Triumph Allerorten wurde der 4:1-Sieg des deutschen Teams ausgelassen gefeiert. Es gab kaum Ärger.

1:0 – schon da gab’s kaum noch ein Halten. Noch ausgelassener war die Situation nach dem Spiel am Willicher Kreisverkehr, wo die Feiernden immer wieder den Verkehr lahmlegten (von links). (Fotos(4): Stefan Finger)
1:0 – schon da gab’s kaum noch ein Halten. Noch ausgelassener war die Situation nach dem Spiel am Willicher Kreisverkehr, wo die Feiernden immer wieder den Verkehr lahmlegten (von links). (Fotos(4): Stefan Finger)

1:0 – schon da gab’s kaum noch ein Halten. Noch ausgelassener war die Situation nach dem Spiel am Willicher Kreisverkehr, wo die Feiernden immer wieder den Verkehr lahmlegten (von links). (Fotos(4): Stefan Finger)

1:0 – schon da gab’s kaum noch ein Halten. Noch ausgelassener war die Situation nach dem Spiel am Willicher Kreisverkehr, wo die Feiernden immer wieder den Verkehr lahmlegten (von links). (Fotos(4): Stefan Finger)

Anrath/Willich. Schwarz-rot-geil: Fußball gucken ist mit Gleichgesinnten am schönsten: Das haben sich am Sonntag 484 Fans gedacht. Sie machten aus der spröden Josefshalle einen Hexenkessel. Und natürlich gab’s am Ende kein Halten: Das 4:1 gegen die chancenlosen Engländer euphorisierte die Menge.

Eher ruhig im beschaulichen Liegestuhl

Ganz anders die Atmosphäre im Cena Bona in Münchheide unweit des Porsche-Zentrums: Hier ging es gemütlich zu, wer Glück hatte, konnte in einem Liegestuhl Platz nehmen. Große Emotionen hatten da keinen Platz.

Es stimmt übrigens nicht so ganz, dass in der Josefshalle 484 Besucher waren: Ein junger Mann musste schon nach wenigen Minuten von den Helfern des Deutschen Roten Kreuzes betreut werden, sein Kreislauf hatte schlapp gemacht. Kein Wunder bei einer Luft, die an eine Gemeinschaftssauna erinnerte. Alle anderen sollten jedoch durchhalten und diese Nehmerqualitäten wurden belohnt.

Die Vuvuzelas hatten zu Beginn der Übertragung abgegeben werden müssen, aber das Freudengeschrei nach dem Führungstreffer war auch ohne solche Krachmacher enorm. Alles, was sich auf der vier mal drei Meter großen Leinwand tat und aus deutscher Sicht gut war, wurde frenetisch bejubelt. Alles Müller oder was? Die Fans kamen auch in der 2. Halbzeit auf ihre Kosten.

Wer’s schärfer haben wollte, musste ins Bistro gehen

In Münchheide waren die Reaktionen verhaltener, chillen war angesagt, die gut 200 Fans schauten auf eine nicht hinreichend abgedunkelte Leinwand und sahen deshalb ein ziemlich unscharfes Bild. Wer mehr Wert auf Schärfe legte, konnte im Bistro auf ein normales Fernsehgerät im Wohnzimmer-Format schauen.

Die Schlachtrufe wurden immer bissiger

In Anrath gerieten die Fans derweil völlig aus dem Häuschen. Enorm, wie schnell aus Dutzenden Kehlen irgendwelche Schlachtrufe ertönten - sie wurden im Verlauf des Spiels immer bissiger. Das überwiegend sehr junge Publikum hatte sich stilecht gekleidet, WM-Trikots mit Namen der Spieler waren der Modehit, aber auch Blumenkränze, Käppis und Schweißbänder in Schwarz-Rot-Gold. Nach dem 4:1 wurde musikalisch der Wunsch nach Mehr laut: "Einer geht noch, einer geht noch rein." Das absolut friedliche Fußballfest endete mit einem Gesang auf den Gegner: "Schade England, alles ist vorbei." Der Schlusspfiff ging im kollektiven Jubel total unter.

Konsequenzen für die WM der Frauen

Was auffiel: Weibliche Fans waren zahlenmäßig stark vertreten. In Anrath wird man daraus Konsequenzen ziehen. "Wenn Deutschland im kommenden Jahr bei der Fußball-WM der Frauen dabei ist, wollen wir die Spiele auch live übertragen", erklärte Helmut Buttgereit vom Arbeitskreis Josefshalle gegenüber der WZ. Jenseits der großen Emotionen gab es nüchterne Analysen wie die von Ulrich Bons: "Die Engländer haben gut gespielt, wir super", so sein Urteil. Die Masse der Fans drückte es gesanglich so aus: "Sowas hat man lange nicht geseh’n, so schön, so schön."

Sowohl im Cena Bona als auch in Anrath wird auch das Viertelfinalspiel am Samstag übertragen. Der Arbeitskreis Josefshalle freut sich auf guten Umsatz, schließlich wird jeder erwirtschaftete Euro in die Halle gesteckt.

Hitzige Szenen am Willicher Kreisverkehr

Weitgehend friedlich, aber doch mit einer gehörigen Portion Aggressivität: So stellte sich die Situation am Willicher Kreisverkehr nach Abpfiff da. Hier hatten sich rund 800 Fans getroffen, die den Triumph von Jogis Jungs feiern wollten. Immer wieder gab’s Versuche, den Kreisverkehr zu blockieren - immer wieder gelang es den Polizisten um den Willicher Wachleiter Jupp Pasch, deeskalierend auf die Feiernden einzureden. So reagierten die Polizisten auch gelassen auf einen Fan, der auf eine Straßenlaterne hochgeklettert war. Die Beamten redeten so lange auf ihn ein, bis er herunter kam.

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