Die Mitarbeiter der überbelegten JVA in Anrath leisten viele Überstunden. Das hat Folgen für die Gesundheit.

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JVA-Leiterin Beate Peters mit Frank Schülke (Erster Justizhauptwachmeister) bei der Postausgabe.

JVA-Leiterin Beate Peters mit Frank Schülke (Erster Justizhauptwachmeister) bei der Postausgabe.

Kurt Lübke

JVA-Leiterin Beate Peters mit Frank Schülke (Erster Justizhauptwachmeister) bei der Postausgabe.

Anrath. Zu wenig Personal, viele Überstunden, hohe Krankenstände - die Arbeitssituation an den 37 nordrhein-westfälischen Gefängnissen sieht nicht rosig aus. Auch das Anrather Männergefängnis (Justizvollzugsanstalt Willich I) bildet keine Ausnahme.

"100 Überstunden schiebt jeder Bedienstete vor sich her", berichtet Anstaltsleiterin Beate Peters. Das Justizministerium in Düsseldorf hat auf die Entwicklung reagiert: Als Teil eines verbesserten Gesundheitmanagements ist eine Mitarbeiterbefragung in allen Haftanstalten angelaufen. Deren Ergebnisse liegen jetzt für Anrath vor.

Dienstplangestaltung ist das größte Problem

Der für Beate Peters persönlich wohl wichtigste Aspekt: Die "Noten" für ihre Personalführung sind zufriedenstellend. Viel problematischer sieht es mit der Dienstplangestaltung im Allgemeinen Vollzugsdienst aus, wie die Gefängnischefin zu berichten weiß: Sieben Tage am Stück zu arbeiten ist nicht selten, auch zwölf Tage kommen vor. Und danach ist keineswegs sicher, dass der Mitarbeiter zwei Tage hintereinander frei bekommt. Damit kann keiner zufrieden sein.

"Die Mitarbeiter wollen verlässlich freie Tage einplanen können", nennt die Psychologin Gabriele Büskens ein wichtiges Ergebnis der Befragung, die sie für Willich ausgewertet hat. Denn nicht die Arbeitsmenge an sich sei das Problem, sondern die Frage: Wie wird sie erlebt?

Als Folge der Befragung (42 Prozent der Mitarbeiter haben teilgenommen) sei in Zusammenarbeit mit der Personalvertretung eine Arbeitsgruppe gebildet worden. Deren Ziel ist es, einen gesicherten und transparenten Dienstplan zu erstellen. Weitere Gruppen werden sich mit Personalentwicklung und Gesundheitsförderung befassen.

Der Krankenstand liegt bei knapp neun Prozent, vor zwei Jahren waren es fast 14 Prozent. "Hätten wir ein Prozent weniger in NRW, wären 60 Leute mehr im Dienst", sagt Gabriele Büskens. Doch die Personaldecke ist dünn, Neueinstellungen werden aus finanziellen Gründen kaum bewilligt. Allein in Anrath könnte Beate Peters noch zehn Stellen besetzen. Die hohe psychische Belastung in der chronisch überbelegten Anstalt tut ein Übriges, die Unzufriedenheit zu erhöhen.

Zufriedene Mitarbeiter, die gerne zum Dienst kommen - das ist die Idealvorstellung, die Beate Peters und Gabriele Büskens verfolgen. Durch die Mitarbeiterbefragung und die eingesetzten Arbeitsgruppen hoffen sie, diesem Ziel ein kleines Stück näher zu kommen.

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