Die Führungen durch die JVA I und II sind auf ein großes Interesse gestoßen.

Besucher der Justizvollzugsanstalt Anrath bei der Personenkontrolle in der Schleuse.
Besucher der Justizvollzugsanstalt Anrath bei der Personenkontrolle in der Schleuse.

Besucher der Justizvollzugsanstalt Anrath bei der Personenkontrolle in der Schleuse.

Kurt Lübke

Besucher der Justizvollzugsanstalt Anrath bei der Personenkontrolle in der Schleuse.

Anrath. Tag der Offenen Tür im Anrather Knast. Da stehen die Türen nicht einfach offen, da gibt es ein Heer an Beamten des Justizvollzugsdienstes, das die Besucher über das Gelände geleitet. Sie müssen sich telefonisch angemeldet haben, sich registrieren lassen und ihren Ausweis abgeben. Erst danach können sie zum Rundgang durch das Gefängnis aufbrechen.

Besucher durchlaufen strenges Sicherheitskonzept

"Bleiben Sie zusammen!" sagt Georg Maydt, der die Gruppe führt. Seine Stimme macht deutlich, dass er es so meint. Es herrscht ein strenges Sicherheitskonzept.

Die Besucher gehen durch die Schleuse, die normalerweise von Fahrzeugen genutzt wird. Sie werden mit einem Metalldetektor abgetastet. Spiegel an der Wand und einer auf einem kleinen Wägelchen ermöglichen eine Rundum-Betrachtung der Autos.

"Hier der Herzschlagdetektor", weist Maydt auf einen kleinen Elektroapparat an der Decke. "Er wird an jedes Auto angelegt, zeigt jeden Herzschlag an, auch den einer Maus."

Anschließend nimmt die Gruppe den Weg, den Besucher nehmen, die einen Inhaftierten besuchen wollen. Wieder ein Band wie im Flughafen für die Kontrolle des Gepäcks, Kabinen für Leibesvisitationen.

Im Monat passieren 3.500 Personen in 800 Fahrzeugen auf dem Weg in die und aus der JVA die Sicherheitsschleuse.

Gefangene haben Anrecht auf 3 Stunden Besuch im Monat und, wenn sie dafür geeignet sind, auf einen Langzeitbesuch der Familie und Ehe-/ Lebenspartnern. 1.500 Besuchseinheiten könnten in Willich I geboten werden, 1.300 werden genutzt, 34 in Langzeitbesuchsräumen. 120 Stunden sind Rechtsanwälte im Haus.

Die männlichen Gefangenen legen im Kammerbereich ihre Privatkleidung ab, bekommen persönliche, nummerierte Anstaltskleidung ausgehändigt. Die Frauen dürfen Privatkleidung tragen.

Die Unterbringung eines Inhaftierten kostet pro Tag 80 bis 85 Euro inkl. Gebäudekosten und Sicherung. Für die Kontrolle der 1,4 Kilometer langen Außenmauer, die beide JVAs umgibt, steht den Beamten ein Pkw zur Verfügung. Die Mauer wird mit Kameras überwacht.

60 Prozent der Inhaftierten können in der Anstalt eine Ausbildung machen. Sie verdienen 9,50 bis 12 Euro am Tag. Drei Siebtel der Summe können sie für Hauseinkäufe nutzen, der Rest wird für die Zeit nach der Entlassung angespart.

Es gibt Besuchsräume mit Tischen und einen, wo Besucher und Inhaftierte sich nur durch eine Scheibe sehen können, wenn der Verdacht besteht, es könnten unerlaubte Substanzen übergeben werden oder dass der Gefangene zu Gewalttätigkeit neigt.

Räume, in denen Gefangene auf die Rückkehr in ihre Zellen, anderen auf den Besuch warten, machen deutlich, welch logistischer Aufwand Besuch für die Bediensteten der JVA ist.

Im Innenhof übernimmt Marianne de Jong, Mitarbeiterin im Frauenhaus, die Gruppe. Sie zeigt die Außenanlagen, die von den Frauen gepflegt werden. Ihr Funkgerät krächzt. Im Gebäude scheppern Geschirr und Besteck. Die Frauen beenden im Speisesaal gerade ihr Mittagessen. De Jong und die Besucher müssen kurz warten. Gefangene bekommt man nicht zu Gesicht.

Weiter geht es zu den neuen Sportanlagen. Außen ein Beach-Volleyballfeld, innen eine Sporthalle und Fitnessgeräte. "Das wird von den Frauen gern angenommen. Sie sind dann ausgeglichener."

Besteht Verdacht, dass sich ein Häftling umbringen will, müssen die Beamten alle 15 Minuten kontrollieren und ihn vielleicht sogar in einen besonderen Haftraum bringen. "Zweimal im Monat wird der benötigt", sagt der kommissarische Leiter des Frauenhauses, Dieter Paulus.

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