Bevor am Aschermittwoch alles vorbei ist, wird in Mönchengladbacher Kirchen noch mal „kölsch-katholisch“ gefeiert.

Pfarrer Harald Josephs und seine Bandkollegen in schwarzen Talaren feiern „op kölsche Art“.
Pfarrer Harald Josephs und seine Bandkollegen in schwarzen Talaren feiern „op kölsche Art“.

Pfarrer Harald Josephs und seine Bandkollegen in schwarzen Talaren feiern „op kölsche Art“.

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Pfarrer Harald Josephs und seine Bandkollegen in schwarzen Talaren feiern „op kölsche Art“.

Mönchengladbach. Harald Josephs nennt die Kölner Kultgruppe mit 40-jähriger Bandgeschichte schlicht "die Fööss". So wie mancher Rockfan ausschließlich von den "Stones" spricht.

Mit Musik von den Bläck Fööss ("En unserem Veedel") und den Höhnern ("Viva Colonia") will der Pfarrer aus Mönchengladbach-Rheindahlen ab kommenden Samstag für ordentlich jecke Stimmung in Kirchen sorgen.

"Die Orgel ist dabei raus."

Pfarrer Harald Josephs und seine Band nutzen lieber Keyboard, Gitarre und "Quetsch"

An diesem und am folgenden Wochenende veranstalten Josephs und seine Musikerkollegen insgesamt fünf "kölsch-katholische Gottesdienste" - Karneval mit Gottes Segen also. Der Geistliche selbst übernimmt den Gesangspart, als Begleitung dienen unter anderem Schlagzeug, Mundharmonika und "Quetsch", wie er - kölsch-stilecht - das Akkordeon nennt. "Die Orgel ist dabei raus."

Weitere Mitglieder des Ensembles, alle mit "kirchenmusikalischer Vergangenheit", sind etwa der Leiter der Krefelder Mediothek, Helmut Schroers, und Herbert Deuster, am Viersener Albertus-Magnus-Gymnasium für die Bigband zuständig.

"Die Idee ist auf einer Ferienfreizeit mit Familien entstanden", erzählt der 50-jährige Priester. An einem Abend, die Kinder seien schon in den Betten gewesen, hätten die Erwachsenen im Aufenthaltsraum zu Keyboard und Gitarre gegriffen. Songs von den Beatles wurden gespielt - und eben von den "Fööss". Man probierte es in den Gemeinden, und inzwischen gibt es die Messen mit närrischem Einschlag seit zehn Jahren.

Prominente Unterstützung bekommen die "Kirchenmusiker" aus Köln: "Die Bläck Fööss sind sehr kooperativ, wenn wir sie nach Notensätzen fragen", erzählt Pfarrer Harald Josephs. Die Kultband habe auf einem Konzert in Wickrath auch schon mal Werbung für die Gottesdienste gemacht.

Das "kölsch-katholische" Ensemble tritt an folgenden Tagen in verschiedenen Mönchengladbacher Stadtteilen auf: Samstag, 6. Februar, 16 Uhr: St.Margareta in Hockstein, Am Hasenberg; Sonntag, 7.Februar, 11 Uhr: St. Konrad in Ohler, Konradstraße, sowie 18Uhr: City-Kirche in Stadtmitte, Alter Markt; Samstag, 13. Februar, 16 Uhr: St.Josef in Schelsen, Gereonstraße; Sonntag, 14.Februar, 10Uhr: St.Helena in Rheindahlen, Sankt-Helena-Platz.

Allerdings betont der aus Aachen stammende Geistliche, dass es immer ein Gottesdienst bleiben soll: "Während der Eucharistie machen wir aus Respekt konsequent Pause."

Und er lege Wert darauf, dass es an den jeweiligen Wochenenden auch die Möglichkeit in den Gemeinden gebe, einen "normalen Gottesdienst" zu besuchen. Aber Kirche sei auch dafür da, "dass man mal feiert".

"Wir haben nicht den klassischen Messaufbau mit Kyrie, Gloria und Co."

Pfarrer Harald Josephs über die ganz besonderen Gottesdienste vor Aschermittwoch

Das kommt an: Zwischen 400 und 550 Besucher aus Mönchengladbach und dem Umland sitzen jeweils in den Bänken. Für die Kirche in der Region sind das traumhafte Zahlen, die sonst oft nur zu Weihnachten, bei Erstkommunionfeiern oder Schützen-Messen erreicht werden.

Neben Karnevalsklassikern sind auch biblische Inhalte zu hören, die humorvoll auf Platt vorgetragen werden. Josephs: "Wir haben nicht den klassischen Messaufbau mit Kyrie, Gloria und Co."

Nach einigem Zögern verrät er auch eines der geplanten Lieder für diese Session: "Blootwoosch, Kölsch un e lecker Mädche". Beim darin besungenen Pitter, den es auf einem "urahle Pott" in die weite Welt zieht, sieht der Theologe Parallelen zum verlorenen Sohn aus dem bekannten Gleichnis. Die Quintessenz beider Geschichten: "Es ist wichtig für einen Menschen, dass er ein Zuhause hat."

Außerhalb der Kirchenmauern hält sich der Priester karnevalistisch ziemlich zurück: Dieses Jahr etwa will er sich, gemeinsam mit seinem fünfjährigen Patensohn, nur einen einzigen Narren-Zug in Mönchengladbach ansehen. Und schon mehrfach habe er sich nach dem letzten "kölsch-katholischen Gottesdienst" ins Auto gesetzt - um in die Alpen zu fahren.

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