitte Schwerdtfeger, Kulturdezernentin der Stadt Willich, mit Kreisdirektor Ingo Schabrich schon über diese Problematik gesprochen. „Das Kreisarchiv nach Willich zu holen, wäre natürlich interessant für uns“, erklärte sie auf Nachfrage der WZ.

Für eine Aufgabe des eigenen Stadt-Archivs brauche es einen politischen Beschluss. „Wenn es akut wird, bringen wir das Thema in den zuständigen Ausschuss“, sagt Schwerdtfeger. Gleichzeitig hebt sie die Bedeutung eines eigenen Archivs hervor: Kurze Wege und bestehende Bildungspartnerschaften mit Schulen wären bei einer Ansiedlung in einer anderen Stadt kaum zu halten.

Noch deutlicher wird Udo Holzenthal (48), seit 1992 Stadtarchivar in Willich. „Wir sind das Gedächtnis der Stadt. Das vor Ort zu haben, ist ein hoher Wert.“ Den die Mitarbeiter der Stadt Willich auch zu schätzen wissen: Benötigen sie ältere Verwaltungsakten, kann Holzenthal sie ihnen innerhalb weniger Stunden liefern.

Hinzu komme der „riesige Standort-Vorteil“ im St.-Bernhard-Komplex. Denn dort befinden sich gleich um die Ecke zwei weiterführende Schulen (Gymnasium und Gesamtschule) sowie der Heimatverein. Nicht nur aufgrund der Bildungspartnerschaft mit diesen Institutionen sind Schüler regelmäßige Gäste des Archivs. Sie nutzen auch die Möglichkeit, mit dessen Hilfe Hausarbeiten zu schreiben. Jüngstes Ergebnis: „Die Entwicklung des Einzelhandels in Willich“ – laut Holzenthal „eine super Arbeit“, die von ihm natürlich archiviert worden sei.

800 Meter lang ist das End-Archiv und zwei Kilometer das Zwischenarchiv. Beide sind klimatisch sicher im Keller untergebracht. Verwaltungsakten – von der Kita-Anmeldung bis hin zum Bestellzettel für Büromaterial – werden im Zwischenarchiv aufbewahrt. Im End-Archiv befinden sich zum Beispiel die Handakten des früheren Stadtdirektors Hans Lamers sowie der schriftliche Nachlass von Ex-Bürgermeisterin Käthe Franke. Außerdem die Personenstandsregister ab 1798, Kopien der Kirchenbücher, persönliche Nachlässe, Zeitungsachiv und vieles mehr.

Udo Holzenthal befürchtet: „Die historische Bildungsarbeit und die Archiv-Pädagogik gehen über den Jordan, wenn wir kein Archiv mehr in Willich haben.“ Er spricht sich deshalb für dessen Erhalt aus – und ist sich sicher: „Mein Viersener Kollege und der Landschaftsverband sehen das ähnlich.“

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