Ein Landwirt aus Anrath klagt über Gefährdung – Anwohner in Clörath verstehen die Welt nicht mehr. Von den Grünen kommt ein „Vermittlungsvorschlag“.

Eine solche Pappelreihe soll in Clörath der Kettensäge zum Opfer fallen.
Eine solche Pappelreihe soll in Clörath der Kettensäge zum Opfer fallen.

Eine solche Pappelreihe soll in Clörath der Kettensäge zum Opfer fallen.

Landwirt André Sieben möchte, dass die Bäume wegkommen.

Archiv, Bild 1 von 2

Eine solche Pappelreihe soll in Clörath der Kettensäge zum Opfer fallen.

Viersen. Der Anrather Landwirt Hans-Leo Sieben und sein Sohn André fühlen sich bedroht, wenn sie aufs Feld gehen. Zumindest was das angepachtete Feld in Clörath angeht, das direkt neben dem Landschaftsschutzgebiet des Kreises Viersen liegt. Woran liegt’s? Dort steht zwischen dem Feld und dem Schutzgebiet auf einem schmalen Grünstreifen, der der Stadt Viersen gehört, eine Reihe von 42 Pappeln. Und die könnten gefährlich werden.

„Letztes Jahr im Sommer bei der Kartoffelernte kam ein heftiger Sturm auf und ein Ast hätte mich beinahe getroffen“, berichtet Hans-Leo Sieben. Diesen Vorfall nahm er zum Anlass, auf die Stadt Viersen Druck auszuüben. Vater und Sohn wollen die Pappeln weg haben.

Die beiden sehen es nicht weiter als zumutbar an, dass „wir morsche Äste, die auf unsere Fläche herunterfallen, eigenhändig mit großem Aufwand entfernen müssen“, so ihre Aussage. Viersens Stadtförster Rainer Kammann hat daraufhin die Baumfällung in den Forstwirtschaftsplan eingebracht. Allerdings räumt er ein, dass die Bäume keinesfalls so schlecht seien, dass sie umgehauen werden müssten.

Protest kommt auch vom BUND

Bei den Anwohnern und dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Kreis Viersen stößt die geplante Aktion auf Protest. „Die Reihe ist wunderschön und stört niemanden“, sagt Carla Mertens, die an der Clörather Mühle wohnt. Ludwig Mertens schließt sich an. Er versteht nicht, warum die Bäume inmitten der Wiesen und Äcker weg sollen.

Der BUND sieht das ähnlich. Es liege keine „Schlagreife“ vor und die Bäume seien nicht krank. Sie hätten sogar Kyrill ausgehalten. „Die Pappeln müssen lediglich von der Stadt Viersen, die Eigentümerin der Baumreihe ist, gepflegt werden. Eine ganz normale Verkehrssicherheitspflicht“, sagt Horst Meister vom BUND.

Die Pappel zählt biologisch zu den Weidengewächsen.

Das hiesige Klima ist gut für diesen Baum geeignet, allerdings wurden viele erst nach dem Zweiten Weltkrieg gepflanzt, weil sie die Ufer von Bächen und Flüssen befestigen können und schnell wachsen. Die hängenden Blütenstände werden Kätzchen genannt.

Die Bäume können eine Höhe zwischen 30 und 45 Metern erreichen.

Doch genau diese Pflege übernimmt die Stadt Viersen nicht – die Kosten seien zu hoch. Die Bäume sollen nun bis zum kommenden Februar gefällt werden. „Sobald die Witterung es zulässt, werden wir mit den Fällungen beginnen“, heißt es von der Stadt. Innerhalb der nächsten zwei Jahre soll dann die Fläche aufgeforstet werden. Dann könnten dort Weiden angepflanzt werden.

Die Grünen haben mittlerweile einen Antrag bei der Stadt eingereicht, der sich für den Erhalt der Pappeln ausspricht. Im nächsten Umweltausschuss, der im Februar zusammenkommt, soll die Sache thematisiert werden. „Aber wir wollen auch schon im Ältestenrat in der kommenden Woche darüber sprechen“, sagt Martina Maaßen von den Grünen. In diesem Gremium sitzt unter anderem der Bürgermeister. Es sollen nicht „vorzeitig Tatsachen geschaffen werden“, so Maaßen.

Die Grünen haben sich auch bereits einen „Vermittlungsvorschlag“ überlegt: „Die 15 Meter am Rande des Felds, wo Äste hinfallen können, könnten von der Stadt gepachtet werden – dann hat der Eigentümer des Landes keinen Verlust und der Landwirt auch nicht.“

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