Schwalmtal/Hannover. Während der Bluttat im nordrhein- westfälischen Schwalmtal mit drei Toten hat ein Unbekannter Details aus dem Polizeifunk über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreitet. "Dies war uns bekannt und wir haben uns darauf eingestellt", sagte der Einsatzleiter, Jürgen Schneider, am Mittwoch in Düsseldorf.

Die Polizei habe mehrere Funkkreise, die nicht abgehört werden könnten. Am Dienstag hatte ein 71-Jähriger im Haus seiner Tochter und ihres Ehemanns zwei Rechtsanwälte und einen Sachverständigen erschossen, einen weiteren Gutachter verletzte er schwer. Sie sollten den Wert des Hauses ermitteln, das zwangsversteigert werden sollte.

Nach Ansicht von Experten gefährden solche Veröffentlichungen des Polizeieinsatzes im Internet den Erfolg des Polizeieinsatzes massiv. "Die Täter können ihre Strategie ändern oder ihren Fluchtweg anpassen, wenn ein Komplize im Internet die Wege der Polizei verfolgen kann", sagte der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen in Hannover, Christian Pfeiffer.

Der Unbekannte hatte am Mittwochnachmittag den Polizeifunk abgehört und unmittelbar in Twitter unter dem Namen @JO31DH verbreitet. Dabei erfuhren die Leser, wann das Sondereinsatzkommando am Tatort eintrifft, wohin sich die Einsatzkräfte verlagern oder wo der Polizeihubschrauber landet.

"Das ist absurd. So werden immer mehr Schaulustige an den Tatort gelockt, die die Zufahrtswege versperren", betonte Pfeiffer. Solche Internas dürften niemals in die Öffentlichkeit gelangen und dienten nicht dem Interesse der Allgemeinheit.

Es gelte schleunigst eine technische Regelung zu finden, die Urheber solcher Nachrichten zu identifizieren und mit einer empfindlichen Geldbuße zu bestrafen. "Solche Menschen sehen sich in einer Pionierrolle und wollen ein Stück Abenteuer erleben", sagte Pfeiffer. Sie erhofften sich Anerkennung von Ihresgleichen, ohne sich über die Folgen im Klaren zu sein.

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