Uwe Schummer will wieder für die CDU in den Bundestag. Mit ungewöhnlichen Ideen hat er sich einen Namen gemacht.

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Als wär er in Berlin: Uwe Schummer vor dem Bild des Reichstagsgebäudes im heimischen Wohnzimmer.

Als wär er in Berlin: Uwe Schummer vor dem Bild des Reichstagsgebäudes im heimischen Wohnzimmer.

Reimann

Als wär er in Berlin: Uwe Schummer vor dem Bild des Reichstagsgebäudes im heimischen Wohnzimmer.

Willich. Das Reichstagsgebäude steht an der Neersener Pappelallee. Besser gesagt: es hängt. Ein großes Gemälde seines Berliner Arbeitsplatzes ziert eine Wand im Wohnzimmer von Uwe Schummer. Zum dritten Mal seit 2002 bewirbt sich der CDU-Politiker am 27. September im Kreis Viersen um das Direktmandat für den Deutschen Bundestag. Und einen Plan B für den Fall, dass er nicht gewählt wird, hat der 51-Jährige auch nicht in der Schublade: "Ich müsste mir dann einen ganz neuen Job suchen."

"Wir müssen in das Gold der Köpfe investieren."

Uwe Schummer

Als Uwe Schummer als Neuling nach Berlin kam, sorgte er dort für viel Wirbel: Als erster Abgeordneter überhaupt bot er seinen Wählern einen Bürgervertrag an, in dem er seine Einkünfte offen legte. Jedes Jahr legt er seitdem diesen Bericht vor. Was ihm anfangs große Aufmerksamkeit überregionaler Medien einbrachte - aber auch die Kritik von Fraktionskollegen, die sich vom "gläsernen Uwe" überfahren fühlten.

Die Aufregung hat sich gelegt - mittlerweile sind alle Abgeordneten dazu verpflichtet, sämtliche Einkünfte offen zu legen. "Meine Linie ist also bestätigt worden", sagt er.

Ganz so unbekümmert wie damals geht Uwe Schummer aber nicht mehr zu Werke. Was damit zusammenhängt, dass ihm vor Jahren vorgeworfen worden war, als Verantwortlicher für die Jugendarbeit der Christlich-Demokratischen-Arbeitnehmerschaft (CDA) mit Geldern für Bildungsarbeit eine verdeckte Parteienfinanzierung betrieben zu haben.

Seine Abgeordneten-Immunität wurde im Zuge der Ermittlungen aufgehoben - und Schummer musste erkennen, dass er sich Feinde gemacht hat: "So genannte Parteifreunde haben mich an den Pranger gestellt."

Uwe Schummer ist Vorsitzender der CDU in der Stadt Willich. 1974 war er der Partei beigetreten und engagiert sich besonders in der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), deren Hauptgeschäftsführer er von 1996 bis 2002 war. Zuvor leitete er das Abgeordnetenbüro des damaligen Arbeitsministers Norbert Blüm. Als Bundestagsabgeordneter hat er bis heute schon 11000 Besucher aus dem Kreis Viersen in Berlin begrüßt.

Uwe Schummer wird im November 52 Jahre alt. Geboren wurde er in Adelaide (Australien), wohin seine Eltern vorübergehend ausgewandert waren. Schummer ist ledig, hat ein gemietetes Haus in Neersen und eine Wohnung in Berlin-Tempelhof. Der ehemalige Leichtathlet läuft in seiner Freizeit gerne und hört zur Entspannung Musik - aktuell Rosenstolz, George Harrison und Karel Gott.

Das Verfahren ist längst eingestellt worden. Und der CDU-Linke konzentriert sich wieder voll auf "seine" Themen: berufliche Bildung und lebenslanges Lernen. Die Reform des Berufsbildungsgesetzes sowie die Einführung von Bildungssparen und Ausbildungsbonus sieht er auch als persönliche Erfolge an.

Das nächste Projekt hat er schon ins Auge gefasst: Zehn Prozent der 65 Milliarden Euro umfassenden Goldreserven der Bundesbank könnten, so die Idee des gelernten Kaufmanns, in eine Stiftung überführt werden, aus der Ausbildungs-Stipendien finanziert werden.

"Wir müssen in das Gold der Köpfe investieren", betont Schummer, der den Vorschlag sogar schon Angela Merkel unterbreitet hat. Und wie hat die Kanzlerin reagiert? Schummer schmunzelt: "Die Finanzpolitiker sind dagegen..."

Der ehemalige 400-Meter-Läufer weiß, dass er in Berlin einen langen Atem braucht, um solche Ideen durchzusetzen. Doch daran mangele es ihm nicht. "Ich werde daran in der nächsten Legislaturperiode weiter arbeiten", sagt er. So wie auch an der Änderung der Gema-Gebühren für Vereine und an der Verlängerung der Regiobahn von Kaarst bis Venlo: "Wenn die Holländer mit im Boot sind, kann 2015 Baubeginn sein."

Für die Wahl setzt Schummer ganz auf Sieg - und danach auf ein schwarz-gelbes Bündnis. Die Große Koalition habe gute Arbeit geleistet, doch die SPD müsse sich in der Opposition neu formieren: "Links von ihr darf es keine Partei mehr geben." Seinem Konkurrenten Udo Schiefner wünscht er alles Gute: "Er hat einen guten Listenplatz. Es wäre gut, wenn der Kreis Viersen mit zwei Abgeordneten vertreten wäre."

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