Über sogenanntes „Crowdinvesting“ sollen 500 000 Euro zusätzliches Kapital besorgt werden. Das ist fast erreicht.

Über sogenanntes „Crowdinvesting“ sollen 500 000 Euro zusätzliches Kapital besorgt werden. Das ist fast erreicht.
Bodo Garden vor dem denkmalgeschützten Wasserwerk im Stahlwerk Becker.

Bodo Garden vor dem denkmalgeschützten Wasserwerk im Stahlwerk Becker.

Es ist viel zu tun. Im Inneren des Wasserwerks in Willich wächst jede Menge Grün. Sogar kleine Bäume haben sich angesiedelt.

Kurt Lübke, Bild 1 von 2

Bodo Garden vor dem denkmalgeschützten Wasserwerk im Stahlwerk Becker.

Willich. „Hier werden auf mehreren Etagen mit einer komplett verglasten Galerie super Büros entstehen. Und wenn man dann später da mal arbeiten darf, kommt dies einer Heiligsprechung gleich.“ Es ist ein halbes Jahr her, dass Bodo Garden so ins Schwärmen geriet. Er stand gerade im denkmalgeschützten Wasserwerk des Gewerbeparks Stahlwerk Becker, das seine Gesellschaft „Denkmal Wasserwerk Willich GmbH“ schon Ende 2015 gekauft hatte. Sah es damals so aus, als stünde der Umbau kurz bevor, hat sich dies aus vielerlei Gründen immer wieder verzögert. Jetzt wird 2017 als das Jahr der Inbetriebnahme angestrebt.

„Wir wollen in diesem Jahr noch anfangen“, sagt Garden. Letzte Abstimmungen mit der Denkmalbehörde stehen am Donnerstag an. In der Vergangenheit hatte das Eigentum an diesem Wasserwerk mit seiner beeindruckenden Fassade mehrfach gewechselt. Unter anderem mussten Fragen einer Altlastensanierung auf dem rund 2 300 Quadratmeter großen Grundstück geklärt werden. Dies ist vom Tisch. Ungeklärt war aber bis zuletzt die Frage: Wer finanziert den Millionen Euro teuren Umbau?

Eine Firma aus Monheim ist Projektentwickler

Die Wasserwerk GmbH mit Co-Gesellschafter Bodo Garden, der bereits mit einem Bauträger und in einer anderen aber ähnlichen Gesellschaftsform den alten Straterhof in Schiefbahn-Niederheide restauriert und umgestaltet hatte, suchte zunächst einmal einen Projekt-Entwickler. Fündig wurde man in der Monheimer Gesellschaft „Bellvida GmbH“ mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Harald Fett. Und da dieser wohl das Risiko eines Flops verteilen wollte, wurden erst einmal mit großer Unterstützung des Unternehmens „Zinsland“ Kleinanleger gesucht und gefunden.

Es geht um das nicht risikoarme „Crowdinvesting“. Danach kann sich bei diesem Projekt jeder ab einem Betrag von 500 Euro an der Investionssumme beteiligen. 15 Monate soll die Laufzeit betragen, die Verzinsung nach Zusicherung von „Zinsland“ und „Bellvida“ sieben Prozent betragen. Als sogenannte Funding-Summe wurden 500 000 Euro angesetzt. Stand Mittwoch hatten darin bereits viele Kleinanleger mit einer Gesamtsumme von exakt 426 850 Euro investiert. Hingewiesen wird von den Finanzexperten darauf, dass wegen des Denkmalschutzes des Gebäudes die Käufer nahezu 80 Prozent der Erwerbskosten steuerlich absetzen können.

Im kommenden Jahr soll das Gebäude in Betrieb gehen

Aber wie geht es jetzt endlich weiter? Verantwortliche des Crowdinvesting-Unternehmens „Zinsland“, für die es das 14. Projekt ist, sind zuversichtlich, dass es in Kürze mit dem eigentlichen Umbau losgehen wird und das Gebäude dann im Jahr 2017 in Betrieb genommen werden kann.

Kathedrale Ein Hingucker soll nach Auffassung von Bodo Garden die offene Galerie mit den beiden etwa 7,50 mal 5,50 Meter großen Fenstern sein. „Man wird sich dann vorkommen wie in einer Kathedrale, denn so einen lichtdurchfluteten Raum gibt es im ganzen Gewerbegebiet nicht“, schwärmt er.

Die ersten Pläne der Umgestaltung dieses „Filetstücks“ hatte es bereits 2009 gegeben. Seinerzeit hatte die Mönchengladbacher Familie eines Tuchfabrikanten das Wasserwerk gekauft und 2010 an eine ebenfalls aus Gladbach stammende Bauunternehmung weiter veräußert. Die damaligen – nicht umgesetzten – Pläne (repräsentativer Bürokomplex, Erweiterungsflügel mit Glasfassade und Geothermie) sollen in groben Zügen jetzt übernommen worden sein.

In den vergangenen Jahren verfiel die Vorderansicht des Gebäudes immer mehr. Bereits 2013 gab es erste Ideen der städtischen Grundstücksgesellschaft, die Ruine zurück zu kaufen, was dann auch tatsächlich passierte. Bis das Areal dann im September 2015 an die „Denkmal Wasserwerk GmbH“ veräußert wurde.

Fest steht, dass dort an der Walzwerkstraße Nummer 7 hochwertige Büroflächen entstehen sollen. In dem in den Jahren 1917 und 1918 errichteten Gebäude stehen noch ein verrosteter Drehkran und zehn alte und riesengroße Kessel, in denen früher das Wasser zwischengespeichert wurde. „Wir werden aus Teilen eines Kessels im Foyer eine besondere Klang-Sitzgruppe machen“, sagt Bodo Garden. Garden bleibt zuversichtlich, dass sich die Büroflächen auf mehreren Etagen auch vermarkten lassen.

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