Lucia Verhees unterrichtet seit fast 15 Jahren in der Johannesschule Migranten-Kinder.

Lucia Verhees lädt einmal im Monat Schüler aus ihrer Anrather Förderklasse auf ihren Bauernhof in Kerken ein. Diese „Luftveränderung“, der Umgang mit Pferden und Hunden, tue Kindern sehr gut, sagt sie.
Lucia Verhees lädt einmal im Monat Schüler aus ihrer Anrather Förderklasse auf ihren Bauernhof in Kerken ein. Diese „Luftveränderung“, der Umgang mit Pferden und Hunden, tue Kindern sehr gut, sagt sie.

Lucia Verhees lädt einmal im Monat Schüler aus ihrer Anrather Förderklasse auf ihren Bauernhof in Kerken ein. Diese „Luftveränderung“, der Umgang mit Pferden und Hunden, tue Kindern sehr gut, sagt sie.

privat

Lucia Verhees lädt einmal im Monat Schüler aus ihrer Anrather Förderklasse auf ihren Bauernhof in Kerken ein. Diese „Luftveränderung“, der Umgang mit Pferden und Hunden, tue Kindern sehr gut, sagt sie.

Anrath. Über das Anforderungsprofil "Flexibilität im Berufsleben" dürfte Dr. Lucia Verhees müde lächeln. "Es kann passieren, dass gleich die Tür aufgeht und die Schulleitung einen Jungen oder ein Mädchen hereinbringt und als neuen Schüler der Förderklasse vorstellt," sagt die Lehrerin, die seit 15 Jahren in der Förderklasse an der Johannesschule in Anrath unterrichtet. Nicht selten ist es so, dass der oder die Neue noch nie ein Wort Deutsch gesprochen hat.

"Wiederholung ist der Schlüssel zum Erfolg."

LuciaVerhees, Lehrerin

Ließe man jeden Schüler dieser Förderklasse gleichzeitig in seiner Muttersprache reden, man fühlte sich sofort auf eine internationalen Konferenz versetzt. Sprachgewirr ohne Dolmetscher. 75Schüler aus Migrantenfamilien gehen zurzeit regelmäßig in dieser Klasse ein und aus. Die Jugendlichen kommen vor allem aus der Türkei, Thailand, Polen, Russland oder aus dem arabischen Raum.

Jedes neue Gesicht, jeder neue Lebenslauf bedeutet für Lucia Verhees und Jutta van Amern, die sie als Sozialpädagogin unterstützt, eine neue Herausforderung. Die neuen Schüler müssen so schnell wie möglich sprachlich fit gemacht werden, damit sie dem Unterricht folgen und eine Chance auf einen Abschluss in der Hauptschule haben. Zwei Mal in der Woche kommt eine Dolmetscherin, auch Julia Kramer, die ein Freiwilliges Soziales Jahr leistet, hilft.

Kontinuität und Ausdauer sind Schlüsselwörter im Alltag der beiden Frauen, die täglich mit einer neu gemischten Gruppe arbeiten: "Die Themen sind gemischt, die Jahrgänge sind gemischt, die Zusammensetzung kann jede Stunde wechseln."

Jeder Schüler bekommt individuelle Unterlagen

Von Alphabet bis Konjunktiv, von Vokabeltraining bis Texterfassung - die Förderung wird individuell auf die Jungen und Mädchen abgestimmt. Jeder Schüler findet in einem Ordner auf ihn abgestimmte Arbeitspapiere und bearbeitet sie. Lucia Verhees hat sie selber zusammengestellt. "Materialien zu Deutsch für Ausländer waren einfach überfrachtet," sagt die Pädagogin, die eigentlich Lehrerin für Biologie und Erdkunde ist und eine Montessori-Ausbildung mit Zertifikat für die Sekundarstufe hat.

Seit 1996 betreuen Fachkräfte der Johannesschule Kinder und Jugendliche aus Migrantenfamilien. Häufig kommen sie ohne oder nur mit geringen Deutschkenntnissen an die Schule - auch mitten im Schuljahr.

Helmut Frantzen von der Johannesschule hat im aktuellen Anrather Heimatbuch einen Artikel über "Integration made in Anrath" geschrieben.

"Wiederholung ist der Schlüssel zum Erfolg", sagt Lucia Verhees. Und Kontrolle: Die Anwesenheit der Schüler wird nachgehalten, Aufgaben werden regelmäßig kontrolliert.

Lucia Verhees muss selbst oft Geduld aufbringen. Erfolgserlebnisse wie die eines polnischen Mädchens, das innerhalb eines halben Jahres Deutsch gelernt hat, sind selten. Eher erlebt sie "viel Potential bei Schülern", gleichzeitig aber Vorbehalte in der Familie, die einem Schulbesuch skeptisch gegenüber steht.

Wenn der Frust über solche Bildungs-Barrieren oder über die Unlust von Schülern zu groß wird, muss Lucia Verhees schon mal Dampf ablassen. Das kann sie am besten zu Hause, auf ihrem Bauernhof in Kerken. "Dann greife ich zur Mistgabel und arbeite", sagt sie.

Als Belohnung winkt ein Besuch auf dem Bauernhof

Einmal im Monat lädt die Lehrerin Schüler, die gut gearbeitet haben, "hören und zuhören können", auf ihren Hof ein. "Das ist für sie ein besonderes Erlebnis, vor allem für die Schüler, die auf dem Land aufgewachsen sind." Die Luftveränderung tue ihnen gut, der Umgang mit den Tieren, mit Pferden und Hunden.

Demnächst, sagt Lucia Verhees, schaut der Pferde-Zahnarzt auf ihrem Hof vorbei. Dann dürfen vier Schüler zusehen - die, die ihre Chance auf Bildung in der Johannesschule ernst nehmen.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer