Dank eines Laptops mit Kamera kann der stark kurzsichtige Philipp besser in der Schule mithalten. Spenden haben dies ermöglicht.

Sogar der Dreck an der Decke ist besser zu erkennen: Philipp freut sich gemeinsam mit Lehrerin Marie-Luise Bongers, Thomas Bongartz von der Sparkasse Bracht, Betreuer Rainald Schulte-Eppendorf und Schulleiter Wolfgang Jöres (v.l.).
Sogar der Dreck an der Decke ist besser zu erkennen: Philipp freut sich gemeinsam mit Lehrerin Marie-Luise Bongers, Thomas Bongartz von der Sparkasse Bracht, Betreuer Rainald Schulte-Eppendorf und Schulleiter Wolfgang Jöres (v.l.).

Sogar der Dreck an der Decke ist besser zu erkennen: Philipp freut sich gemeinsam mit Lehrerin Marie-Luise Bongers, Thomas Bongartz von der Sparkasse Bracht, Betreuer Rainald Schulte-Eppendorf und Schulleiter Wolfgang Jöres (v.l.).

Heike Ahlen

Sogar der Dreck an der Decke ist besser zu erkennen: Philipp freut sich gemeinsam mit Lehrerin Marie-Luise Bongers, Thomas Bongartz von der Sparkasse Bracht, Betreuer Rainald Schulte-Eppendorf und Schulleiter Wolfgang Jöres (v.l.).

Niederrhein. Philipp (13) ist glücklich. Endlich kann er lesen, was seine Lehrerin Marie-Luise Bongers an die Tafel schreibt. Der Junge aus Schwalmtal besucht die siebte Klasse der Gesamtschule Brüggen als "Integrationsschüler" - er ist sehbehindert. Minus 16 Dioptrien auf beiden Augen lassen seine Welt verschwimmen.

"Bis zum Pult kann ich etwas erkennen, bis zur Tafel nicht", erzählt er. Bislang war ein spontanes Tafelbild für seine Lehrer damit verbunden, dass sie es für ihn in groß noch einmal auf ein Stück Papier malten. Jedes Arbeitsblatt wurde größer kopiert, für die Schulbücher brauchte er eine Leselupe.

Aber gerade dort gab es noch mehr Grenzen. Was für andere Schüler schön bunt aussieht - wie grasgrüner Text auf blassgelbem Grund - ist für Philipp kaum zu erkennen. Für die Krankenkassen hat Philipp zwar eine Sehbehinderung, aber keine so schlimme, dass eine technische Sonderausstattung bezahlt würde.

Da liegt er knapp unterhalb der Grenze. Und trotzdem kann er jetzt strahlend mit einem elektronischen Lesegerät, der Tafelkamera und einem Laptop umgehen. Möglich gemacht hat das eine Spendenaktion. Beteiligt waren die Sparkasse, die Stiftung Mocken in Amern, die katholische Kirche in Amern, die St.Pankratius-Schützen und einige private Spender.

Insgesamt hat Philipps Ausrüstung 5000 Euro gekostet. Mit dem Laptop kann er schon seit einiger Zeit üben, die Kamera ist jetzt dazu gekommen. Er beherrscht beides erstaunlich sicher und erklärt, was er tun kann.

"Hier, die Lupe zum Nah-Lesen verbessert noch die Schärfenqualität, wenn ich ein Buch unter der Kamera liegen habe", sagt er und schaltet eine Lupe vor. "Ich kann auch Kontraste verstellen, verschiedene Farbvarianten wählen, damit ich es besser erkennen kann, und wenn es dunkel ist im Klassenzimmer, ist hier eine kleine LED-Lampe."

Philipp kann Bilder direkt abfotografieren und speichern, um sie für Referate zu nutzen, Schriftliche Abschnitte formatiert er, kann sie in Tabellen zusammenfügen, entsprechend unterstreichen und alles, was zu einer richtig guten Bearbeitung gehört.

Durch die extreme Schwenkbarkeit der Lesehilfe kann er statt der Tafel auch den Inhalt des Regals im hinteren Klassenzimmerbereich ansehen. "Oder die Decke", erklärt er und dreht die Kamera flott. "Da kann ich sogar jedes bisschen Dreck erkennen."

Nur in Mathematik muss er im Moment mit der Hand schreiben. Da nützt ihm nämlich der Tastaturkurs, den er erfolgreich in der Sehbehindertenschule in Aachen absolviert hat, nichts.

Denn das Thema ist Bruchrechnung, und die Software, die Brüche, Klammern, den Mix aus Zahlen, Buchstaben und Hochzahlen richtig darstellen könnte, sei zu kompliziert für einen Siebtklässler. Aber in allen anderen Fächern ist die Rechner-Kamera-Kombination eine große Hilfe.

Und Philipp hat auch begriffen, dass es ein Arbeits- und kein Spielgerät ist. Stolz zeigt er seine Ordner für alle Fächer, die er mit den entsprechenden Unterordnern eingerichtet hat. "Keine Spiele drauf", sagt er, wartet einen Moment, grinst, und fügt dann hinzu: "Dafür habe ich ja noch einen anderen Laptop."

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