Markt der Epochen: Ritter mit Schwert in Kettenhemden: Das muss nicht immer Karneval sein. Für viele ist es ein Hobby.

Zurück ins Mittelalter beim Markt der Epochen in Rheinberg: Jörg und Beate Bühnen, Nadja, Ursula, Lothar Fuhrmann sowie Schwertkämpfer Uwe.
Zurück ins Mittelalter beim Markt der Epochen in Rheinberg: Jörg und Beate Bühnen, Nadja, Ursula, Lothar Fuhrmann sowie Schwertkämpfer Uwe.

Zurück ins Mittelalter beim Markt der Epochen in Rheinberg: Jörg und Beate Bühnen, Nadja, Ursula, Lothar Fuhrmann sowie Schwertkämpfer Uwe.

Zurück ins Mittelalter beim Markt der Epochen in Rheinberg: Jörg und Beate Bühnen, Nadja, Ursula, Lothar Fuhrmann sowie Schwertkämpfer Uwe.

Rheinberg. Klirrend treffen die Schwerter aufeinander - wieder und wieder. Die Gesichter der Kämpfenden sind hochrot, Schweißtropfen bilden sich auf ihrer Stirn, suchen sich einen Weg hinab Richtung Kinn. Jede Bewegung ist anstrengend.

Denn unter ihren ungebleichten Leinenoberteilen tragen die Ritter schwere Kettenhemden. Gebannt verfolgen die Zuschauer jede Bewegung der beiden Männer. Frauen in langen, wallenden Kleidern mit weiten Trompetenärmeln. Männer in Tuniken, samtenen Wamsen, Lederhosen und weiten Umhängen.

Sie feuern die Kämpfenden an, springen vor, recken ihre Fäuste. Oder zurück, wenn sich die Kämpfenden nähern. Mitten unter ihnen: Nadja, Jan und Anna-Lena Fuhrmann, sowie Beate und Jörg Bühnen. Sie gönnen sich einen Ausflug auf den Markt der Epochen in einer Messehalle in Rheinberg.

"Wir lieben die Unkompliziertheit auf den Märkten. Jeder kennt jeden, jeder grüßt jeden. Hier kann man einfach mal die Seele baumeln lassen", sagt Jörg Bühnen. Der 45-jährige Chemikant ist nicht nur mit seiner Frau Beate (43) nach Rheinberg gekommen, sondern auch mit seinem Arbeitskollegen Lothar Fuhrmann. Der 55-Jährige sucht auf den Märkten die Abwechslung vom Alltag. "Frei bin ich nur, wenn ich abschalten, die Technik aussperren kann."

Und genau das gelingt ihm auf den Märkten. Dann verwandelt er sich in einen "freien Bürger" in einer unabhängigen Stadt aus dem 13. oder 14. Jahrhundert. Die langen, weißen Haare bleiben offen und verschwinden teilweise unter der blauen Filzkappe. Nur die Brille, die bleibt auf der Nase - auch, wenn sie nicht authentisch aus dieser Zeit stammt. "Ich wollte nicht der 1000. Ritter werden."

Dem Weseler geht es nämlich nicht nur um das Verkleiden, sondern auch darum, so authentisch wie möglich die Zeit nachzuempfinden. "Reanactment" nennt sich diese Art von Rollenspiel. Zudem beschäftigt er sich mit den Gegebenheiten dieser Zeit, mit der Namens- und der Wappenforschung.

Sein Hobby hat er seiner Schwiegertochter Nadja zu verdanken. "Ich wollte vor einem Jahr eine ganz besondere Hochzeit haben. In Weiß kann schließlich jeder", sagt die 27-Jährige. Da kam für sie nur eine "Ritterhochzeit" in Frage.

Seither ist die ganze Familie im "Mittelalterfieber". An den Wochenenden geht es auf Märkte, in der Woche wird gelesen, geforscht oder mittelalterliche Musik gelauscht. Die muss auch nicht völlig authentisch sein - Mittelalterpunks wie Saltatio Mortis oder Rocker wie In Extremo dürfen in der CD-Sammlung nicht fehlen.

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