Im Wald zwischen Viersen und Süchteln haben es die Tiere auch im Winter gut: Menschen kümmern sich um Wildschwein, Hirsch und Co.

Süchteln. Der Schnee glitzert in der Sonne, auf den Bäumen liegen Schneehäubchen, und von weitem ist das Lachen von Kindern zu hören, die die Hänge der Süchtelner Höhen als Rodelbahn benutzen.

Doch am Wildgehege, inmitten des Waldzuges zwischen Viersen und Süchteln, herrscht Ruhe. Dam- und Rehwild zupfen bedächtig Heu aus den Raufen, die Schafe stehen dicht gedrängt zusammen, und die Wildschweine - genauer gesagt die handzahmen Frischlinge des vergangenen Jahres - lassen sich verwöhnen.

"Die Tiere müssten Möhren-Eis lutschen."

Viersens Stadtförster Rainer Kammann und seine Kollegin Rebecca Lamersdorf haben in ihrem großen Eimer etwas Besonderes mitgebracht. "Das ist Ferkelstarter. Frischlinge und Bachen haben einen hohen Eiweißbedarf, und den decken wird darüber ab", erklärt Lamersdorf.

Das Wetter spielt dabei keine Rolle. Ob Sommer oder Winter, die jungen und die weiblichen Wildschweine brauchen es neben dem normalen Futter, das unter anderem aus Mais-Silage besteht.

Mehr fressen als sonst müssen die Tiere derzeit nicht, das gilt für alle Arten des Geheges. "Wildtiere fressen sich im Sommer und Herbst, wenn die Natur ausreichend Futter anbietet, ihren Winterspeck an", sagt Kammann. "Von dem zehren sie dann im Winter, wenn das Nahrungsangebot nicht so üppig ist."

Mit Heu wird das fehlende Gras kompensiert

Das Wildgehege in den Süchtelner Höhen existiert seit 1969. Damals allerdings noch im Privatbesitz der Familie Holtz, die es auch anlegte. 1973 übernahm die Stadt Viersen die 6,5 Hektar große Anlage.

Heute leben hier 20Wildschweine, Damwild (sechs Alttiere und zwei Hirsche), Rotwild (sieben Alttiere, ein Kalb und ein Hirsch) sowie 5 Kamerunschafe.

Die Wildtier-Anlage kann ganzjährige besucht werden. Es gilt: Füttern verboten.

Und genau diesen Speck haben auch die Tiere des Wildgeheges. Daher ist eine größere Futtergabe nicht nötig, wenngleich etwas mehr Heu als im Sommer gegeben wird. Damit kompensiert man das fehlende Gras, das unter der geschlossenen Schneedecke verschwunden ist.

Dennoch bedeutet die anhaltende Kälte mehr Arbeit für Franz Gerkens, der sich als städtischer Mitarbeiter um Hirsche, Wildschweine, Rehe und Schafe kümmert. Bei dem Dauerfrost können nicht wie gewohnt Rüben, Möhren, Rote Beete und Futterkartoffeln für zwei bis drei Tage in die verschiedenen Gehege gebracht werden. "Das Futter würde gefrieren und die Tiere müssten dann Möhren-Eis lutschen", scherzt Lamersdorf.

Daher heißt es nun jeden Tag: Das Futter frisch aus der Scheune nach draußen bringen. Dazu kommt das Wasser. Auch hier gilt natürlich: Was länger draußen steht, friert ein. Also werden die Wasserstellen von Hand immer wieder mit frischem Wasser versorgt.

Und wenn es in diesen eiskalten Tagen zwecks Befüllung zu den Heuraufen geht, dann ist Stapfen durch den Schnee angesagt - was eindeutig anstrengender ist als das Gehen über einen geräumten Weg.

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