Der Brand in Bracht hat eine teure Anlage zerstört. Für Wehrleute sind die Platten eine Herausforderung.

Bracht. Der Brand einer Scheune in der Brachter Sektion Boerholz (die WZ berichtete) hat nicht nur einen hohen Schaden angerichtet, sondern auch gezeigt, dass es für die Feuerwehr eine neue Herausforderung gibt: brennende Photovoltaik-Anlagen.

Die Brachter Anlage war erst 81 Tage alt. In diesem Fall stellte es sich für die Wehr nicht als schwierig dar, denn man kam unabhängig von der Anlage auf dem Dach der Scheune schnell zu dem Schluss, alles kontrolliert abbrennen zu lassen - die Halle war nicht mehr zu retten. "Und wenn man Stroh löscht, rettet man damit nichts", erklärt der Pressesprecher der Brüggener Wehr, Michael Römer. Es sei ohnehin für den Landwirt unbrauchbar.

Die Führungskräfte der Feuerwehren im Kreis werden sich - unabhängig von dem Brand in Bracht - bei ihrer nächsten Schulung mit dem Thema Photovoltaik auseinandersetzen müssen. "Das ist sicherlich nicht unproblematisch", erklärt der stellvertretende Kreis-Brandmeister Thomas Metzer. Inzwischen sei zwar festgelegt, dass solche Anlagen mit einem Hauptschalter zu versehen sind, damit man sie vom Netz trennen könne.

"Die Zelle selbst aber produziert weiter Strom", erläutert er. Das bedeute eine zusätzliche Gefahr. Es werde zwar Gleichstrom produziert, nicht der für den Menschen extrem gefährlichere Wechselstrom, dafür aber mit Spannungen von bis zu 900 Volt.

Es sind Mindestabstände beim Löschen einzuhalten, die Statik eines Gebäudes, gerade einer Scheune, kann mit den Dach-Konstruktionen ganz anders sein, als man das nach bisheriger Erfahrung erwarten würde. Auch "Lichtbogen" können entstehen. Diese Sammlung von Erfahrungen haben andere Feuerwehren, die einmal die leidvolle Bekanntschaft mit den brennenden Anlagen gemacht haben, im Internet zusammen getragen.

Gefährlich ist auch das splitternde Glas der Zellen

"Es kann auch schwierig werden, wenn man bei einem Brand die Dachhaut öffnen will oder muss", erklärt Metzer. Neben den elektrischen Problemen sei auch das splitternde Glas zu beachten, das dabei herumfliege. "Das alles soll aber auf keinen Fall heißen, dass man nun deswegen auf Photovoltaik verzichten muss", stellt Metzer klar.

"Es wäre nur gut, wenn wir die Anlagen in den Einsatzleitplänen vermerken könnten, damit wir von Anfang an wissen, ob wir es mit Photovoltaik zu tun bekommen." Bei manchen Anlagen auf Einfamilienhäusern könne man nämlich von einer Hausseite aus gar nicht sehen, dass die Rückfront mit den stromerzeugenden Platten versehen sei.

Landwirt Heiner Meewissen nützt das alles gar nichts. Im Januar 2000 brannte die gleiche Scheune ab, auch damals war es Brandstiftung. "Der Täter wurde nie gefasst", sagt er. Deshalb war er auch schnell im Auto, als er am Sonntagnachmittag erfuhr, dass es brennt. Die Frau eines Nachbarns war bereits unterwegs ins Feld. Gemeinsam konnten sie einen 45-jährigen Brachter stellen, den die Nachbarn vorher beobachtet hatten.

Die Polizei nahm den Mann mit, stellte Alkoholeinfluss fest und befragte ihn auch gestern noch - er hat sich allerdings zu den Vorwürfen nicht geäußert.

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