In Clörath soll ein künstliches Nest die Vögel zum Bleiben bewegen.

Anrath. Lange ist es her, dass zum letzten Mal Störche am Niederrhein gebrütet haben. Doch das soll anders werden. Bei nasskaltem Wetter haben sich deshalb im Salbruch in Clörath Vertreter des Naturschutzbundes (Nabu) und der Biologischen Station Krickenbeck getroffen. Ihr Ziel: Bau eines Storchennestes auf einem neun Meter hohen Telegraphenmast.

"Gerade Jungstörche nehmen gerne alte, verwaiste Horste an."

Ansgar Reichmann Biologische Station Krickenbeck

Schweres Gerät ist gefragt, um die lange Stange in die Senkrechte zu bewegen. Landschaftswart Heino Thier manövriert geschickt den Traktor mit Frontgabel und richtete den Mast langsam und vorsichtig auf. Dabei rieselt Heu und Stroh aus rund sechs Meter Höhe auf die Beteiligten herab. "Wenn noch mehr runter kommt, ist für die Störche nichts mehr drin", sagt Reinhard Bräutigam von der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Viersen lachend.

Nicht weit von den Ruinen des Hauses Clörath soll das künstliche Nest die durchreisenden Störche zum Bleiben bewegen. Im Kreis Viersen ist es das dritte seiner Art, das in Zusammenarbeit von Bräutigam, der Biologischen Station Krickenbeck und Heinz Tüffers vom Nabu Nettetal aufgestellt wurde. Die beiden übrigen Exemplare stehen in Vinkrath und in Oedt.

Schon im Jahr 2002 waren künstliche Nester aufgestellt worden, doch die wurden von den Vögeln schnöde ignoriert. Weshalb die Nisthelfer nun einen neuen Plan ausgeheckt haben, Meister Adebar, wie der Storch in der Fabel heißt, wieder heimisch zu machen.

Die bisherige Nest-Variante, ein Stahlkorb, in den Weide hinein geflochten war, ist daher abgelöst worden durch einen richtigen Weidenkorb mit kuscheliger Heu- und Graseinlage. Imker Kurt Lemke aus Nettetal hat ihn geflochten.

Der Nist-Korb hat einen Durchmesser von 1,30 Meter. Der Mast ist insgesamt neun Meter lang.

Vor 60 Jahren brüteten am Niederrhein noch 40bis 50 Weißstorchpaare. Die Entwässerung der Feuchtgebiete führte damals zu einem Abwandern der Vögel in andere Gebiete.

Heute ist es schon eine kleine Sensation, wenn man auf den Nierswiesen ein Storchenpaar entdeckt. Doch die Störche sollen wieder heimisch werden. Im Rahmen der Euroga wurde daher 2002 der alte Niersverlauf an der Clörather Mühle zu mehreren Seenflächen renaturiert. Kühe halten das Gras niedrig, und so ist es ein ideales Gebiet, um den Vögeln Nahrung zu geben. Die Flächen sind Eigentum des Kreises Viersen.

Der Clou dabei: Kalkspritzer imitieren Vogelkot, damit die Störche das Nest leichter annehmen. "Denn gerade Jungstörche nehmen gerne alte, verwaiste Horste an", informiert Ansgar Reichmann, Leiter der Biologischen Station Krickenbeck.

Ein weiteres Storchennest ist vom Willicher Nabu in Anrath zwischen der Süchtelner Straße und dem Flöthbach geplant. Die Mitglieder des Vereins hoffen darauf, dass Meister Adebar mit der Dame seines Herzens dann auf einem dieser Masten für Nachwuchs sorgt. Schon in wenigen Wochen werden die Weißstörche am Niederrhein erwartet.

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