Mehr als 200 Menschen könnten bald im ehemaligen Krankenhaus leben. Die Stadt Willich fühlt sich überfahren.

Die Bezirksregierung Arnsberg plant, das ehemalige Krankenhaus als Asylbewerberunterkunft zu nutzen.
Die Bezirksregierung Arnsberg plant, das ehemalige Krankenhaus als Asylbewerberunterkunft zu nutzen.

Die Bezirksregierung Arnsberg plant, das ehemalige Krankenhaus als Asylbewerberunterkunft zu nutzen.

Stadt Willich

Die Bezirksregierung Arnsberg plant, das ehemalige Krankenhaus als Asylbewerberunterkunft zu nutzen.

Willich. Ende Juni wurde das Katharinenhospital in Willich geschlossen. Nun hat der Regierungsbezirk Arnsberg die Absicht, das Krankenhaus als Asylbewerberunterkunft zu nutzen. Besichtigungen von Kommissionen im jetzt leerstehenden Gebäude hätten bereits im Vorfeld für entsprechende Vermutungen und Gerüchte gesorgt, wie gestern Nachmittag einer offiziellen Mitteilung der Stadt zu entnehmen war.

Jetzt sei es durch eine Information der Bezirksregierung an Bürgermeister Josef Heyes Fakt: Die Bezirksregierung Arnsberg (in NRW zentral für das Thema zuständig) plane die Unterbringung von „mehr als 200“ Asylbewerbern an der Bahnstraße „noch vor dem Winter“.

Das hätte Heyes in einem Gespräch mit Michael Hofacker, Dezernent bei der Bezirksregierung für Integration, Migration und Asylrecht, erfahren. Untergebracht werden sollen unter anderem Menschen aus Syrien und Afrika.

Die Stadt, zuvor nicht eingeweiht, fühlt sich überfahren. Mit der genannten Größenordnung wäre Willich mit der Aufnahme von Asylbewerbern überproportional vertreten. Auch der Standort mitten in Alt-Willich stört die Stadt.

Heyes „überrascht“ über Vorgehen der Neusser Kliniken

Der Bürgermeister informierte Dienstagabend die Fraktionsvorsitzenden. Demnach hatten die Augustinus-Kliniken die Liegenschaft der Bezirksregierung als Unterbringungsstandort angedient und einen Besichtigungstermin vereinbart. Aus Sicht der Bezirksregierung sei das Haus als „Entlastungseinrichtung geeignet“.

In einer gemeinsamen Stellungnahme erklären Stadtspitze und Fraktionsvorsitzende, dass eine derart geballte Unterbringung im Ortskern „massives Konfliktpotential“ mit sich bringe.

Dieses Vorhaben der Bezirksregierung konterkariere die seit Jahren erfolgreichen Bemühungen der Stadt, im Wege einer dezentralen Unterbringung von Asylbewerbern an acht Stellen und in verschiedenen Wohnungen einen integrativen Ansatz zu realisieren, heißt es weiter.

Aktuell sind nach Stadt-Angaben bereits über 200 Asylbewerber im Stadtgebiet untergebracht.

Die geplante Nutzung erfordert aus Sicht der Stadt sowohl bau- als auch planungsrechtlich eine Nutzungsänderung, wenn die Augustiner das Gebäude vermieten wollen; einem entsprechenden Änderungsantrag würde die Stadt nicht zustimmen.

Für Donnerstag haben sich Vertreter der Bezirksregierung für ein Gespräch im Schloss Neersen angekündigt

Ein Vorgehen, das nicht nur Heyes „sehr überrascht“. Er sagt: „Wir standen bis zuletzt in regelmäßigem Kontakt mit den Augustinus-Kliniken und der Stiftung, um eine Lösung für das leerstehende Gebäude im Sinne der Stadt und ihrer weiteren Entwicklung zu finden – von solchen Aktivitäten der Kliniken in dieser Richtung war zu keinem Zeitpunkt die Rede.“ Unverständlich sei dies auch, da das Gebäude deutliche Mängel aufweise, die vor einer Nutzung beseitigt werden müssten.

Auf Anfrage der WZ zum Thema Asylbewerberunterkunft sagte Klinik-Sprecherin Christina Jacke am Mittwoch, man werde das Gespräch mit der Stadt suchen. Wenn, dann gehe es nur um eine vorübergehende Nutzung als Übergangsheim. Es solle nicht langfristig ein Asylbewerberheim im ehemaligen Krankenhaus entstehen. Die Kliniken mit Sitz in Neuss hatten 2007 die Trägerschaft für das Hospital von der katholischen Kirche übernommen.

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