Es ging rund am Schloss. Die Stadt machte Eigenwerbung, schließlich will sie ein Sommer-Open-Air gewinnen.

Altweiber
Bürgermeister Josef Heyes gibt den Löffel, pardon, den Schlüssel ab. Die Jung-Narren haben die Macht übernommen. Fotos (2): Kurt Lübke

Bürgermeister Josef Heyes gibt den Löffel, pardon, den Schlüssel ab. Die Jung-Narren haben die Macht übernommen. Fotos (2): Kurt Lübke

Lübke, Kurt (kul)

Bürgermeister Josef Heyes gibt den Löffel, pardon, den Schlüssel ab. Die Jung-Narren haben die Macht übernommen. Fotos (2): Kurt Lübke

Neersen. Blaue und gelbe Luftballons schmücken das Schloss. Indianer, Cowboys, Hexen, Teufel und Mexikanerinnen strömen auf den Schlossplatz, aus den Boxen dröhnt Stimmungsmusik. Menschliche Litfaßsäulen, unter ihnen Bürgermeister Josef Heyes, stehen am Eingang und machen Werbung für die Aktion „WDR 2 für eine Stadt“. An Altweiber ging es am Schloss Neersen hoch her. Extra für den Besuch des Senders hatte sich die Stadt ordentlich ins Zeug gelegt und aus dem sonst üblichen und überschaubaren Schlosssturm ein tagfüllendes Karnevalsspektakel gemacht.

Kinder fordern Fernsehverbot und Rabatt auf Pizza

„Die Weichen für eine bombige Party sind gestellt. Vorher waren wir sehr nervös, aber jetzt wird alles gut“, sagte ein sichtlich närrischer Manfred Jacobs von der Stadtverwaltung. Und dann ging es los. Pünktlich marschierte das Kinderprinzenpaar der Stadt auf die Bühne und forderte neben Stadtschlüssel und -kasse auch ein Fernsehverbot für die kommenden Tage sowie ausreichendes Taschengeld und vergünstigte Preise für Cola und Pizza. Dann forderten alle Schulkinder, die in Scharen zum Schloss gekommen waren: „Herr Bürgermeister, raustreten bitte“.

Josef Heyes ließ sich nicht lange bitten

„Das ist aber ’ne höfliche Stürmung“, schmunzelte ein erwachsener Jeck. Es blieb höflich: Josef Heyes ließ sich nicht lange bitten, übergab die Regentschaft und ließ sich seine Krawatte abschneiden. Während des Schlosssturms der Kinder hielt auch immer wieder WDR 2-Reporter Fabian Raphael sein Mikro in die Menge. „Heute unterstützen wir auf unserer Städtetour Willich.“ Lob fand Raphael auch für das Engagement der Stadt: „So einen Empfang hat uns bis jetzt noch keiner bereitet“.

Beim „roten Pferd“ mussten auch die Eltern ran

Auf der Bühne ging mit einem Programm für die vielen Schulkinder die Post ab. Minna Flott sorgte mit Schaf Roswitha für Stimmung – und das nicht nur bei den Jüngeren. Beim Tanz zu „Cowboy und Indianer“ oder „Das rote Pferd“ und bei einer Polonaise auf dem Schlossplatz mussten auch die Eltern ran. Nach dem Kinderprogramm leerte sich der Platz jedoch merklich. Nur noch der harte Karnevalskern schunkelte bei Bier und Bratwurst. Dabei konnte sich über das Wetter niemand beklagen. „Es könnten mehr Leute da sein. Wahrscheinlich müssen viele auch noch arbeiten“, vermutete Anne Körner aus Alt-Willich. Mit dieser Meinung war sie nicht allein. Die Veranstaltung an sich fand jedoch viel Anklang. „Jeder trägt etwas bei, und das ist das Schöne daran,“ erklärte Claus Römer aus Neersen. Etwas voller wurde es dann bei den nächsten Programmpunkten. Beim Auftritt der Mundart-Gruppe des Bürgervereins Anrath „De Leddsches Weäwer“ schunkelten die Jecken kräftig mit und begrüßten anschließend die Prinzengarde. Beifall bekamen auch die Tanzgruppen „Tanzsterne“ und „Las Tropicals“. „Ich bin mit der Veranstaltung und der Resonanz sehr zufrieden. Ich hoffe, wir können viele Unterschriften für die WDR 2-Aktion sammeln und gewinnen“, sagte Bürgermeister Josef Heyes am Nachmittag.

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