Wie denken die Landwirte im Kreis über die neue EU-Verordnung? Die WZ fragte nach.

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Bestimmte Schutzmittel, hier ein Sprüh-Einsatz auf einem Getreidefeld, sollen bald verschwunden sein.

Bestimmte Schutzmittel, hier ein Sprüh-Einsatz auf einem Getreidefeld, sollen bald verschwunden sein.

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Bestimmte Schutzmittel, hier ein Sprüh-Einsatz auf einem Getreidefeld, sollen bald verschwunden sein.

Kreis Viersen. Die grundsätzliche Einstellung der Landwirte im Kreis Viersen ist klar: "Auf Chemie ganz verzichten kann man nicht", sagt Josef Tillmanns, der einen Obst- und Rosenanbau in Willich-Schiefbahn betreibt. Selbst "im Bio-Anbau sind Pflanzenschutzmittel erlaubt". Aber Tillmanns sagt auch: "Natürlich wollen die Bauern keine krebserregenden Mittel benutzen." Nur gebe es aktuell die Sorge, dass jetzt ein Mittel wegfallen könnte, das als einziges gegen einen bestimmten Schädling helfen würde.

"Es entstehen Schäden durch gefräßige Raupen und alles fault - da brauche ich Chemie."

Der Anlass zu dieser Sorge ist eine Entscheidung in Brüssel: Das EU-Parlament verabschiedete eine Verordnung, die für den Menschen sehr gefährliche Wirkstoffe beim Anbau mittelfristig verbietet (die WZ berichtete). Dabei geht es um Gifte, die Krebs erregen, die Fortpflanzung schädigen oder das Erbgut verändern.

Doch auch weitere gefährliche Pestizid-Stoffe sollen nicht mehr gespritzt werden, wenn es andere Schutzmöglichkeiten gibt. "Wenn ich Alternativen habe, setze ich sie gerne ein", sagt Heinz-Josef Tölkes, der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Krefeld-Viersen. Doch auch er vertritt die Meinung: "Wir sollten schon weiterhin Pflanzenschutzmittel verwenden dürfen." So habe er als Kappes-Anbauer mit dem Kohlweißling zu kämpfen. "Dieser Schmetterling legt seine Eier ab, es entstehen Schäden durch die gefräßigen Raupen und alles fault. Da brauche ich Chemie."

Tölkes zieht den Vergleich mit der Humanmedizin: Bei einer Behandlung müsse ja auch die Verhältnismäßigkeit zwischen Nutzen und Schaden gewahrt bleiben. "Die Dosis macht’s", sagt er.

Sein Kollege Josef Tillmanns zeigt sich froh darüber, dass nun "alte Karteileichen" bei den Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen aussortiert würden und somit nicht mehr auf Obst und Gemüse landeten.

Über zumindest eine Nachricht aus Brüssel können sich die Landwirte nach Aussage der Kreisbauernschaft uneingeschränkt freuen: Ihre jahrelange Forderung nach einer "zonalen Zulassung" wurde offenbar erhört: Dabei handelt es sich laut Deutschem Bauernverband um eine Absprache der jeweiligen Länder in einer von drei Agrar-Zonen ("Nord", "Mittel" und "Süd"). Dadurch soll es künftig nicht mehr möglich sein, dass etwa in den Niederlanden andere Mittel zugelassen sind als in Deutschland.

Er spricht von einem Auftrag an die chemische Industrie, neue Mittel, die so genannten Substitute, zu finden. Diese Ersatz-Mittel würden aber sicherlich teurer, so Tillmanns.

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