Dienstag hatten Verkehrsteilnehmer im Kreis weniger mit Glätte als mit Schnee-Resten und Tauwasser zu kämpfen.

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Herausforderung Bordsteinkante, fotografiert an der Ecke Willicher Straße/Dammstraße in St. Tönis.

Herausforderung Bordsteinkante, fotografiert an der Ecke Willicher Straße/Dammstraße in St. Tönis.

Herausforderung Bordsteinkante, fotografiert an der Ecke Willicher Straße/Dammstraße in St. Tönis.

Kreis Viersen. Die Straße ist schneefrei, der Randstreifen zum Bürgersteig ist es nicht. Die Winterreifen der Wagen rollen über den frei gelegten grauen Asphalt, die Sohlen der Fußgänger versinken in brauner Matsch-Brühe. Es ist Dienstagmorgen in St. Tönis.

Ein Wagen rollt durch eine gigantische Pfütze, das dreckige Wasser spritzt zwei Meter hoch auf. Senke nicht gesehen, Glück gehabt! Keinen Fußgänger getroffen. Ein Treffer wäre laut Straßenverkehrsordnung eine vermeidbare Belästigung gewesen. Da können 35 Euro fällig werden.

Das Zusammenspiel von Autofahrern und Fußgängern funktioniert aber. Bernd Klein von der Pressestelle der Kreispolizei: "Man kann nur an die gegenseitige Rücksichtnahme appellieren. Heute sind jedenfalls noch keine Anzeigen bei uns eingegangen."

Er lobt die Verkehrsteilnehmer kreisweit, die auf den Nebenstraßen auf einer dünnen Eisschicht unterwegs waren: "Nur drei Unfälle wegen Glätte." Im Bereich Dickerheide in Willich und in der Huverheide in Vorst werden zwei Stromverteilerkästen touchiert, weil Autofahrer ins Rutschen kommen. In Willich schleudert eine Vorsterin (25) mit ihrem Auto gegen einen Ampelmast und wird leicht verletzt.

"Es ist sehr ruhig, weil die Leute denken, ihr Auto ist sonst in einer Stunde wieder dreckig."

Jennifer Hupperten vom gleichnamigen Autopflege-Center

In wasserfesten Thermoschuhen ist Ordnungsamtsleiter Wolfgang Schouten in Tönisvorst unterwegs. Er klingt entspannt: "Heute ist ein nahezu beschwerdefreier Tag. Die Leute sind glücklich, dass es taut." Bauhof-Mitarbeiter hätten noch damit zu tun gehabt, Senken an Straßen von Schnee zu befreien, damit Tauwasser besser abfließen kann. Überstunden fielen keine mehr an. Die fünf Mann der Wochenendschicht hatten rund 60 Überstunden angehäuft.

In Kempen, Grefrath und Nettetal arbeiten die Mitarbeiter der Streudienste weiterhin im Dauereinsatz. "Wir haben Sonntag ab 5Uhr bis Montag Nacht pausenlos gearbeitet", sagt Klaus Staschok, Leiter des Bauhofs in Kempen. Pflaster und Plattenbeläge in der Innenstadt halten den Bauhof noch auf Trab.

"Sonst ist der Buttermarkt spiegelglatt", sagt Staschok. Von den 60 bis 70 eingelagerten Tonnen Streusalz seien seit Sonntag fünf Tonnen verteilt worden. Auch in Nettetal sind die Streudienste fleißig. "Die arbeiten unter Hochdruck. Wo andere vorsichtig fahren müssen, müssen sie zügig sein", sagt Christoph Kamps, Nettetaler Stadtsprecher.

Bürger schieben Schnee oft auf die Straße

Ina Weise vom Grefrather Bauhof schlägt das Streubuch auf: Mit Streugeräten, Schneeschiebern und Kehrbesen waren die Mitarbeiter in den letzten drei Tagen unterwegs, um die Bushaltestellen und Spielplätze, Hauptverkehrsstraßen und einige Wohngebiete von Schnee und Eis zu befreien. Die Bürger selbst allerdings würden die Gehwegen leider oft nicht räumen oder den Schnee auf die Fahrbahn schieben. "Dann schieben die Räumfahrzeuge den Schnee wieder zurück auf die Gehwege", sagt sie.

Wer angesichts von tropfnassen Schneematsch glaubt, in Reinigungen stünden Kunden Schlange, um verschmutze Beinkleider abzugeben, der irrt. "Heute ist eher weniger los", hört man aus der Vorster Reinigung an der Clevenstraße. Wer will schon gesäuberte Wäsche durch den Matsch tragen.

Auch vor den Waschanlagen stauen sich Wagen nicht. "Es ist sehr ruhig, weil die Leute denken, ihr Auto ist sonst in einer halben Stunde wieder dreckig", sagt Jennifer Hupperten vom Autopflege-Center Hupperten, Kempen. Gestern und vorgestern lief’s schleppend. Doch mit den Weihnachtstagen naht der nächste Kundenansturm.

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