Nach einer Messerattacke auf einen Nachbarn, wird ein 43-Jähriger festgenommen.

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Polizei-Beamte eines Spezialeinsatzkommandos klettern durch das Fenster des Hauses an der Hendrik-Goltzius-Straße, um den aggressiven Bewohner festzunehmen.

Polizei-Beamte eines Spezialeinsatzkommandos klettern durch das Fenster des Hauses an der Hendrik-Goltzius-Straße, um den aggressiven Bewohner festzunehmen.

Günter Jungmann

Polizei-Beamte eines Spezialeinsatzkommandos klettern durch das Fenster des Hauses an der Hendrik-Goltzius-Straße, um den aggressiven Bewohner festzunehmen.

Bracht. Der Abend des 1. Mai: Familien an der Hendrik-Goltzius-Straße sitzen im Garten, genießen die Sonne. Nur Hans-Martin B. trinkt ein Bier nach dem anderen, hört laute Musik. Einer der Nachbarn ruft über den Zaun, er möge sie doch mal leiser stellen. Keine Reaktion.

Kurz darauf springt B. über den niedrigen Zaun in den Nachbargarten. "Da hatte er plötzlich ein langes Messer, drei weitere hinten im Gürtel, und ist auf meinen Mann losgegangen", erzählt eine verstörte junge Frau. Ihr Mann springt zur Seite, einen anderen Nachbarn erwischt B. an der Hand.

Der polizeibekannte Angreifer ist am nächsten Tag wieder frei

Die Polizei kommt, sie berichtet von einem Streit zwischen B. und seiner Frau. "Dass er seine Frau bedroht hätte, haben wir nicht gesehen, nur auf uns ist er losgegangen", sagt eine Nachbarin.

Auf der Straße bedroht der 43-jährige auch die Polizisten, verschanzt sich dann mit Gasflaschen im Haus und droht, sich in die Luft zu sprengen. Die Beamten agieren vorsichtig, denn B. ist für sie kein Unbekannter. Er stammt aus einer ortsbekannten Familie, einige seiner sieben Brüder und zwei Schwestern kamen auch schon mit dem Gesetz in Konflikt.

B. selbst hat Gefängnisaufenthalte hinter sich. Vor über zehn Jahren soll er die Brachter Ziegelei Naus angezündet haben, auch von weiteren - nicht nachgewiesenen - Brandstiftungen ist die Rede. Zuletzt soll er als Leiharbeiter in einer Firma vor gut einem halben Jahr einen Radlader entwendet haben. Mit Gewalttätigkeiten ist der Vater von zwei kleinen Töchtern bislang noch nicht aufgefallen.

Seine Nachbarn ahnen nichts von seiner Vergangenheit, er trägt den Namen seiner Ehefrau, nicht mehr den Namen van D., den im Ort jeder kennt. "Er hat schon mal gepöbelt, vor allem gegen die Türken gegenüber, aber das jetzt war ernst", sagt die Nachbarin. "Der wollte zustechen, der wollte treffen."

Die Polizei räumt die umliegenden Häuser. Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) beendet die Situation am späten Abend, schlägt die Wohnzimmerscheibe ein und bricht die verbarrikadierte Tür auf. Kurz darauf wird B. abgeführt.

Am nächsten Mittag fegt B.s Ehefrau die Stufen vor dem Haus. Es liegen noch Scherben dort von der Wohnzimmerscheibe und der Scheibe in der Tür. Die Nachbarn trauen ihren Augen nicht. "Ich habe seine Hand an der Tür gesehen", flüstert ein kleines Mädchen. Und es stimmt: Der Staatsanwalt hat B. auf freien Fuß gesetzt, bestätigt die Polizei. Er sehe weder Gründe für eine Haft noch für eine Unterbringung in der Psychiatrie. "Wir können doch hier die Kinder nicht mehr auf die Straße lassen, was muss denn noch passieren, damit man den einsperrt?" fragt eine Nachbarin.

Dazu, warum es keine Gründe für eine Haft gegeben hat, konnte die Staatsanwaltschaft am Sonntag wegen des Wochenendes keine Stellungnahme abgeben.

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