Behörden lassen Schleuserbande auffliegen. Arbeiter mussten zu „Hungerlöhnen“ für deutsche Betriebe schuften.

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...und diese Schlafstelle unter dem Dach eines Gehöfts sollen die Schleuser von den Indern jeweils 200 Euro pro Monat als Miete kassiert haben. (Fotos (2): Bundespolizei)

...und diese Schlafstelle unter dem Dach eines Gehöfts sollen die Schleuser von den Indern jeweils 200 Euro pro Monat als Miete kassiert haben. (Fotos (2): Bundespolizei)

...und diese Schlafstelle unter dem Dach eines Gehöfts sollen die Schleuser von den Indern jeweils 200 Euro pro Monat als Miete kassiert haben. (Fotos (2): Bundespolizei)

Straelen. Die exakten Zahlen kennt naturgemäß niemand. Aber nach Schätzungen unter anderem des Europäischen Migrationsnetzwerkes leben derzeit allein in Deutschland zwischen 500.000 und eine Million sogenannte "illegal aufhältige Drittstaatsangehörige" - zumeist ins Land gebracht durch Schleuserorganisationen.

Wie es diesen Menschen in der Illegalität ergehen kann, zeigt ein erschreckender, aktueller Fall vom Niederrhein: Mindestens 19 illegal ins Land gekommene Inder sollen in Straelen und Geldern fast wie Sklaven untergebracht und ausgenutzt worden sein.

Massenschlaflager direkt unter einem nur notdürftig isolierten Dach

Ihr "Zuhause" war ein altes, leerstehendes Gehöft, in dem die Männer auf Matratzenlagern im nur notdürftig isolierten Dachstuhl schlafen und sich ansonsten in einer engen, schmutzigen Wohnküche aufhalten mussten. Eine Unterkunft, die Bundespolizei und Staatsanwaltschaft Geldern jetzt als "menschenunwürdig" bezeichneten.

An jedem Morgen wurden die Männer von Autos abgeholt und erst am Abend wieder zurückgebracht - zum Arbeitseinsatz zu Hungerlöhnen in mutmaßlich sechs Gartenbaubetrieben in Straelen und Umgebung. Die Männer seien dabei "dem Augenschein nach ohne Zwang und freiwillig mitgefahren", heißt es aus Kreisen der Ermittler, die die mutmaßliche Schleuserbande und deren Opfer jetzt auffliegen ließen.

Bereits seit Ende April hatten Beamte der Bundespolizeiinspektion Kleve im Auftrag der Staatsanwaltschaft Kleve gegen mehrere, in Straelen und Kleve lebende indische Staatsangehörige ermittelt - wegen des Verdachts des bandenmäßigen Einschleusens von Ausländern, illegalem Aufenthalt und illegaler Beschäftigung. Dazu zählten auch verdeckte Beobachtungen der Lebensumstände der illegal ins Land geschleusten Inder sowie natürlich der Schleuser.

Mutmaßlicher Haupttäter ist der Inder Gupta S. (44, Name geändert), der schon seit Jahren in Straelen lebt und dort auch ein Mietshaus besitzt. Mehrfach bereits war in der Vergangenheit gegen ihn wegen des Verdachts ermittelt worden, er stehe in Verbindung mit Schleusern. Jetzt ist die Staatsanwaltschaft sicher, ihm das illegale Einschleusen von Menschen nachweisen zu können.

Rund 40 Bundespolizisten, Staatsanwälte, örtliche Polizeibeamte sowie Mitarbeiter der Ausländerbehörden und der Finanzkontrolle Schwarzarbeit hatten am vergangenen Mittwoch zunächst die Wohnung von GuptaS. in Straelen und das als Wohnquartier dienende leerstehende Gehöft in Geldern durchsucht.

Als Polizeibeamte ihm den Durchsuchungsbefehl für seine Wohnungen präsentierten, erlitt Gupta S. einen Kreislaufzusammenbruch und musste kurzzeitig in einem nahe gelegenen Krankenhaus behandelt werden.

Nach Angaben aus Ermittlerkreisen soll er von seinen "Sklaven" für deren Unterkünfte monatlich 200 Euro gefordert und erhalten haben. Darüber hinaus prüft die Staatsanwaltschaft derzeit, ob er auch "Vermittlungsgebühren" von den örtlichen sechs Gemüse- und Gartenanbaubetrieben erhalten hat.

Was diese "Betriebe von familiärer Größe", so ein Ermittler, an die Inder als Arbeitslohn zahlten, ist offiziell nicht bekannt. "Die Vernehmungen der Betroffenen laufen noch", heißt es offiziell. Unter der Hand ist allerdings von "Hungerlöhnen" die Rede.

Das Gros der Inder wurde inzwischen in Abschiebehaft genomen - ebenso wie zwei Polen, die ebenfalls Teil der Sklaventruppe waren. Sie wurden von ihrem Heimatland mit internationalem Haftbefehl gesucht. Gupta S. befindet sich derzeit noch auf freiem Fuß: Die Staatsanwaltschaft sieht keine Fluchtgefahr.

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