Sommerfestspiele: Eine tolle Inszenierung von Carl Orffs Werk war in Xanten zu erleben.

wza_800x577_729786.jpeg
Die Regie nutzt in der Xantener Aufführung der „Carmina Burana“ die Möglichkeiten der Freilichtbühne voll aus.

Die Regie nutzt in der Xantener Aufführung der „Carmina Burana“ die Möglichkeiten der Freilichtbühne voll aus.

Arena

Die Regie nutzt in der Xantener Aufführung der „Carmina Burana“ die Möglichkeiten der Freilichtbühne voll aus.

Xanten. Das überdimensionale Glücksrad dreht sich unablässig, die Menschen als hilflose Spielbälle des launigen Schicksals purzeln aus ihrem Glück und gleiten über eine Riesenrutsche ab: In Robert Skolmowkis überwältigender Inszenierung von Carl Orffs szenischer Kantate "Carmina Burana" treten Stelzenläufer auf, eine riesige Flasche wird auf die Bühne geschoben, ein Segelschiff gleitet über den Bühnenboden: Die Regie nutzt die Möglichkeiten des Freilichttheaters voll aus.

In der Schenke gibt es Lebensfreude pur

In Xanten war das Publikum der 28. Sommerfestspiele restlos begeistert. An einem warmen Sommerabend mit nahezu italienischer Atmosphäre wurden die Leistungen von Orchester, Chor und Ballett der Staatsoper Breslau am Wochenende mit anhaltendem Klatschen, vielen Bravo-Rufen und rhythmischem Stampfen gewürdigt. Dirigent Tadeusz Zathey gab daraufhin eine dankbar aufgenommene Zugabe.

Carl Orff hat den mittelalterlichen Liedern aus dem Kloster Benediktbeuern in den "Carmina Burana" ein eindrucksvolles musikalisches Denkmal gesetzt. In lateinischer und mittelhochdeutscher Sprache werden die Lieder gesungen. Die Sopransoli in lateinischer Sprache entsprechen den Arien in der Oper, ansonsten dominieren die donnernden Chöre in dieser effektvollen Aufführung.

Im ersten Teil huldigt man dem Frühling, der Natur und der aufblühenden Liebe junger Mädchen und Männer. Der zweite Teil ist bayrisch-derber, hier wird gefeiert. "In Taberna", der Schenke, gibt es Lebensfreude pur: Der bierselige Mönch hoch oben auf der Riesenflasche ist volltrunken und spielsüchtig. In grotesken Gesängen wird vom traurigen Los eines gebratenen Schwans berichtet. Er steht für das Schlaraffenland. Im dritten Teil schließlich geht es um die unerfüllte Liebe und tiefe Sehnsüchte.

Paukisten haben alle Hände voll zu tun

Carl Orffs Musik ist voller Vitalität, die Chöre, von den Breslauern bestens interpretiert, sind machtvoll und gehen unter die Haut. Die Paukisten haben alle Hände voll zu tun, das Schlagwerk wird dabei unterstützt durch Klaviere. Die Komposition hat viel Elan und Dynamik und lässt die Zuhörer nicht eine einzige Sekunde aus ihrem Bann. Auch die Solisten bewähren sich: Sopranistin Joanna Moskowicz als Mädchen, Bariton Jacek Jaskula als Poet, Bariton Boguslaw Szynalski als Mönch und Tenor Edward Kulczyk als Schwan. Das Ballett in der Choreographie von Tadeusz Konwinski besticht mit Akkuratesse und Präzision.

Die passenden Kostüme und das Bühnenbild schufen Radek Debniak und Monika Graban. Vor allem die Bäume, die sich auf der Bühne zu einem Wald zusammen finden, gefielen.

Am Ende dreht sich das Glücks-Riesenrad wieder und speit Feuer, der Schicksalschor erklingt wie zu Beginn, die Lichter erlöschen, das Publikum hat sich verzaubern lassen von den "Carmina Burana".

 

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer