Im Kreis Viersen und in Gladbach steigt der Druck am Arbeitsplatz, sagen Experten.

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Druck am Arbeitsplatz wird für den Anstieg bei psychischen Störungen verantwortlich gemacht.

Druck am Arbeitsplatz wird für den Anstieg bei psychischen Störungen verantwortlich gemacht.

dpa

Druck am Arbeitsplatz wird für den Anstieg bei psychischen Störungen verantwortlich gemacht.

Kreis Viersen/Mönchengladbach. Angst vor dem Jobverlust und zunehmender Druck im Unternehmen: Die Zahl der Fehltage wegen psychischer Krankheiten von Arbeitnehmern hat im Kreis Viersen seit 1995 um 80 Prozent zugenommen. Das ergab eine Studie der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) Rheinland.

"Das ist wirklich schon besorgniserregend."

 

Detlef Schubert von der AOK

"Zwar tritt diese Erkrankung deutlich seltener auf, als etwa Muskel- und Skelettbeschwerden, doch ist die Fehlzeit bei psychischen Erkrankungen signifikant höher, als bei vielen, deutlich häufiger auftretenden Erkrankungen", sagt Detlef Schubert, stellvertretender Regionaldirektor der AOK.

Im Schnitt fiel ein Arbeitnehmer im Jahr 2008 mit dieser Erkrankung 30 Arbeitstage aus (der Rheinland-Durchschnitt liegt bei 27 Tagen). Keine andere Erkrankung verursacht eine so lange Arbeitsunfähigkeit.

Im Jahr 2004 lag die durchschnittliche Fehlzeit noch bei 24 Tagen. "Dieser Anstieg an psychischen Störungen und der Krankheitsdauer - gerade im Kreis Viersen - ist besorgniserregend. Hier spielt der immer größer werdende Druck am Arbeitsplatz eine Rolle", sagt Georg Mertens, Fachberater am Institut für betriebliche Gesundheitsförderung.

Gravierend sei hier, dass die Arbeitnehmer im Kreis Viersen mit psychischen Erkrankungen im Vergleich zum übrigen Rheinland im Schnitt vier Tage länger krank sind. "Das zeigt deutlich, dass die Betreuungsdichte bei psychischen Problemen sehr ausbaufähig ist", sagt Mertens.

Im Vergleich zum Jahr 2007 ist der Krankenstand der rund 32000AOK-Versicherten im Kreis Viersen im Jahr 2008 um 0,28 Prozentpunkte gestiegen. Die meisten Erkrankungsfälle liegen im Bereich Muskeln und Skelett. Dazu gehören auch Rückenschmerzen.

Die durchschnittliche Krankheits-Dauer im vergangenen Jahr betrug 13 Tage. Bei psychischen Erkrankungen waren es 30 Tage.

Im ersten Quartal dieses Jahres zeichnet sich wegen der Grippewelle ein Krankenstands-Anstieg ab.

"Es schadet dem Erkrankten genauso wie dem Betroffenen, wenn seine Krankheit zwar erkannt ist, aber keine Therapieplätze gibt." So hätten auch viele Muskel- und Skelettbeschwerden (32 Prozent aller Krankheitsfälle) ihre Ursache im psychischen Bereich.

Noch gravierender, was die Arbeitsunfähigkeitsfälle wegen psychischer Erkrankungen angeht, ist die Situation in Mönchengladbach. Hier sind über sechs Prozent der krankgemeldeten Versicherten vom psychischen Störungen betroffen (Kreis Viersen: 5,5Prozent). "Allerdings liegt die Ausfallzeit in Gladbach bei durchschnittlich 27Tagen", sagt Mertens und weisst auf die bessere Versorgung durch Psychiater hin.

Insgesamt stieg der Krankenstand der 23500 AOK-Versicherten in Gladbach im 2008 von 3,39 auf 3,54 Prozent.

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