Nach der Amokdrohung vom Freitag wird heute in Waldniel der Schulbetrieb wieder aufgenommen.

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Entsetzen und Fassungslosigkeit herrschte rund um das Schulzentrum in Waldniel.

Entsetzen und Fassungslosigkeit herrschte rund um das Schulzentrum in Waldniel.

Entsetzen und Fassungslosigkeit herrschte rund um das Schulzentrum in Waldniel.

Waldniel. Am Montag startet der Unterricht an den drei von der Amokdrohung am Freitag betroffenen Schulen im Schulzentrum Waldniel wieder. "Wir haben uns in Absprache mit allen Schulleitern darauf verständigt, dass wir nicht einfach schulfrei geben", erklärt Schulamtsleiter Gerd van Grimbergen. "Es wird kein normaler Unterricht stattfinden, die Aufarbeitung der Vorfälle soll im Mittelpunkt stehen." Dafür habe man das Angebot der Kirchen, mit Seelsorgern in die Schulen zu kommen, angenommen.

"Für eine Versachlichung ist es noch viel zu früh."

Joachim Hambücher, Streetworker

Auch Streetworker Joachim Hambücher und insgesamt rund 20 Mitarbeiter der Psychologischen Notfallseelsorge aus Krefeld stehen bereit. Hambücher hat über das Wochenende auch die Notfall-Hotline betreut, die eigens für die betroffenen Familien geschaltet war. Viele Eltern haben sie genutzt. "Im Mittelpunkt der Gespräche stand immer die Frage: Wie gehe ich mit meinem Kind um? Was sage ich?" berichtet er.

Viele Eltern hätten schon am Mittwoch, nach der Festnahme des Amokdrohers von der Janusz-Korczak-Realschule, ihren Kindern gesagt, das sei jetzt einmal vorgekommen und sie bräuchten nicht noch einmal damit rechnen. "Das müssen die Erwachsenen für sich revidieren", sagt er. Etliche Eltern hätten auch von Schlafstörungen berichtet. "So etwas trifft vor allem die Teenager, die sich sonst gerne besonders cool geben - und jetzt merken, dass sie doch aus der Bahn geworfen werden können."

Ein Patentrezept für den Umgang mit den Kindern gebe es nicht, sagt Hambücher. "Reden, reden, reden", empfiehlt er. Sich als Familie zusammensetzen, als Erwachsener auch einmal den Blickwinkel der Kinder annehmen, sich fragen: "Wie wäre es mir gegangen, wenn ich drei Stunden eingesperrt auf dem Boden gelegen hätte?" Diese Gefühle sollten die Eltern ihren Kindern ruhig mitteilen, rät er. "Es ist noch nicht die Zeit für eine Versachlichung. Die kommt irgendwann nächste Woche. Frühestens."

Hambücher glaubt, dass die Dunkelziffer derjenigen Kinder und Jugendlichen, denen es nicht gut geht, die aber bislang kein Hilfsangebot nutzen, "sehr hoch" ist. "Die Kinder sind sprachlos." Die Auswirkungen könne man noch gar nicht abschätzen.

Ein weiteres schwerwiegendes Problem scheint auch noch auf die zu warten, die jetzt mit der Aufarbeitung beschäftigt sind. Die Schüler, die in der Niederkrüchtener Hauptschule von der Polizei festgenommen wurden, dabei auf den Boden gedrückt worden sein sollen, hatten noch keine Gelegenheit, klarzustellen, dass sie Opfer einer Verwechslung geworden sind und nichts mit der Amokdrohung zu tun haben. Nachdem sich herausgestellt hatte, dass sie unschuldig sind, habe man sie direkt nach Hause geschickt.

Zumindest einer von ihnen soll im Laufe des Wochenendes per Telefon und E-Mail wüst beschimpft und bedroht worden sein. Jetzt habe er Angst, überhaupt noch in die Schule zu gehen.

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