Rund 100 junge Menschen haben gestern in Viersen gegen rechte Gewalt protestiert.

Aus ganz NRW kamen gestern Demonstranten nach Viersen.
Aus ganz NRW kamen gestern Demonstranten nach Viersen.

Aus ganz NRW kamen gestern Demonstranten nach Viersen.

Ahlen

Aus ganz NRW kamen gestern Demonstranten nach Viersen.

Viersen. Nach dem Überfall auf einen 18-jährigen Deutschen türkischer Abstammung am ersten Weihnachtsfeiertag hatte das "Antifaschistische Aktionsbündnis" gemeinsam mit der Linken NRW, den Falken, der Antifa Grenzland und auch den Jungen Grünen aus Mönchengladbach zu einer Kundgebung gegen Nazis aufgerufen.

Am Busbahnhof in Viersen wollte man sich treffen, doch einige Kundgebungsteilnehmer von auswärts hatten sich verlaufen und mussten erst am Bahnhof abgeholt werden. Insgesamt kamen dann aber doch gut hundert - deutlich überwiegend sehr junge - Menschen zusammen.

Polizei muss die Protestierenden bisweilen in die Schranken weisen

Mehr als die Hälfte war von auswärts angereist, aus Düsseldorf, Essen, Krefeld - fast aus ganz NRW. Viele Autonome waren darunter, vermummt und mit Sonnenbrillen.

Die Nazis im Kreis Viersen seien kein Gerücht, erklärt ein junger Mann vom Organisationskomitee. Er selbst sei von Mitgliedern der "Kreiskameradschaft Viersen" im Sommer verprügelt worden, ein befreundeter Musiker afghanischer Herkunft in Kaldenkirchen.

Er ganz persönlich rechne damit, dass "etwa 30 Nazis" hier auftauchen und für Randale sorgen würden. Es sind am Ende fünf oder sechs junge Männer in Lonsdale-Jacken, die kurz "Nationaler Widerstand" skandieren und sich dann schleunigst in Richtung der Rathausmarkt-Passage verdrücken.

Eine Viersener Bürgerin, die nur zufällig von der Demonstration erfahren hat, ist sehr unangenehm berührt. "Ich denke, nach so einem Vorfall müsste ganz Viersen hier stehen", sagt sie.

"Ich vermisse die Leute, die auch gegen Nazis sind." Einreihen kann sie sich aber nicht. "Da ist ein Transparent, das ich absolut nicht gutheißen kann." Sie meint die Aufschrift: "Nazis bekämpfen - mit allen Mitteln und so unfair wie möglich."

Erste Meinungsverschiedenheit mit der Polizei: Fahnenstangen dürfen nicht länger als zwei Meter sein. Als auch nach gutem Zureden nicht alle verschwinden, nehmen die Beamten zwei davon mit. Es wird auch geredet auf dem Rathausmarkt: Nazi-Strukturen seien vor allem im Kreis Viersen zu beobachten, heißt es in einer der Reden.

Dann setzt sich ein Demonstrationszug in Bewegung. Die Polizisten müssen die vorwärts strebenden jungen Menschen, die immer wieder "Alerta, Alerta, Antifascista" rufen, manchmal in die Schranken weisen, damit nicht der Verkehr zum Erliegen kommt.

Am Gereonsplatz passiert ein Auffahrunfall. Der erste Wagen an der Ampel kann noch bremsen, als die Demonstranten um die Ecke kommen, der nächste nicht.

Nach gut anderthalb Stunden löst sich der Demonstrationszug am Bahnhof auf. Rund 50 Demonstranten besteigen ihre Züge in Richtung Ruhrgebiet - nicht, ohne vorher noch ein Erinnerungsfoto unter dem Schild "Auf Wiedersehen am Hauptbahnhof Viersen" zu machen. "Weil wir ja wahrscheinlich nie wieder hierher kommen", sagt ein Mädchen.

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