Hauptschule Süd: Nach der Übergabe einer Unterschriftenliste nahm der Vormittag einen unruhigen Verlauf.

Almedina Fejzula übergibt Bürgermeister Günter Thönnessen die Unterschriftenliste.
Almedina Fejzula übergibt Bürgermeister Günter Thönnessen die Unterschriftenliste.

Almedina Fejzula übergibt Bürgermeister Günter Thönnessen die Unterschriftenliste.

Horst Siemes

Almedina Fejzula übergibt Bürgermeister Günter Thönnessen die Unterschriftenliste.

Viersen. Unerwarteter Besuch stand am Donnerstagmorgen um 10 Uhr vor dem Büro von Bürgermeister Günter Thönnessen. Zahlreiche Schüler hatten sich von der Hauptschule Süd aus auf den Weg gemacht, um gegen die Schließung ihrer Schule zu protestieren. Hals über Kopf hatten sie das Schulgelände verlassen und waren mit Rädern und Bussen zum Rathaus gefahren. Aus Sicht der Schule hätte der Vormittag anders verlaufen sollen.

"Wir streiken, weil sich der Bürgermeister nicht für unsere Schule einsetzt."

Tariq, Schüler

8.45 Uhr: Die angeheizte Stimmung macht sich schon am frühen Morgen beim Schulbesuch Thönnessens bemerkbar bemerkbar. Schüler haben sich mit ihren Lehrern im Foyer ihrer Schule versammelt, um dem Bürgermeister eine Unterschriftenliste gegen die Schließung ihrer Schule zu überreichen. Unter die Schülerschar haben sich vereinzelte Eltern und die Schulpflegschaft gemischt - allen voran der Vorsitzende Willy Mandewirth.

"Ich finde das sehr gut, dass ihr euch für eure Schule einsetzt", sagt Thönnessen, der gleichzeitig unmissverständlich klar macht: "Ich als Bürgermeister halte die Entscheidung, die Schule zu schließen, für richtig." Klar, dass solche Sätze mit Buh- und anderen Rufen quittiert werden - allerdings nicht nur von den Schülern. "Die Politik hat versagt", schreit Mandewirth und heizt damit die Schüler an. Thönnessen erklärt, dass man die Differenzierung an der Schule wegen der geringen Schülerzahl nicht aufrecht erhalten könne. Er sichert den Schülern zu, dass von den Hauptschulen Süchteln und Dülken "alles getan werde, damit Freunde zusammenbleiben und dass - soweit es möglich ist - die Klassen zusammenbleiben". Wirklich beruhigen kann er die Schüler nicht.

So will eine Schülerin nicht verstehen, warum nicht sämtliche Kinder aus den vierten Klassen künftig auf die Hauptschule Süd wechseln, so dass sich hier die Schülerzahl steigert. Eine andere Schülerin erkundigt sich, was mit den Lehrern passiert. "Wir haben in der ganzen Stadt Unterschriften gesammelt und Sie sehen, wie viele dagegen sind", sagt Schulsprecherin Almedina Fejzula, als sie die Mappe überreicht.

Schließlich ist es einmal mehr der Schulpflegschaftsvorsitzende, der das Wort ergreift: "Ihr seid ebenso wie eure Eltern hintergangen worden. Seid ihr Loser? Wer nicht kämpft, hat schon verloren", ruft er.

Während Sven die Aktion mit den Worten "ist mir eigentlich alles egal" eher belächelt, machen sich andere Sorgen. "Die Süchtelner Schüler sind gegen uns", sagt Jennifer. Adam will zumindest entschädigt werden. "Der Bürgermeister soll uns wenigstens eine Abschlussfahrt spendieren."

Schüler haben sich unerlaubt vom Gelände entfernt

10 Uhr: Nach und nach kommen Schülergruppen ins Stadthaus, vereinzelte Schüler toben durchs Treppenhaus, andere suchen in der ersten Etage das Gespräch mit dem Bürgermeister. "Wir streiken, weil sich der Bürgermeister nicht für unsere Schule einsetzen will", sagt Tariq. Nachdem der Bürgermeister die Schule verlassen habe, sei die Schülersprecherin rumgekommen und habe gefragt, ob sie mitkämen.

10.15 Uhr: Der stellvertretende Schulpflegschaftsvorsitzende Torsten Goletz erscheint. "Das ist nicht von uns geplant. Das war die Idee der Schüler", betont er und schaut sich den "Streik" an. Derweil ist der kommissarische Schulleiter über die Aktion seiner Schützlinge informiert worden. "Die Schüler haben sich unerlaubt vom Schulgelände entfährt. Wir müssen jetzt die Eltern informieren", sagt Schulleiter Ulrich Vriens.

10.40 Uhr: Der Bürgermeister verlässt mit den Schülern das Stadthaus und setzt die Gespräche auf dem Rathausmarkt fort. "Man kann mit 230 Schülern kein Gespräch führen", sagt Thönnessen und bietet der Schülersprecherin ein baldiges Gespräch in kleiner Runde an.

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