Die Häftlinge arbeiten auch für Privatleute. Doch Billig-Konkurrenz sollen sie nicht sein.

Blick in die Knast-Druckerei. Sie arbeitet auch für Privatpersonen.
Blick in die Knast-Druckerei. Sie arbeitet auch für Privatpersonen.

Blick in die Knast-Druckerei. Sie arbeitet auch für Privatpersonen.

Finger

Blick in die Knast-Druckerei. Sie arbeitet auch für Privatpersonen.

Anrath. Rund 465 Gefangene sitzen im Moment in der Justizvollzugsanstalt Willich I (Männergefängnis) ihre Strafe ab. Wobei "absitzen" nicht korrekt ist: 300 dieser Gefangenen gehen regelmäßig zur Arbeit. So unter anderem in der Druckerei.

Arbeit hinter Gittern

Weil immer mehr Vordrucke bei den Behörden aus dem Computer kommen, gehen die Aufträge aus diesem Bereich im Anrather Männergefängnis zurück. Und so gibt es freie Kapazitäten, in denen Aufträge für Privatpersonen abgewickelt werden. "Einladungen zur Kommunion etwa", sagt Walter Dohmen, Leiter der Arbeitsverwaltung in der JVA.

Die Preise hierfür kalkuliert Dohmen mit Tariflöhnen. "Wir sollen den einheimischen Mittelständischen Betrieben keine Billig-Konkurrenz machen", sagt er. Noch hat er jedoch den Vorteil, dass die Maschinen etwa aus dem Landeshaushalt finanziert und nicht abgeschrieben werden müssen. "Aber wir stellen auch bald auf Kosten-Leistungs-Rechnung um."

Eine weitere Beschäftigung seien Arbeiten für andere Unternehmer. "Stichwort Tütenkleben", so Dohmen. Da werden Karten und Umschläge in größere Gebinde zusammengestellt oder Filzstücke zurecht geschnitten. Allerdings wollen die Auftraggeber meist ungenannt bleiben. "Die fürchten einen Imageverlust."

Darüberhinaus gibt es eine Schlosserei und eine Schreinerei, Arbeiten im Sanitärbereich, bei der Hausarbeit, der Hofpflege, in der Essensausgabe. Dabei geht es vor allem darum, die Anstalt in Betrieb zu halten. Defekte Wasserleitungen werden ersetzt, "oder wenn jemand sein Klo demoliert hat", sagt Dohmen.

Die winzigen Räume, sieben bis acht Quadratmeter groß, beinhalten auch Waschbecken und Toilette. Das ebenfalls winzige Fenster ist so weit oben in den gründerzeitlich hohen Wänden, dass es keinen Blick nach außen erlaubt. "Da sind Aggressionen programmiert." In Gemeinschaftszellen sind drei bis vier Mann untergebracht. "Da haben wir inzwischen Lüftungen über dem Sanitärbereich einbauen können", sagt Peters.

Aus der Küche werden rund 1000 Menschen versorgt: Auch das Frauenhaus und die Zweig-Anstalten in Krefeld und Mönchengladbach. Weiterhin gibt es Beschäftigungstherapien. "Für arbeitsentwöhnte Inhaftierte und in der Abteilung für Drogenaussteiger", erläutert Dohmen.

Die hier hergestellten Tabletts und Vogelhäuser (keine Käfige, die Herren haben eine Gitter-Allergie) werden inzwischen auch über ein Portal des Justizministeriums NRW im Internet (siehe unten) angeboten. Geordnet nach Haftanstalten, Erzeugnissen und Lieferzeiten. "Es motiviert die Männer ungemein, wenn sie sehen, dass das, was sie herstellen, draußen angeboten und nachgefragt wird", so Dohmen.

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