Rheinarmee: Bis auf ein Depot geben die Streitkräfte ihr Hauptquartier und die Basis in Elmpt auf.

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Der Union Jack weht im britischen Supermarkt. Das ist bald Geschichte.

Der Union Jack weht im britischen Supermarkt. Das ist bald Geschichte.

Schon 2007 wurde General Sir David Richards (vorn) verabschiedet.

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Der Union Jack weht im britischen Supermarkt. Das ist bald Geschichte.

Niederrhein. "Rheindahlen": Englisch ausgesprochen ist das ein Begriff, den man in Großbritannien kennt. 1952 wurde hier auf einer Fläche von 400 Hektar das JHQ (Joint Headquarter) errichtet, das Hauptquartier der britischen Rheinarmee. Rund 2000 Gebäude umfasst es. Viele tausend Soldaten und Zivilbeschäftigte haben hier Arbeit gefunden.

Doch nach und nach gehen die Lichter in Rheindahlen und den benachbarten Javelin Barracks in Elmpt aus: Nur noch ein Depot in Mönchengladbach wird übrigbleiben. Das hat jetzt der britische Verteidigungsminister Bob Ainsworth in einem Schreiben an seinen deutschen Amtskollegen von Guttenberg mitgeteilt.

Insgesamt will die britische Regierung 5000 Streitkräfte aus Deutschland abziehen. Vom Rückzug der Armee sind in Mönchengladbach und Niederkrüchten auch rund 1200 Zivilangestellte betroffen, erklärte Helga Heine, Sprecherin der britischen Streitkräfte in Deutschland.

"Damit wird ein historisches Engagement der britischen Streitkräfte beendet."

Nick Caplin, Befehlshaber

Nach diesen Plänen wird das Unterstützungskommando im Hauptquartier umstrukturiert in eine Germany Support Group. Sie wird ab 2011 nach Herford verlegt. Zuvor bereits wird noch in diesem Sommer das schnelle Eingreifcorps nach Großbritannien verlagert, schreibt der britische Verteidigungsminister. 2014 sollen dann große Teile des JHQ Rheindahlen geschlossen werden.

Ein Jahr später gehen die Fernmeldeeinheiten von Elmpt nach England. Und 2016 soll dann die "Rhein Garrison", bestehend aus dem JHQ und dem Militärkomplex Elmpt, vollständig aufgelöst werden - bis auf das verbleidende Depot der Ayrshire Barracks in Mönchengladbach.

Von 1952 bis 1954 wurde das Hauptquartier der Britischen Rheinarmee auf einer Fläche von 400 Hektar errichtet. In Elmpt entstand die Royal Air Force Brüggen.

Fast 2000 Häuser stehen auf dem Gelände des JHQ. Das sind vor allem Dienstwohnungen, aber auch Kirche, Sportanlagen, Feuerwehrdepot oder Kino.

Neben den Soldaten und ihren Angehörigen (rund 6000 Personen) sind etwa 1200 Zivilbeschäftigte vom Abzug betroffen.

Für die Stadt Mönchengladbach gehen etwa 20 bis 30 Millionen Euro Kaufkraft pro Jahr verloren. Was mit dem Gelände geschehen soll, steht hier, wie auch in Elmpt, noch nicht fest.

"Damit wird ein historisches Engagement der britischen Streitkräfte in der Region beendet", sagte Major General Nick Caplin, Befehlshaber des britischen Unterstützungskommandos. Es sei eine schmerzliche Nachricht für alle Zivilbeschäftigten, die über viele Jahre ausgezeichnete Dienste geleistet hätten. Wieviele Entlassungen es geben werde, konnte Caplin nicht sagen; man bemühe sich aber, alternative Stellen für die Betroffenen zu finden.

Seit dem Fall der Mauer und dem Ende des Kalten Krieges wurden die in Rheindahlen und Elmpt stationierten Streitkräfte Zug um Zug reduziert. Die Royal Air Force Brüggen wurde aufgegeben, der Flugplatz liegt still. Im Jugoslawien-Konflikt und im ersten Irak-Krieg wurde er von den Nato-Streitkräften letztmals intensiv genutzt.

Mit der Auflösung der Militär-Zentrale entsteht nun eine Geisterstadt. Kasino, Kino, Supermarkt werden leerstehen - wie auch die St. Boniface Church.

Was aus den großen Arealen nahe der niederländischen Grenze wird, ist unklar. In Elmpt gibt es eine Initiative, die den Militärflughafen für zivile Luftfahrt nutzen will; andere sprechen von einem großen Gewerbegebiet, angeregt wurde auch, hier einen Umschlagplatz für die Güterzugstrecke Eiserner Rhein einzurichten.

Ratlosigkeit herrscht auch in Mönchengladbach. Dort freute man sich im August vorigen Jahres über die Ankündigung des damaligen Bundesverteidigungsministers Jung, der Stadt bei der Umgestaltung des JHQ helfen zu wollen. Doch große Ideen gibt es für die Nutzung der Anlage noch nicht, und Verteidigungsminister Jung ist nicht mehr im Amt.

Wenn der Blick nach vorn schon getrübt ist, kann man zumindest auf ein gutes halbes Jahrhundert gewachsener Partnerschaft rund ums JHQ schauen. Eine gute Gelegenheit dazu ist das Nato-Musikfestival am 19. Juni im Borussiapark.

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